Mary Turner / Pool via AP

Erste Kolumne nach dem Brexit

Boris Johnsons große Versprechen

von Andreas Reich / 27.06.2016

Boris Johnson verspricht, daß Grossbritannien auch nach dem Austritt aus der EU freien Zugang zum europäischen Binnenmarkt haben werde. Wie dieses Versprechen umgesetzt wird, sagt er allerdings nicht.

Nach dem „Ja“ der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union schwieg Boris Johnson, einer der lautesten Verfechter des Brexit, zunächst einmal. Vier Tage nach dem Referendum meldete er sich am Montag in seiner wöchentlichen Kolumne in der Londoner Zeitung The Daily Telegraph zu Wort. Er bezeichnete den Entscheid der Briten als das „außergewöhnlichste politische Ereignis unseres Lebens“ und forderte zugleich, dass die obsiegenden Befürworter des Austritts alles unternähmen, um die Brexit-Gegner zu beruhigen.

Hinsichtlich der negativen Folgen eines Austritts aus der EU werde „weit übertrieben“, schrieb der Anwärter auf die Nachfolge von Premierminister David Cameron, der nach dem Volksentscheid seinen Rücktritt bis Oktober angekündigt hatte.

„Es wird weiterhin freien Handel und Zugang zum Binnenmarkt geben.“ Die Rechte der in Großbritannien lebenden EU-Bürger würden zudem in vollem Umfang geschützt werden, versicherte Johnson.

Zu Analysen, wonach die Migrationsfrage der entscheidende Faktor für das Austrittsvotum gewesen sei, schrieb Johnson: „Das glaube ich nicht.“ Allerdings müsse die künftige Migrationspolitik „den Bedürfnissen von Wirtschaft und Industrie“ angepasst werden.

Die Personenfreizügigkeit für britische Bürger solle durch das Votum aber nicht eingeschränkt werden, so Johnson. Sie würden weiterhin die Möglichkeit haben, in der EU zu studieren, zu arbeiten und zu leben.

Was Johnson in seiner Kolumne allerdings nicht schrieb, war, wie dies für die britischen Unterhändler in den kommenden Monaten und Jahren in Brüssel zu erreichen sein wird.

Johnson schrieb weiter, es bestehe „keine große Eile“ für das Vereinigte Königreich, seinen Austritt aus der Europäischen Union zu erklären. Auch zum Zeitplan nannte Johnson keine weiteren Details.

„Die Wirtschaft ist in guten Händen“, lobte er seine Parteifreunde Cameron und Finanzminister George Osborne. Notenbankchef Mark Carney, der vor dem Referendum vor den Risiken eines Brexit gewarnt hatte und deshalb in die Kritik geraten war, solle auf seinem Posten bleiben, empfahl Johnson. Carney habe „großartige Arbeit“ geleistet.