Zweisprachig? Nein danke

von Aldo Keel / 08.05.2015

Dass in Deutschland ein zweisprachiges Ortsschild aufgestellt wird, heißt noch lange nicht, dass die Dänen das nachmachen. Das kleine patriotische Land verzichtet gerne auf die deutsche Bezeichnung seines geliebten dänischen Städtchens Hadersleben.

Die knapp 22.000 Einwohner zählende Stadt Haderslev (deutsch Hadersleben) stellte kürzlich Dänemarks erste zweisprachige Ortstafel auf. Der Bürgermeister wollte damit dem Beispiel der deutschen Stadt Flensburg jenseits der Grenze nacheifern, auf deren Ortstafeln seit sieben Jahren auch der dänische Namen Flensborg zu lesen ist. Das Experiment wurde in den sozialen Netzwerken erregt diskutiert. Unterschwellig spielt offenbar noch immer die Angst mit, dass die einst umstrittene Gegend ihren dänischen Charakter verlieren könnte. Es sei nicht nötig, auch noch auf Ortstafeln an „deutsche Zeit“ erinnert zu werden, hieß es etwa. In Dänemark werde Dänisch gesprochen. Von 1867 bis 1920 gehörte Haderslev zu Preußen. Im Zweiten Weltkrieg war Dänemark von den Deutschen besetzt.

Die zweisprachige Ortstafel stand gerade einmal zwei Wochen, dann wurde sie im Schutz der Nacht von Unbekannten demontiert und über eine Mauer geworfen. In Südjütland lebt heute eine 15.000 bis 20.000 Menschen starke deutsche Minderheit, die eigene Kindergärten, Schulen und Vereine unterhält, aber gut in die dänische Gesellschaft integriert ist. Vorläufig wagt der Bürgermeister kein zweites Experiment. Er wolle das Geld der Steuerzahler nicht dazu verwenden, diese Tafel immer und immer wieder aufs Neue aufstellen zu müssen, sagte er der Zeitung „Berlingske Tidende“. Bereits liege eine Anfrage des Südjütischen Museums vor, das Dänemarks bekannteste Ortstafel auszustellen gedenke.

Übrigens lehnte gleichzeitig der Finanzausschuss der Stadt Tønder (Tondern) die Errichtung zweisprachiger Ortstafeln einstimmig ab.