Luke MacGregor / Reuters

Wette gegen die Deutsche Bank

Brexit-Wette: Das Ausweichmanöver von Herrn Soros

Meinung / von Werner Grundlehner / 29.06.2016

Der legendäre Investor George Soros hat versichert, jüngst nicht gegen das Pfund gewettet zu haben. Musste er auch nicht, andernorts gab es dank Brexit mehr zu verdienen.

George Soros und das britische Pfund verbindet eine Hassliebe. Es war die „Mutter aller Wetten“, als der Investor 1992 10 Mrd. $ gegen die Bank of England auf eine Abwertung des englischen Pfunds wettete – und gewann. An diesem Geschäft verdiente der gebürtige Ungar über 1 Mrd. $. Solcherlei gewagte Spekulationen machten ihn genauso berühmt wie berüchtigt. Mit seinem Partner Jim Rogers hatte er 1969 für den legendären Quantum-Fund gekauft. Die beiden versuchten fortan Schwächen in Volkswirtschaften auszunutzen. Dabei standen die Devisenkurse im Mittelpunkt, weil dieser Markt sehr liquide ist und er oft von Regierungen und Notenbanken gegen die Marktkräfte beeinflusst wird.

Es war also nicht ganz abwegig, wenn die Marktteilnehmer davon ausgingen, dass Soros auch die Brexit-Abstimmung für ein Spielchen nutzen könnte. Dass es nicht mehr mit der ganz großen Kelle sein würde, war auch klar, denn Soros hat seit der Jahrtausendwende begonnen, sich langsam zurückzuziehen. Seine Gesellschaft ist dazu übergegangen, das Vermögen zu verwalten, statt es aggressiv zu mehren. Der Investor sieht sich mittlerweile lieber als Buchautor, politischer Berater und Philanthrop, der für Projekte in Osteuropa viel spendet.

Vor der Abstimmung gab Soros den glühenden EU-Befürworter: „Großbritannien hat mit der Zugehörigkeit zum gemeinsamen Markt, ohne Teil der Währungsunion zu sein, die beste aller möglichen Lösungen erreicht.“ Trotzdem musste Soros nach den Kurseinbrüchen versichern, er habe dieses Mal nicht gegen das Pfund gewettet. Das hat er auch nicht. Seine Investmentgesellschaft ging jedoch am Freitag eine Leerverkaufsposition von 100 Mio. € in Aktien der Deutschen Bank ein. Das Brexit-Votum belastet die großen europäischen Banken: Einerseits führt der Kurssturz zu Handelsverlusten, andererseits verzichten viele Kunden vorerst auf Kredit- und Kapitalaufnahmen sowie Zukäufe. Die Aktien der Deutschen Bank haben nach der Abstimmung fast einen Viertel ihres Wertes verloren – deutlich mehr als das Pfund. Die indirekte Brexit-Wette war also die rentablere.