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Nachfolge von Premierminister Cameron

Ein Finale unter zwei Frauen

von Beat Bumbacher / 07.07.2016

Großbritannien erhält nach dem Rücktritt von David Cameron wieder eine Premierministerin. So viel steht nach dem neuesten Stand der Kandidatenkür der Konservativen bereits fest.

Großbritannien erhält nach dem Rücktritt von David Cameron wieder eine Premierministerin. So viel steht nach dem neuesten Stand der Kandidatenkür der Konservativen fest. Die zweite Runde des Ausscheidungsrennens in der Unterhausfraktion haben Innenministerin Theresa May und Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom gewonnen, ausgeschieden ist dagegen Justizminister Michael Gove.

May als klare Favoritin

Theresa May hatte schon die erste Runde des Auswahlverfahrens für sich entscheiden können und wurde ihrer Favoritenrolle erneut gerecht. Sie konnte 199 Stimmen auf sich vereinigen, während 84 Abgeordnete für Leadsom votierten. Gove landete mit nur 46 Stimmen deutlich abgeschlagen auf dem dritten Platz. Er hatte die schlechtesten Karten, weil ihm häufig vorgeworfen wird, seinem populären engen Verbündeten Boris Johnson nach der Brexit-Abstimmung mit der Ankündigung seiner eigenen Kandidatur in den Rücken gefallen zu sein.

May gilt als kühl, pragmatisch und kompetent und hat sich in den letzten Jahren in der Partei taktisch geschickt positioniert. Jetzt präsentierte sie sich als diejenige Kandidatin, welche die zerstrittene Partei am ehesten wieder einen könne. Zwar gehörte die 59-Jährige vor der EU-Abstimmung zum „Remain“-Lager. Doch als Innenministerin konnte sie auch bei Euroskeptikern punkten, etwa in der Einwanderungspolitik, wo sie auch gegenüber Brüssel Härte markierte. Sie will bereits in Großbritannien niedergelassenen EU-Migranten die Aufenthaltsbewilligung nicht von vornherein zugestehen, sondern als Pfand bei den Austrittsverhandlungen einsetzen. Mit diesen will sie sich aber noch bis nächstes Jahr Zeit lassen.

Seitenhieb gegen Sparpolitik

Dagegen trat die 53-jährige Andrea Leadsom immer für den EU-Austritt ein. Sie betont nun auch, nur ein Brexit-Anhänger könne als Regierungschef die kommenden Verhandlungen mit Brüssel führen. Leadsom wird von Boris Johnson unterstützt und rief in einer Rede am Donnerstag zu Optimismus nach der Brexit-Entscheidung auf. In einem Seitenhieb gegen den noch amtierenden Schatzkanzler George Osborne erklärte sie, ihr würde es als Premierministerin um „Wohlstand, nicht um Sparpolitik“ gehen. Nun wird es an den rund 150.000 Parteimitgliedern sein, sich in einer Briefwahl für eine der beiden Kandidatinnen zu entscheiden. Spätestens am 9. September soll die Führungsfrage geklärt sein.