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Walkthrough

Was Cerberus mit der Bank Austria vorhat

von Lukas Sustala / 21.10.2015

Warum sich der US-Fonds mit dem Höllenhund als Namen für das Österreich-Geschäft interessiert und wie es darum steht. Wie die österreichischen Haushalte durch die Krise gekommen sind. Und warum Tesla abstürzt und die Weight Watchers zulegen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Bank Austria im Visier des Höllenhundes. Dass Österreichs Bankenlandschaft vor der wichtigsten Umwälzung seit Jahren steht, ist an sich wenig überraschend. Zu hoch ist der Kosten- und Regulierungsdruck, zu dicht sind die Filialnetze, zu niedrig die Margen. Doch dass es die Bank Austria ist, die zur Konsolidierung beiträgt, und nicht etwa eine der vielen halbtoten Banken, die mit Staatsmitteln gerettet worden waren, überrascht dann doch. Aber ist das wirklich ein „Erdbeben“? Der Innsbrucker Finanzprofessor Matthias Bank (sic!) hat im ZIB2-Interview jene Sicht der Dinge präsentiert, an die sich Kunden und Politik wohl noch gewöhnen müssen (ORF): dass die Bankenlandschaft vor massiven Umwälzungen und Entlassungen in den nächsten Jahren steht (NZZ.at). Das Retailgeschäft der Bank Austria (Privatkunden und KMUs), das, wie kolportiert wurde, von der Bawag übernommen werden soll, ist zwar nicht der „Big Fish“ des österreichischen Bankenmarktes. Im Privat- und Firmenkundengeschäft stecken rund 40 Milliarden Euro an Kundenforderungen, laut Daten der OeNB entspricht das rund 6,4 Prozent aller Forderungen gegenüber Nicht-Banken in Österreich. Dazu war es nicht gerade der solide Ertragsbringer.

Die heimische Bankensteuer hat ein Übriges beigetragen, um das Ergebnis nach Steuern noch ein bisschen trüber aussehen zu lassen. Für Cerberus aber kann die Bank Austria eine indirekte Rolle als „Renditebringer“ haben. Denn zusammen mit der Bawag wäre die neue Bankengruppe vielleicht groß und interessant genug, um sie an einen Investor verkaufen zu können. Das Retailgeschäft der Bank Austria könnte für Cerberus also vor allem Mittel zum Zweck sein.

Aber zurück zum Erdbeben. Das wäre wohl spürbar, wenn die Osteuropazentrale der UniCredit wirklich nach Mailand abgezogen werden wird. Der Verkauf des Privatkunden- und KMU-Geschäfts an sich ist bloß ein wichtiger Beitrag zur Konsolidierung des heimischen Bankenmarktes. Das Erdbeben wäre aber auch ein politisches, denn bei der Bank Austria haben die Politik und der mächtige Betriebsrat stets viel zu sagen gehabt und die BA und ihre Vorgängerbanken seit Jahrzehnten begleitet. Besonders bitter könnte es für die Gemeinde Wien werden: Wie Andreas Schnauder vom Standard schreibt, schaut „Wien finanziell und standortpolitisch durch die Finger: Geschäft, Mitarbeiter und somit Einnahmen gehen, milliardenschwere Haftungen bleiben. Das hat sich die Stadt selbst zuzuschreiben. Einst kontrollierte Wien die Bank Austria über seine Stiftung AVZ (in ihr sitzen bis heute Ex-Vorstände der Bank), mit dem HVB-Deal verkleinerte sich der Anteil bedrohlich, um dann in der Unicredit-Ära nicht nur weiter zu schrumpfen, sondern auch noch wertmäßig abzustürzen.

Es ist unerklärlich, warum dennoch weiterhin am halbstaatlichen Bankenwesen festgehalten wird.

Jürg Müller, NZZ

Banken in die Schranken? Das soziale Netzwerk Xing hat mit Klartext angefangen, einem Debattenformat. Sind Banken bald überflüssig, lautet etwa eine Frage. Angesichts von neuen Technologien, Start-ups, Regulierung und dem hohen Misstrauen gegen viele Geldhäuser eine wohl valide Frage. NZZ-Redakteur Jürg Müller legt den Finger zudem auf eine offene Wunde: Banken haben in der Vergangenheit die staatlichen Schutzmechanismen ausgenutzt, und sie werden es wieder tun (Xing). Zeit für eine Revolution? „Es ist unerklärlich, warum dennoch weiterhin am halbstaatlichen Bankenwesen festgehalten wird. Kredite müssen im 21. Jahrhundert nicht mehr auf Papier festgehalten werden, sondern können in elektronischer Form gespeichert und dadurch in extrem kleine Teile aufgespalten werden. So kann heute ein Unternehmen von Tausenden von Sparern direkt Kredit erhalten und ein Sparer gleichzeitig Tausenden von Unternehmen direkt Geld leihen; eine Bankbilanz ist nicht mehr nötig.

Bilanz der Finanzkrise. Eine aktuelle Studie der EZB macht Tabula rasa. Wie haben sich Einkommen und Vermögen seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 entwickelt? (NZZ.at) In Österreich sind seit damals die Vermögen gestiegen, die realen Einkommen hingegen stagnierten. In den Krisenländern sorgte vor allem das Auf und Ab der Immobilienpreise für Aufstieg und Fall bei den Vermögen.

Illegale Steuerpraxis, mady in Benelux. Die Steuervorbescheide für Starbucks in den Niederlanden und Fiat Chrysler in Luxemburg sind nach Ansicht der EU-Kommission illegal. Beide Unternehmen müssten deshalb jeweils rund 20 bis 30 Millionen Euro an die zuständigen Steuerbehörden nachzahlen, teilte die Brüsseler Behörde am Mittwoch mit.

Tesla mit harter Vollbremsung. Die Aktien des Autoherstellers sind nach einem Bericht von Consumer Reports drastisch gefallen. Das Model S ist aus der Empfehlungsliste des Konsumentenmagazins gefallen, weil es „nicht zuverlässig“ sei. Um fast zehn Prozent ging es für die Tesla-Aktie daraufhin bergab.

Promi-Milliardenshow. Oprah Winfrey zeigt, was eine Marke heutzutage wert sein kann. Ihr Engagement bei den Weightwatchers hat an den Finanzmärkten viel Resonanz ausgelöst und zu einer Verdreifachung des Aktienkurses beigetragen. Doch ob der Einstieg von Winfrey ein Ende der Probleme des hoch verschuldeten Konzerns ist, ist fraglich, bis dato hat vor allem die TV-Milliardärin selbst profitiert (Bloomberg).

Free Lunch – Food for Thought

Gürtel enger schnallen für die Golfstaaten (IWF).

Investoren meiden die Schwellenländer (The Economist).

Der Flüchtlingsstrom als Chance für Deutschland (Ökonomenstimme).

Die verwalteten Vermögen von Hedgefonds fallen so stark wie seit der Finanzkrise nicht mehr (NY Times).