Wo geht’s bitte zum Generationenkonflikt?

von Elisabeth Gamperl / 13.11.2014

Das Lebensmotto der jungen Österreicher lautet Treue, Familie und Freunde. Sie kiffen kaum, orientieren sich am Wertemodell ihrer Eltern. Das besagt unter anderem der aktuelle Jugend Trend Monitor. Jugendliche, das sind in der Online-Studie 14- bis 29-Jährige – hören sich aber eigentlich ganz schön alt an. Sie klingen eher nach Spießern als nach Systemveränderern. Eher nach Dirndln und Lederhose als nach Che Guevara-Shirt. Es wächst eine wertkonservative Generation heran, lautet daher auch das Fazit der Marketagent.com-Befragung.

Dabei lassen sich diese Annahmen einer vergreisten Jugend nicht nur statistisch relativieren. Ein Beispiel: Auch wenn übereinstimmenden Berichten zur Lage der Jugend zufolge die Jungen wieder heiraten wollen – sie tun es nicht. Das Heiratsalter steigt laut Statistik Austria:

In welchem Lebensjahr werden Ehen geschlossen?
In welchem Lebensjahr werden Ehen geschlossen?

Die mediale Durchspülung dieser Generation ist auch aus einem anderen Grund zu relativieren: Sie ist ein Produkt der Alten. Diese sind enttäuscht: Die Jungen lassen sich nämlich nicht auf den von vielen herbeigesehnten Generationenkonflikt ein.

Bis heute geben die Babyboomer die Schablone vor, was als „Aufbegehren“ durchgeht. Sie mussten ihre verschwiegenen Eltern mit der Nazizeit konfrontieren und sehen nicht ein, dass sich die Jungen nicht gegen Mama und Papa auflehnen wollen.

Linke und Konservative sind sich in diesem Punkt ähnlicher, als ihnen lieb ist. Sie blicken beide rührselig in die Vergangenheit, als sie noch auf die Straße gingen und Steine warfen. Sie geben heute vor, was als altbacken, was als revolutionär gilt. Doch die Welt hat sich verändert. Sie ist komplexer geworden, auch wenn das bei graumelierten Jugendforschern nicht angekommen ist. Wir stecken mitten in einer digitalen Evolution, in der die Unterscheidung zwischen Realität und Virtualität immer mehr verschwimmt. Ein Protest-Klick auf Facebook erreicht mehr Menschen als ein Schild vor dem Parlament hochzuheben.

Zudem verändert sich die Arbeitswelt. Während die einstigen Revolutionäre heute staatliche Pensionen beziehen, die ihre Kinder höchstwahrscheinlich nie erlangen werden, und „Empört euch!“ rufen, stellen sich die Jungen pragmatisch auf Eurokrise, Klimawandel und die Post-NSA-Welt ein. Die junge Generation soll die Fehler der alten ausmerzen. Und das bitte mit Radau. Genau so wie Mama und Papa es gemacht haben.