Brent Lewin / Bloomberg

Pekings Soft-Power-Strategie

China sendet unter neuem Namen

von Anne-Sophie Galli / 10.01.2017

China hat sein Staatsfernsehen umbenannt und hofft, damit in der internationalen Medienlandschaft endlich gehört zu werden. Das Sprachrohr der Kommunistischen Partei versucht, sich als seriöser Nachrichtensender zu etablieren.

Chinas Regierung will endlich mitreden. Sie hat genug von den vielen kritischen Presseberichten aus dem Ausland, von amerikanischen Journalisten, die China oft als Gefahr darstellen. Peking will der staatlichen chinesischen Stimme in der internationalen Medienlandschaft mehr Gehör verschaffen.

Dazu hat sie die fremdsprachigen Sender seiner staatlichen Fernsehanstalt umbenannt: Das China Central Television mit der etwas unglücklichen Abkürzung CCTV – englisch für Überwachungskamera – heisst seit Anfang Jahr China Global Television Networks, kurz CGTN. Global sollen dann auch die Zuschauerzahlen wachsen. CGTN müsse das Reich der Mitte als „Förderer des Weltfriedens“ präsentieren, „China-Geschichten gut erzählen“, sagte der chinesische Präsident Xi Jinping. Auch zu internationalen Themen soll er die offizielle chinesische Meinung verbreiten. So wie in diesem Video:

Bald so erfolgreich wie al-Jazeera und RT?

Kann es China damit schaffen, an den Erfolg von al-Jazeera oder RT (Russia Today) anzuknüpfen? Die beiden Nachrichtensender aus Katar beziehungsweise Russland kommen auch aus Ländern mit begrenzter Meinungsfreiheit und haben sich im Westen trotzdem als eine klare Alternative zu den dominierenden englischsprachigen Sendern CNN und BBC positionieren können. Von ihrem Potenzial ist auch Hillary Clinton überzeugt: Während einer Budgetdebatte sagte sie, dass amerikanische Medien einen „Informationskrieg“ verlieren würden – obwohl al-Jazeera und RT erst kleine Marktanteile in den USA haben.

Al-Jazeera, zuerst im Westen als „Terror-Netzwerk“ verschmäht, wurde bald für seine sachliche Berichterstattung geschätzt und begann mit einer eigenen Stimme zu sprechen – zumindest wenn Katars Politik nicht direkt betroffen ist. RT punktete besonders mit Geschichten, die den Widerspruch zwischen Worten und Taten der USA aufzeigten.

China versucht es anders – ganz nach dem Motto: Wenn das Ausland nur mehr über China weiss, muss es das Land auch lieben. Seit der Berichterstattung über den gewaltsamen Niederschlag des Volksaufstands auf dem Tiananmen-Platz 1989 hat die chinesische Regierung die Bedeutung der ausländischen Presse erkannt. Anschliessend hat sie stark in das Wachstum ihrer staatlichen Medienunternehmen im Ausland investiert – mit Budgets, von denen viele westliche Firmen nur träumen können, etwa 2009 45 Milliarden Yuan (6,6 Milliarden Franken). Mitarbeiter in mehr als siebzig Ländern produzieren Sendungen auf Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch und Arabisch, und zu seinen drei Produktionszentren in Peking, Nairobi und Washington soll bald ein viertes in London kommen.

Unter allen englischsprachigen Medien hatte Chinas Staatssender CCTV auf Facebook bereits vor dem Re-Branding am zweitmeisten Fans weltweit – nach der BBC.

Unerschöpfliche Ressourcen

Während sich viele westliche Medien wegen Kostendrucks mit der Berichterstattung aus Ländern in Afrika, dem Mittleren Osten und Lateinamerika zurückhalten, haben CCTV, al-Jazeera und RT gerade dort investiert. China schult auch in Afrika Reporter im Journalismus mit chinesischen Eigenschaften. Und gerade in diesen Ländern hat Chinas Soft-Power-Initiative laut einigen Experten am meisten Erfolg.

In Europa und Amerika wird es aber auch das neu umbenannte Staatsfernsehen Chinas schwer haben, als seriöse Informationsquelle ernst genommen zu werden und sein Bild als Propagandawerkzeug loszuwerden. Im letzten Jahr hat China seine Pressezensur stark verschärft und seinen Reportern nahegelegt, dass sie sich streng an die Parteilinie halten müssten. In der Pressefreiheit-Rangliste von „Reporter ohne Grenzen“ hat sich China von 2015 auf 2016 um einen Platz verschlechtert und lag dann noch auf Rang 176 von insgesamt 180 Plätzen. Auch droht China immer wieder Auslandskorrespondenten wegen unliebsamer Berichterstattung oder verweist sie gar des Landes. Zudem hat Apple in China Anfang Jahr die App des Blatts „New York Times“ gesperrt.

Insgesamt sind Soft Power und Beliebtheit im Ausland aber schwer zu messen. Laut Daten der Kommunikationsfirma Portland in London führen die USA die Liste an, vor Grossbritannien und Deutschland. China liegt einen Platz hinter Russland auf Platz 28.