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Video-Kommentar

Ein teures Experiment namens Brexit

von Lukas Sustala / 24.06.2016

Die Entscheidung hat viele überrascht und an den Finanzmärkten ein Erdbeben ausgelöst. Doch ein kühler Kopf statt Panik ist angesagt. Zu ungewiss ist das ökonomische Endergebnis des britischen EU-Austritts. Ein Videokommentar.

Die Frage, die aktuell viele verunsichert, wirkt simpel: Sind der Brexit und der heutige schwarze Freitag an den Börsen die Vorboten einer Finanzkrise? Abstürzende Währungen sind oft Symptome von tief greifenden Krisen. Im aktuellen Fall jedoch ist die Sorge vor einer Finanzkrise 2.0 übertrieben. Für Großbritannien könnte es sogar gesund sein, wenn das Pfund jetzt schwächer ist. Das macht die eigenen Exporte wettbewerbsfähiger und das hat Großbritannien bitter nötig. Denn in den vergangenen Jahren ist das Leistungsbilanzdefizit massiv angestiegen, weil man viel mehr importiert als exportiert hat.

Ob der Brexit der oft gehörte Schuss ins Knie ist, wird sich erst langfristig zeigen – und eher in der politischen und gesellschaftlichen Sphäre als der ökononomischen sichtbar werden. In jedem Fall liefert der Austritt Volkswirten und Sozialwissenschaftern „endlich“ ein wichtiges Anschauungsobjekt zur Untersuchung der Frage, wie schmerzhaft ein Austritt aus der Europäischen Union wirklich ist. Je nachdem, welchen Pfad Großbritannien bei seiner Verhandlung mit der EU um Freihandelsabkommen und den Binnenmarkt einschlägt, lässt sich wohl abschätzen, wie „wertvoll“ die EU-Mitgliedschaft in wirtschaftlicher Hinsicht wirklich ist – ganz abgesehen von der politischen Dimension. Der Brexit könnte damit ein nützliches Experiment sein, selbst wenn er teuer sein kann.


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