Reuters

Machtkampf in Grossbritannien

Eagle will Labour-Chefin werden

von Stefan Reis Schweizer / 11.07.2016

Die britische Politikerin Angela Eagle macht Labour-Parteichef Jeremy Corbyn das Amt streitig. Die Partei steht nun vor einer Urwahl der Basis.

Die britische Labour-Partei steht möglicherweise vor einem Wechsel an der Spitze. Die Abgeordnete Angela Eagle forderte am Montag offiziell Parteichef Jeremy Corbyn heraus.

Damit steht wieder eine Urwahl der Parteibasis bevor. Sie wolle eine gute Premierministerin für Grossbritannien werden, sagte die 55-Jährige. Eagle spricht Corbyn Führungsfähigkeiten ab. Sie wirft ihm als Parteichef unter anderem einen halbherzigen Kampf gegen den EU-Austritt vor.

Misstrauen aus den eigenen Reihen

Der 67-jährige Corbyn, der als ausgesprochen Linker gilt, war im vergangenen September an die Spitze gewählt worden. Erst kürzlich hatten ihm die Labour-Abgeordneten das Misstrauen ausgesprochen. Eagle war bis zu ihrem Rücktritt zuletzt für Wirtschaft im Schattenkabinett zuständig.

Unter seiner Führung habe die Partei bei den Regionalwahlen im Mai Verluste erlitten und man sei beim EU-Referendum gescheitert, eine Mehrheit für den Austritt zu verhindern, hatte Eagle schon am Sonntag gesagt. „Er ist keine Führungskraft, die uns voranbringen wird.“ Eagle hatte sich erst kürzlich gemeinsam mit zahlreichen anderen Politikern aus Corbyns Schattenkabinett zurückgezogen, um so den Druck auf den Vorsitzenden zu erhöhen.

Zankapfel Urwahl

Corbyn erwiderte darauf am Sonntag, er sei enttäuscht über Eagle. Er werde aber zu einer Urwahl antreten. Erst kürzlich hatten die Labour-Abgeordneten ein Misstrauensvotum gegen ihren Chef mit breiter Mehrheit verabschiedet – dennoch weigert sich Corbyn zu gehen. Er verweist darauf, dass die Parteibasis ihn erst im September 2015 mit breiter Mehrheit an die Spitze gewählt habe.

Zugleich zeichnete sich ein Streit darüber ab, ob sich Corbyn ohne Zustimmung der Abgeordneten überhaupt einer Urwahl der Parteibasis stellen kann. Herausforderer des Vorsitzenden benötigen dazu über 50 Stimmen der Labour-Parlamentarier. Eagle kann sich sicher sein, diese Unterstützung zu bekommen – Corbyn nicht. Der meinte allerdings bereits, als Vorsitzender benötige er keine Abgeordneten-Stimmen.