Wie der durchaus sehenswerte 1983 US Film „Die Firma“ im Palais Ferstel Realität wird

von Boris Michael von Luhovoy / 04.03.2015

Man hätte die honorig stark durchzogene Zusammenrottung im Palais Ferstel auf durchaus hohem Niveau auch nach dem legendären 1983 Film „Die Firma“ benennen können. Das wäre inhaltlich wie formal in sich weit stimmiger gewesen als die doch etwas spröde Namensnennung „Agentur für die Modernisierung der Ukraine“.

Die „Agentur für die Modernisierung der Ukraine“ (für die tatsächliche Gründung derselben war vor der PR-Veranstaltung noch keine Zeit) entspricht geradezu der klassischen Definition des Strafgesetzbuches „Gründung einer bandenmäßig organisierten kriminellen Organisation“ sowie inhaltlich und von der hochkarätigen Besetzung der Schausteller her, der auch heute noch durchaus sehenswerten Filmvorlage Filmtipp aus 1983.

Wenn man sich die einzelnen Finanziers des Projektes ansieht, die sich munter eine ganze Reihe abgelegter, ehemals hochstehender EU Persönlichkeiten sowie Herrn Spindelegger zur Deckung einkaufen, dann fragt man sich, ab welchem threshold die (Korruptions)Staatsanwaltschaft Handlungsbedarf sieht.

Es ist doch unglaublich, mit welcher Chuzpe ausgewiesene Wirtschaftskriminelle (und nicht nur solche), die sich die werthaltigen Ressourcen der Ukraine aneigneten, ausraubten und mit Hilfe ihrer westlichen Partner weiter bis aufs Skelett ausräumen, frech wie charmant in Österreich werken und herumstolzieren.

Jetzt haben sie ein neues, leichtes Opfer entdeckt.

Sich als Manager von EU Hilfsgeldern für die Ukraine zwischenzuschalten. Da winkt fette Beute. Diesem Ziel nähern sie sich auf durchaus robustem Niveau – Finanzmittel sind ja genügend in der Portokasse. Auch die Ndrangheta tritt ja heute mit gestylten Notaren und durchaus präsentablen Geschäftsmodellen auf und nicht mehr mit stark schultgepolsterten schwarz gekleideten glotzenden Sonnenbrillenträgern mit Handfeuerwaffen.

Die drei Gründer der eleganten Gang à la „Die Firma“ „Agentur für die Modernisierung der Ukraine“ Wiktor Mychajlowytsch Pintschuk, Rinat Leonidowytsch Achmetow und der nur gegen enorme Kaution (de facto Schutzgeldzahlung von 125 Millionen Euro) auf freiem Fuß befindliche Dmytro Wassylowytsch Firtasch finden sich allesamt im Dunstkreis internationaler Fahndungslisten und/oder Auslieferungsbegehren wegen des Vorwurfs der Bildung von kriminellen Vereinigungen, Bestechung, Diebstahl und anderer krimineller Handlungen. In Österreich finden solche ‚Bizznez-men‘ mit minimalem kommerziellen Reibungsverlust, neben dem schweizerischen Zug, ein für sie angenehm kuscheliges soziales Habitat und politisch enorm willfährige Partner.

Sie, allesamt wohlbestallte Oligarchen, die vorgestern untereinander eher grobmotorig per Erpressung, Kalaschnikows und Autobomben kommunizierten, sich gestern per se noch über internationale Anwaltsbüros auseinandersetzten, eint heute eine gemeinsame Angstvorstellung:

Sie fürchten durch Abspaltung oder Selbstverwaltung der Ostukraine blitzartigen völligen Machtverlust, bzw. kommerziellen Untergang da sie, wie die Paten der Ndrangehtta oder Cosa Nostra in Italien, allesamt im Gebiet der Ostukraine die unbeschränkt herrschende Justiz und Gesetz verkörperten, Medien und Finanzwelt kontrollierten und nebstbei eine recht virile vielseitige Schwerindustrie (bis hin zu hochwertigen Komponenten für russische Helikopter für die sie de facto ein Monmopol besitzen), Energieproduktion und Durchleitung sowie Handel zu 100% kontrollieren.

Die Paten sind auch heute dort de facto die einzigen potenten Arbeitgeber – die Regierung in Kiew hat in diesem olfaktorisch bedenklichen Dunstkreis der Ostukraine aus real—machtpolitischer Sicht nichts, bis sehr wenig zu sagen. Nur mit Mühe können unsere Paten im Nadelstreif z.Zt. noch einige (Schwerindustrie)Betriebe durch angeworbene Söldner schützen, aber wer weiß, ob Putin nicht gekommen ist, um zu bleiben?

Also muss ein neues Geschäftsfeld her.

Jetzt soll die Tarnoranisation „Agentur für die Modernisierung der Ukraine“ mit Sitz in Wien mit Hilfe von Zuträgern einerseits EU Hilfsgelder en gros (300 Mrd. € sind für das Anfangsziel schon ein nettes Sümmchen) abschöpfen und andererseits die in der Ukraine schwindende Beute der Defraudanten heim in Sicherheit bringen. Niemanden, der unter Kronleuchtern im Palais Ferstel freudig dazu klatscht, scheint dieses negligable Beiwerk zu stören.

Anscheinend macht sich der Rechtsstaat Österreich in der Hans Moser artigen „bittaschen gnä‘ Herr“ vorauseilenden servilen Unterwürfigkeit entweder „mit den neuen Realitäten“ gemein oder fest in die Hosen…