Wie Zitrusfrüchte und Regenbogen unsere Sprache bereichern

von Lucia Marjanovic / 24.05.2015

Letztes Mal ging es unter anderem um Bindestriche und deren Aufgabe, die Farben auseinanderzuhalten. Zusammengefasst:

Ein Hemd kann blau-weiß gestreift oder rot-gelb kariert sein, aber wenn es rotgelb ist, ist es schon orange.

Orange, orangene oder orangefarbene Früchte?

„Rotgelb“ hieß diese Farbe auch, bis sich Zitrusfrüchte im deutschen Sprachraum verbreiteten.

Wo der voreilende Rand des Nebenbildes sich vom Dunkeln über das Helle zieht, erscheint das Gelbe und Gelbrote.
Umgekehrt wo ein heller Rand über die dunkle Umgebung hinaustritt, erscheint er blau und blaurot.

Das schrieb Goethe in seiner Farbenlehre 1806.

199 Jahre später, im Duden-Newsletter vom 12. August 2005 (leider online nicht mehr zu finden) hat die Duden-Redaktion dann endlich Regeln aufgestellt, wie das neuartige Farbadjektiv „orange“, das inzwischen in die deutsche Sprache Einzug gehalten hat, zu deklinieren ist. Richtig ist „ein orange Kleid“ oder „ein oranges Kleid“.

Davor war die Deklination des Adjektivs „orange“ offiziell nicht erlaubt, wie der Zwiebelfisch noch 2004 feststellte. Möglich war natürlich immer, auf „orangefarben“ oder „orangefarbig“ auszuweichen. Oder auch, ein anderes Farbadjektiv anzuhängen.

Möglicherweise ist das der Grund, warum in den deutschen Harry-Potter-Büchern ständig von „orangerot“ die Rede ist, wenn im Original „orange“ steht. Aber mit Farben hatte es der Übersetzer überhaupt nicht so (siehe unten).

Seit dem 18. Jahrhundert haben weitere fremdsprachige Farbwörter Einzug in die deutsche Sprache oder zumindest in Versandhauskataloge gehalten: z.B. beige, mauve, écru, petrol.

Die meisten Farben muss man aber trotzdem übersetzen. Und dabei kann so einiges schiefgehen.

Wie übersetzt man „shocking pink“?

Im vierten Band der Harry-Potter-Serie muss Harry nicht nur Lord Voldemort gegenübertreten, sondern auch eine Tanzpartnerin für den Schulball finden. Das gelingt schließlich, und Parvati Patil erscheint in robes of shocking pink – auf Deutsch in einem „knallroten Umhang“ (Kapitel The Yule Ball – Der Weihnachtsball).

Solche Fälle von offensichtlicher Farbenblindheit sind in Übersetzungen zum Glück die Ausnahme. Ein häufiger Fehler ist aber, „purple“ mit „purpur“ oder „purpurrot“ zu übersetzen. Richtig ist „violett“ oder „lila“, wie es im Roman und Film Die Farbe Lila – The Color Purple geschehen ist.

Von Gelb zum Regenbogen

Die Farbe Gelb steht im deutschsprachigen Raum unter anderem für Reclam-Hefte, in Italien ist ein „giallo“ (= gelb) ein Krimi. Das kommt von der Krimiserie, die seit 1929 im Verlag Arnoldo Mondadori herausgegeben wird.

Im englischsprachigen Raum assoziiert man mit der Farbe Gelb und Printwerken Sensationspresse – yellow press; auf Deutsch „Regenbogenpresse“.

Da „bunt“ schon immer auch ein Synonym für „vielfältig“ war, ist es naheliegend, dass der Regenbogen ein Symbol für Toleranz darstellt – was wiederum nicht gerade ein typisches Merkmal der Regenbogenpresse ist.

„Colorful“ kann allerdings auch etwas anderes heißen: