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Geschrumpfte Bank Austria

Ein schwerer Schlag für den Bankenplatz Österreich

von Matthias Benz / 11.11.2015

Die Restrukturierungspläne von Unicredit treffen den Bankenplatz Österreich hart. Das liegt auch an grundlegenden Schwächen des hiesigen Bankensektors, wie NZZ-Korrespondent Matthias Benz schreibt.

Die Restrukturierungspläne von Unicredit bedeuten für den österreichischen Bankenplatz einen schweren Schlag. Die Tochter Bank Austria – das zweitgrößte österreichische Institut nach Bilanzsumme – muss drastisch Federn lassen. Darin spiegeln sich auch grundlegende Schwächen des österreichischen Bankensektors.

Zum Ersten muss die Bank Austria ihr bisher aus Wien geführtes Osteuropageschäft Ende 2016 an die Mailänder Unicredit-Zentrale abtreten. Zwar soll ein guter Teil des Führungspersonals und des Know-hows vorerst in Wien verbleiben. Aber die 13 Tochterbanken in Ost- und Südosteuropa mit 48.000 Mitarbeitern werden direkt Mailand unterstellt. Damit schrumpft die Bank Austria zu einem deutlich kleineren Institut. Das Osteuropa-Geschäft vereinte bisher 80 Prozent der Belegschaft und erzielte zwei Drittel des Gewinns. Der Schritt ist auch von großer symbolischer Bedeutung, denn die österreichischen Banken waren stets stolz auf ihre Pionierrolle und ihr Gewicht in Osteuropa .

Der Abzug des Osteuropageschäfts dürfte vor allem auf die in Österreich besonders hohe Bankenabgabe zurückzuführen sein. Diese wird von den Instituten immer wieder kritisiert, und die Politik erwägt auch eine Senkung. Unicredit zieht nun die Konsequenzen.

Zum Zweiten soll das Privatkundengeschäft der Bank Austria in Österreich verkauft oder deutlich verkleinert werden. Als Interessent gilt die Bawag, aber offenbar gestaltet sich ein Verkauf schwierig. Dies zeugt von bekannten Schwächen des Sektors. Es gibt in Österreich zu viele Filialen, die Erträge liegen zu niedrig und die Kosten zu hoch. Experten halten eine Verkleinerung des Sektors um einen Drittel für nötig. Aber die Konsolidierung kommt kaum voran.