Young Urban Professionals und die Kunst

von Carolina Vinqvist / 06.02.2015

Hohe Wände, Fischgrätparkett, helle Räume – Wiener Altbau eben. Zu erwarten wären eigentlich goldene Barockrahmen, die klassische Malerei zeigen. Eigentlich. Gezeigt wird genau das Gegenteil. Der US-Amerikaner Nicholas Platzer und seine Wiener Geschäftspartnerin Nathalie Halgand führen direkt am Naschmarkt die 170 Quadratmeter große Street-Art-Galerie INOPERAbLE. Jetzt kann gefragt werden: Street Art und Galerie, wie passt das zusammen? Für Nicholas Platzer ist die Antwort einfach. Gezeigt werden Künstler, die unter die Kategorie „Contemporary Artist“ fallen und sowohl für die Galerie arbeiten als auch auf der Straße tätig sind. Dabei ist das Bild eines Street Artist alles andere als lumpenhaft. Die Beschreibung „Young Urban Professionals“ trifft es besser. So wie das Künstlerpaar Jana & Js. Mit ihrer aktuellen Ausstellung „Forget the Outside“ zeigen sie melancholische Männer und Frauen, teilweise mit Stoffen verdeckt, um auf die heutige soziale und politische Situation anzuspielen: den Menschen aus Glas und seine Privatsphäre. Die Frage nach Rückzugsorten in einer Welt, die so schnelllebig ist, dargestellt auf alten, teilweise angebrannten Grundrissplänen, hat etwas Melancholisches.

Das Künstlerpaar Jana & Js vor ihrem Werk „Forget the Outside“, 2015
Das Künstlerpaar Jana & Js vor ihrem Werk „Forget the Outside“, 2015
Die Künstler vor dem Werk „Forget the Outside“, 2015

Getroffen haben sich der Franzose und die Österreicherin vor zehn Jahren in Barcelona und leben momentan in Salzburg. Deren Kunst gibt es natürlich nicht nur in der Galerie, sondern auch an öffentlichen Orten. Auf legalen Flächen in der Gumpendorfer Straße/Ecke Hornbostelgasse, am Naschmarkt oder in Meidling zeigen sie ihre Kunst for free. Auf Spraydosen verzichten sie allerdings bei weder der einen noch der anderen Darstellungsform. Dosen, Acryl, Tinte. Das sind Materialien, die für die aktuellen Arbeiten verwendet wurden. Aber wie sieht es mit dem Publikum in Wien aus, einer Stadt, die neben dem Donaukanal nicht besonders Graffiti- und Street-Art-freundlich ist? Nicht schlecht! Von 30- bis 67-Jährigen: Es gibt keine feste Zielgruppe, und immer mehr Personen wagen den Schritt, in diese Form der Contemporary Art zu investieren. Und für Nicholas Platzer ist es genau das, was Wien so interessant macht. Während Berlin, London oder New York zwar für diese Szene bekannt sind, ist es doch eher eine große Blase – dominiert von Touristen. Wien hingegen sei dynamisch. Das zeigen auch Kooperationen der Galerie mit Bezirksvorstehern oder der Organisation Kunst im öffentlichen Raum Wien. Und auch in der Schule gilt Graffiti und Street Art nicht mehr als böse Kunst von Drogenabhängigen Hip-Hoppern. Jana & Js beteiligen sich an der Bebilderung für ein Schulbuch. Kinder lernen so über eine Darstellungsform, die sich dezidiert mit aktuellen politischen Situationen auseinandersetzt und nicht nur urban, sondern als globale Bewegung angesehen werden kann. Auf die Frage, ob die Galerie denn mit Puber oder Banksy zusammenarbeiten wollen würde, lächelt Nicholas Platzer nur verschmitzt. Mit Puber nein, mit Banksy ja. Aber nur, weil er dann wahrscheinlich reich wäre. Und das zeigt: Street-Art-Galerien sind auch nur ein Rad des großen Wiener Galeriegetriebes.

Zu sehen ist die Ausstellung „Forget the Outside“ vom 5. Februar bis 7. März 2015.
INOPERAbLE Galerie