BBC

Konkurrenz für Jeremy Corbyn

Noch ein Kandidat für Labour-Vorsitz

von Nina Belz / 13.07.2016

Im Kampf um den Vorsitz der britischen Labour-Partei hat ein weiterer Herausforderer Corbyns die Bühne betreten. Allerdings könnte das dem umstrittenen Parteiführer in die Hände spielen.

Jeremy Corbyn, der Vorsitzende der britischen Labour-Partei, bekommt im Rennen um den Partei-Vorsitz weitere Konkurrenz. Am Mittwoch erklärte auch der Abgeordnete Owen Smith seine Kandidatur. Owen hatte sich im Schattenkabinett Corbyns mit Renten- und Arbeitsthemen befasst, bevor er Ende Juni im Streit um die Haltung Corbyns zum EU-Referendum zurücktrat.

Smith sagte der BBC, die Parteimitglieder wollten eine möglichst breite Auswahl an Kandidaten haben. Er sei bereit, die nächste Wahlauseinandersetzung mit den Konservativen führen – und er hätte eigentlich gehofft, dass sich die Führungsfrage in der Partei ohne schädlichen, spaltenden Wettbewerb lösen liesse. Corbyn sei zwar ein Mann mit Labour-Werten, aber er sei keine Führungsfigur, sagte Smith. Es sei aber nicht seine Absicht, die Partei zu spalten. Damit trat Smith den Befürchtungen entgegen, seine Kandidatur könnte die Chancen Corbyns erhöhen, weil dadurch das Lager seiner Kritiker geschwächt würde. Dem Vernehmen nach hatte Smith sich in den vergangenen Tagen mehrmals mit Corbyn getroffen, um ihn von einem Rücktritt zu überzeugen – offenbar ohne Erfolg.

Der 46-Jährige Smith ist seit seinem 16. Altersjahr Mitglied der Labour-Partei. Der frühere BBC-Journalist arbeitete auch als Lobbyist für den Pharma-Konzern Pfizer, bevor er 2010 zum Abgeordneten im Unterhaus gewählt wurde.

Am Montag hatte bereits die frühere Gewerkschafterin Angela Eagle ihre Kandidatur für den Labour-Vorsitz verkündet. Seine Kritiker werfen Corbyn vor, vor dem EU-Referendum am 23. Juni nicht entschieden genug für den Verbleib Grossbritanniens in der EU geworben zu haben. Zudem bezweifeln sie, dass er als Spitzenkandidat fähig wäre, für Labour die nächste Parlamentswahl zu gewinnen.

Corbyn war erst im September von der Parteibasis mit grosser Mehrheit zum Vorsitzenden gewählt worden, traf aber wegen seiner linken Positionen bei den Labour-Abgeordneten im Parlament von Anfang an auf Vorbehalte. Bei einer Vertrauensabstimmung Ende Juni stimmten drei Viertel der Abgeordneten gegen Corbyn, doch lehnte dieser einen Rücktritt ab.

Corbyn errang einen Etappensieg im Kampf um den Vorsitz, als das Exekutivkomitee der Labour-Partei am Dienstagabend entschied, dass er als amtierenden Parteivorsitzender automatisch Kandidat ist und nicht wie die anderen Bewerber die Unterstützung von 51 Parlamentariern für eine Kandidatur gewinnen muss. Dies hätte angesichts des Widerstands in der Fraktion für Corbyn schwierig werden können.

Die Labour-Partei will den Fahrplan für Wahl eines neuen Vorsitzenden am Donnerstag bekannt geben.