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Nach Brexit

Nigel Farage tritt als UKIP-Chef zurück

von Beat Bumbacher / 04.07.2016

Der Chef der rechtspopulistischen britischen Partei UKIP, Nigel Farage, hat überraschend seinen Rücktritt bekannt gegeben. Sein politisches Ziel eines Austritts Großbritanniens aus der EU sei erreicht, so begründete er seine Entscheidung.

Nigel Farage, der langjährige Wortführer des Brexit-Lagers in Großbritannien, erklärte am Montag, seine Aufgabe sei nach dem Entscheid der britischen Stimmbürger für den EU-Austritt erfüllt. Der Chef der Anti-EU-Partei UKIP sagte vor den Medien, er wolle nun „sein Leben zurückhaben“ und deshalb vom Parteivorsitz zurücktreten.

Eine Politikerkarriere sei nie sein Ziel gewesen. Er habe nun in der Politik alles erreicht, was er sich vorgenommen habe, so begründete der 52-Jährige seinen Schritt. Er werde der Partei aber weiter angehören und die Trennungsverhandlungen zwischen der britischen Regierung und der EU mit Argusaugen beobachten, betonte er.

Kein Rücktritt vom Rücktritt

Auf seinen Rücktrittsentscheid werde er dieses Mal nicht zurückkommen, teilte er weiter mit. Farage hatte 2015 nach der Unterhauswahl bereits einmal seinen Rücktritt erklärt, diesen Entscheid aber auf Drängen seiner Partei drei Tage später wieder rückgängig gemacht.

Der Vorsitz in seiner Partei habe ihn zeitweise sehr stark beansprucht, doch sei es die Anstrengung wert gewesen. Farage betonte, dass seiner Ansicht nach Großbritannien nun einen Premierminister brauche, der aus dem Brexit-Lager komme. Seinen Sitz im Europäischen Parlament will Farage behalten, um die Brexit-Verhandlungen bis zum Ende zu verfolgen.

Streit in der Partei beenden

Farage will sich für keinen bestimmten Nachfolgekandidaten als Parteichef aussprechen. Stattdessen betonte er, dass er die Meinungsverschiedenheiten mit seinen parteiinternen Gegnern beenden wolle. Dies betreffe auch den Konflikt mit dem einzigen Unterhausabgeordneten der UKIP, Douglas Carswell. Dieser hatte nach Bekanntwerden des Rücktritts von Farage einen Tweet mit einem Smiley veröffentlicht. Das Verhältnis von Carswell und Farage war schon seit längerer Zeit gestört, weil Carswell Farage öffentlich kritisiert hatte. Carswell gilt als klarer Anwärter auf die Nachfolge Farages an der Parteispitze.

Farage war neben dem früheren Londoner Bürgermeister Boris Johnson der wichtigste Vorkämpfer des Austritts-Lagers vor dem EU-Referendum vom 23. Juni. Er stand seit 2010 an der Spitze der UKIP; zuvor war er bereits von 2006 bis 2009 Parteichef gewesen. Nun wird sich zeigen müssen, ob die Partei ohne ihren bekanntesten Exponenten überleben kann.

Vor einer Woche hatte Farage noch im Europaparlament seinen Erfolg bei der Brexit-Abstimmung gefeiert. Er erklärte, die EU solle mit Großbritannien ein gutes Handelsabkommen schließen, sonst seien auch Arbeitsplätze zum Beispiel in Deutschland in Gefahr. Farage prophezeite dabei, dass Großbritannien nicht das einzige Land sein werde, das die Gemeinschaft verlasse.

Heftige Turbulenzen in britischer Innenpolitik

Der Brexit-Entscheid hat in Großbritannien heftige innenpolitische Turbulenzen ausgelöst. Nachdem zunächst Premierminister David Cameron seinen Rücktritt ankündigt hatte, verzichtete kurz darauf überraschend sein Konkurrent, der Brexit-Gewinner und frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson, auf eine Kandidatur für die Cameron-Nachfolge. Währenddessen sieht sich Oppositionsführer und Labour-Chef Jeremy Corbyn massiven Angriffen aus den eigenen Reihen ausgesetzt und kämpft nach einem Misstrauensvotum seiner eigenen Parlamentsfraktion um sein politisches Überleben.