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Randnotiz

Karl Marx wäre stolz auf die Bank Austria

Meinung / von Lukas Sustala / 22.10.2015

Die Sache ist an sich ja einfach. Wenn es keine Gewinne gibt, dann ist das ökonomische Ende nahe. Das ist beim Installateur um die Ecke genau so wie bei der Großbank mit Filialen von Kuala Lumpur bis nach New York City.

In der österreichischen Bankenlandschaft aber scheint es anders zu sein. Da lamentieren Bankvorstände schon seit Jahren, dass zu viele Akteure, die zu wenig verdienen, den Markt kaputtmachen. Zu viele Banken, zu viele Bankangestellte, zu viel Arbeitsplatzsicherheit, hat es ein Bankvorstand im Gespräch mit der Financial Times auf den Punkt gebracht.

Die UniCredit plant Medienberichten zufolge sich von Teilen des Bank-Austria-Geschäfts zu trennen.
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Eine Übernahme des Bank-Austria-Privatkundengeschäfts durch die Bawag und ihren Eigentümer, den Hedgefonds Cerberus, könnte zumindest einen Teil der erhofften Konsolidierung bringen. Doch auch andere Banken werden sparen, heute berichtet RZB-Aufsichtsratschef Erwin Hameseder, dass man im Sektor die Kosten um ein Viertel senken wolle – ohne Einsparungen beim Personal wird es wohl auch unter dem Giebelkreuz nicht gehen.

Experten wie der WIFO-Ökonom Franz Hahn rechnen insgesamt damit, dass jede dritte Stelle im Bankbereich wegfallen müsste, damit die Profitabilität ungefähr auf das Niveau steigt, das in anderen Märkten üblich ist. Von aktuell 75.000 Mitarbeitern könnten also 25.000 ihren Job verlieren. Zu lange hätten die Gewinne in Osteuropa die Strukturprobleme in Österreich verdeckt.

Das wollen natürlich Arbeitnehmervertreter nicht auf sich sitzen lassen. „So einfach, wie sich das vielleicht manche Manager in der Konzernzentrale vorstellen, wird eine völlige Zerschlagung bzw. Verkauf der Bank nicht möglich sein“, so der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Wolfgang Katzian.

If Karl Marx had been alive in 2007, he would have been working for a bank.

Die aktuelle Debatte in Österreich erinnert an einen Kommentar des Investment- und Finanzexperten Karl Sternberg in der Financial Times aus 2012 erinnert, mit dem klingenden Namen „Marx wäre stolz auf die Banker gewesen“.

If Karl Marx had been alive in 2007, he would have been working for a bank. Banks had reached a state of communist perfection. The workers took home everything; the capital holders were left with nothing.“ Weil es doch im Marxismus vor allem um die Verteilungsfrage zwischen den Kapitalisten und den Arbeitern geht, sei es spannend, dass in der Bankenkrise die Kapitalisten alles verloren haben (mit Blick auf die Aktienwerte der Großbanken), die Bankangestellten aber „haben sich über Jahre illusorische Gewinne als Boni ausgezahlt“.

Österreich muss in diesem Bank-Kommunismus jedenfalls in nichts nachstehen. Bei der Bank Austria etwa wurden die illusorischen Profite der Vergangenheit nicht nur als Boni ausgezahlt, sondern auch in Form von großzügigen Urlaubsregelungen und hoher Arbeitsplatzsicherheit. Im Konzern gilt immerhin jede dritte Stelle als unkündbar. Ein Privileg, das in der Privatwirtschaft eher selten ist, denn auch die Kundenbeziehung ist nicht oft unkündbar.

Da darf man gespannt sein, wie ein neuer Eigentümer Kosten sparen kann, um damit vielleicht doch nachhaltig Gewinn zu erwirtschaften. Vor allem, da diese Gewinne zunächst – so will es ja der Regulator – in eine bessere Kapitalausstattung fließen sollen.

Aber vielleicht hat sich das mit dem Kapitalisten und dem Gewinn ohnedies überholt. Zumindest im österreichischen Banking.