Paul Hackett / Reuters

Wirtschaft ankurbeln

Britannien nach dem Brexit-Votum: Jetzt wären Innovationen gefragt

von Andreas Fussi / 02.08.2016

Die Verunsicherung auf der Insel, wie es nach dem Brexit-Entscheid wirtschaftlich weitergeht, ist gross. Die Bank of England sollte jetzt Mut zu Unkonventionellem aufbringen.

Es liegen zwar noch keine harten Daten dazu vor, wie sich die britische Wirtschaft nach dem Volksentscheid für den EU-Austritt entwickelt hat. Gleichwohl gilt als ausgemacht, dass die Bank of England am Donnerstag ihr gesamtes Arsenal nutzen wird, um einen Absturz zu vermeiden. Eine Zinssenkung um 25 Basispunkte auf ein neues historisches Tief ist eingepreist. Auch mit einer Wiederaufnahme des Anleihenkaufprogramms wird gerechnet. Die jüngsten Stimmungsindikatoren deuten auf einen Abschwung hin.

Wenn der Notenbankchef Mark Carney diesmal nicht liefert, wird er wohl seinen Hut nehmen müssen. Er hatte bereits vor der Sitzung des geldpolitischen Komitees im Juli eine weitere Lockerung angekündigt. Der Finanzbranche wäre es lieber, wenn die Bank of England mit ihren Lockerungsübungen über das Ziel hinaus schösse. Dabei ging der Internationale Währungsfonds (IMF) nach dem Referendum davon aus, dass Grossbritannien immer noch stärker wachsen wird als Deutschland, Frankreich oder Italien.

Die Bank of England verschob den Ausstieg aus der Notstandspolitik der Krisenjahre trotz starkem Wachstum immer weiter in die Zukunft. Carney hat also wenig Spielraum. Ein Wiederanfahren der Anleihenkäufe würde die Löcher in den Pensionskassen vergrössern. Unternehmen müssten mehr für die betriebliche Altersvorsorge zurücklegen, statt zu investieren. Profitieren würde lediglich der neue Schatzkanzler Philip Hammond, dem niedrigere Kosten bei der Neuverschuldung sehr entgegenkämen. Carney vermochte einst, die City mit neuen Ideen wie „forward guidance“ für sich einzunehmen. Jetzt wären wirtschaftspolitische Innovationen gefragt. Es müsste ja nicht gleich Geld vom Himmel regnen. Wie wäre es mit einer zeitlich begrenzten Mehrwertsteuersenkung? Beim breiten Publikum käme das sicher besser an als noch eine Zinssenkung.