REUTERS/Heinz-Peter Bader

Walkthrough

UniCredit stellt die Bank Austria aufs Abbaugleis

von Lukas Sustala / 11.11.2015

Die UniCredit spart und will bis zu 18.200 Jobs einsparen, auch mit Teilverkäufen. Bitcoin sorgt doppelt für Furore. Das Wifo warnt. Und auf Mifid II müssen oder dürfen die Banken wohl noch länger warten. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Rauch ist heute über der UniCredit aufgezogen. Für die Bank Austria, die Österreich-Tochter, ist der 11. November 2015 jedenfalls ein Schicksalstag. Die Bank wird völlig umgekrempelt. Das verlustträchtige Privatkundengeschäft der Bank wird verkauft oder umstrukturiert. Auch wenn ein Verkauf nicht möglich sein sollte, wird die Österreich-Tochter nicht mehr dieselbe sein. Im Strategieplan der UniCredit heißt es: „Exit or restructuring of poorly performing businesses such as retail banking in Austria and leasing in Italy.“ 

Die Osteuropazentrale wandert bis spätestens Ende des kommenden Jahres nach Mailand ab. Das ist – kurz gesagt – ein schwerer Schlag für den Bankenplatz Österreich (NZZ.at). Trostpflaster: Ein Großteil der Wiener Bank Austria-Mitarbeiter im Ostkompetenzzentrum bzw. in der Osteuropa-Kundenbetreuung sollen bleiben. Insgesamt wird die Bank, auch über Verkäufe etwa der Tochter in der Ukraine, 18.200 Stellen einsparen. Egal, wie sich die UniCredit in Sachen Privatkundengeschäft ihrer Österreich-Tochter noch entscheiden wird, die UniCredit operiert in Österreich auf einem Bankenmarkt, der zu viele Player hat – und der daher wohl vor einer Konsolidierung steht.

In den ersten neun Monaten 2015 hat die Bank Austria übrigens mit 660 Millionen Euro Nettogewinn unter dem Strich nur etwa halb so viel Profit geschrieben wie voriges Jahr um diese Zeit (1,190 Milliarden Euro). Grund war der deutlich höhere Kreditrisikoaufwand. Er stieg um gleich 42 Prozent auf 757 Millionen Euro, und ging vor allem auf das Plus von 225 Millionen Euro für die Zwangskonvertierung von Frankenkrediten in Kroatien zurück.

Banken krallen sich die Bitcoin-Technologie. Die Zukunft der Bankenwelt sieht womöglich ohnedies anders aus. Denn die Blockchain, die Technologie hinter der Kryptowährung Bitcoin, könnte wesentliche Teile der Bank-Infrastruktur revolutionieren. Denn im Gegensatz zur zentralistischen Bankenarchitektur lebt die Digitalwährung von den gegenseitigen „Checks and Balances“ der Nutzer, die gegenseitig ihre Transaktionen validieren und somit das Vertrauen in die Währung schaffen. Es ist interessant, dass die Bitcoin-Architektur dabei eine feindliche Übernahme durch die etablierten Banken erfährt (NZZ.at). Aktuell aber kämpft Bitcoin mit etwas ganz anderem, nämlich einem Pyramidenspiel MMM des verurteilten russischen Betrügers und ehemaligen Parlamentariers Sergey Mavrodi, der Investoren weltweit und vor allem in China anlockt (FT). Wie ein Blick auf das Kurs-Chart zeigt, hat die Nachricht vom „finanziellen Sozialen Netzwerk“ namens MMM zu heftigen Kursausschlägen bei Bitcoin geführt.

Wifo warnt vor Aufschwung-Stopp. Wenig Erbauliches hatte heute das Wifo vermeldet: „Die vorlaufenden Indikatoren zur Beurteilung der künftigen Wirtschaftslage weisen mehrheitlich auf ein Anhalten der mäßigen Konjunkturerholung hin. Nach wie vor ist jedoch keine substanzielle Beschleunigung der Dynamik zu erkennen.“

Warten auf Mifid. Die Finanzmarktregulierung Mifid II dürfte noch ein Jahr später kommen als erwartet. Die EU-Kommission hat angekündigt, dass die Umsetzung der technischen Details der bereits 2014 beschlossenen Direktive noch auf sich warten lassen könnte und der Start zu Jahresbeginn 2017 wackelt (Bloomberg). Einer der Gründe ist, dass die zuständige Behörde ESMA mit dem Verfassen der technischen Richtlinien gar nicht nachkommt, so umfassend ist die Regulierung, die in Gehaltsstrukturen bei Hedgefonds genauso eingreift wie in den Handel von Derivaten. Die Finanzinstitute haben aber sieben Jahre nach der großen Finanzkrise, die viel gesetzliche Aktivität ausgelöst hat, zumindest noch einmal zwei Jahre Zeit, um sich auf die europäischen Regeln einzustellen.

Der Rubel rollt und rollt und rollt. Der russische Rubel ist vor einem Jahr kräftig abgestürzt (NZZ.at). Das hat vielleicht den Ölproduzenten geholfen, die den Ölpreisverfall damit ein bisschen besser verkraften konnten. Doch für die Konsumenten ist die Situation alles andere als einfach, wie die Analyse von NZZ-Korrespondent Triebe zeigt (NZZ.at).

Pensionsgejohle. Es besteht die Hoffnung, dass der Bund dieses Jahr etwas weniger in die Pensionsversicherung zuschießen muss als befürchtet. Statt 10,7 Milliarden könnten es 10,4 Milliarden Euro sein. Das ist für Pensionistenvertreter Karl Blecha Grund für neue Pensionserhöhungen. Oder aber, man macht einmal was ganz Revolutionäres im österreichischen Pensionssystem: Und versucht die Ausgabendynamik zu dämpfen – Ein Kommentar.

Free Lunch – Food for Thought

Diese Financiers der City of London wollen den Brexit (Bloomberg).

Die kurzsichtige und ängstliche Geldpolitik (VoxEU).

Diese Sorgen möchten andere haben. Auch Rolls Royce muss wegen Sicherheitsbedenken das Ghost-Modell in die Werkstatt rufen. Betroffene Autos: Eines (FT).

Die wachsende Generationenungerechtigkeit in Europa (Bruegel).

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