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Weltspartag

Sparen wir uns doch ein paar Banken

von Lukas Sustala / 30.10.2015

Die Sparer schauen beim Weltspartag eher durch die Finger. Dabei könnte man sich vor allem eines sparen: einige Banken. Denn hohe Gebühren und Kosten für aufgeblähte Bankapparate schmälern auch, was beim Kunden hängen bleibt.

Der Sparefroh ist traurig geworden.

Darüber können auch noch so lieb gemeinte Geschenke zum Weltspartag nicht hinwegtäuschen. Wer sich die Sparzinsen in Österreich in den vergangenen zehn Jahren ansieht, kommt zu einem Ergebnis: Der Weltspartag wird zu seinem 90-jährigen Jubiläum nicht mit besonders hohen Zinsen gefeiert.

Die Sparzinsen verstecken sich
Die Sparzinsen verstecken sich
Einlagenzinsen beim Neugeschäft
Credits: OeNB

Auch aus der Bankenbranche selbst kommen nicht gerade Jubelmeldungen. Die Debatte um den möglichen Verkauf des Privatkundengeschäfts der Bank Austria an den US-Fonds Cerberus, also die Bawag, ist nicht Ausdruck einer Goldgräberstimmung. Im Gegenteil: „Der Bankensektor muss um ein Drittel schrumpfen“, sagt Franz Hahn, Finanzökonom am Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo.

Wer bezahlt die „simple Rechnung“?

Wie kommt der Ökonom, der unaufgeregt vom langfristigen Verlust von 25.000 Jobs in der Bankenbranche spricht, auf das Drittel? Die Rechnung ist simpel, „aber deswegen nicht weniger aussagekräftig“, sagt Hahn. In Österreich liegt die Cost-Income-Ratio, eine hochtrabend klingende Kennzahl für den Verwaltungsaufwand in einer Bank bei 0,6. Für jeden Euro der Einnahmen müssen also 0,6 Euro alleine für die Verwaltung aufgewendet werden. Bei internationalen, effizienten Banken liegt dieser Anteil aber bei 0,4. „Der Verwaltungsaufwand ist in Österreich sehr hoch, und dazu kommt, dass die Bankmanager die Einnahmen ja nur bedingt steuern können“, sagt Hahn. Also muss eben bei der Verwaltung gespart werden.

Warum ist das österreichische Bankwesen so teuer? Das liegt auch daran, dass nur wenige Länder so viele Kreditinstitute haben. In Österreich kommen aktuell auf eine Bank rund 12.000 Einwohner, zeigen Daten der Europäischen Zentralbank. In Deutschland sind es viermal so viele, in den Niederlanden sechs, in Italien knapp sieben. Abgesehen von „Ausreißern“ wie Luxemburg oder Irland ist demnach kein anderes Land mit so vielen Banken gesegnet wie Österreich. „Over-banked“ nennen das Ökonomen von Währungsfonds oder OECD. Doch es geht hier nicht um die „Über-Bank“, sondern eine unbequeme Wahrheit: Es gibt zu viele Banken hierzulande. Und Österreich ist, wie wir wissen, „a too small Country“.

Weniger ist mehr für alle

Ein augenscheinliches Problem hat für Hahn der Raiffeisen-Sektor. Die hunderten kleinen, eigenständigen Raiffeisenbanken werden durch eine Reihe von Zusammenschlüssen deutlich weniger werden. Tatsächlich spricht auch Erwin Hameseder, Obmann der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien und Aufsichtsratschef des Spitzeninstituts RZB, davon, die Kosten um 20 bis 25 Prozent zu senken. Ohne Filialschließungen und Jobverluste wird auch das kaum zu bewerkstelligen sein. Im Volksbanken-Verbund etwa hat die Krise tiefe Einschnitte hinterlassen. Von 50 Banken schrumpfte der Sektor auf neun zusammen. Wem ein Drittel Einsparung nicht reicht, der nehme gleich ein zweites Drittel dazu.

Doch was heißt das für den Weltspartag 2020? Werden dann die Sparer nach einem Jahrzehnt Minizinsen einfach nur noch weiter in die nächste Filiale brauchen, weil es zum großen Bankensterben gekommen ist? Nicht unbedingt. Vielleicht müssen manche Sparer zu einer vollwertigen Filiale einen längeren Weg zurücklegen. Doch die Banken werden weniger versteckte Provisionen und Gebühren benötigen, um ihre großen Apparate zu finanzieren, ist Hahn überzeugt. Und niedrigere Gebühren und Kosten würden auch so manchen Sparefroh wieder froh machen.