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50 Jahre Militärcoup in Griechenland

Das bleierne Obristenregime

von Marco Kauffmann Bossart / vor 4 Tagen

Vor einem halben Jahrhundert putschte sich eine Verschwörergruppe in Athen an die Macht. Das Militärregime beschäftigt Griechenland bis heute.

Griechenlands Geschichte im 20. Jahrhundert war von Gewalt, Fremdherrschaft und Bürgerkrieg geprägt – und von einem Militärregime, das sich bis Mitte der siebziger Jahre an der Macht hielt. Die sieben Jahre unter der Junta waren eine Zeit der politischen Repression und endete schliesslich mit einem desaströsen militärischen Abenteuer.

Oberst Georgios Papadopoulos und eine Gruppe von Offizieren der mittleren Führungsebene putschen sich an die Macht. Der Staatsstreich verläuft unblutig. Es werden aber Tausende verhaftet – unter ihnen Abgeordnete, Minister, Intellektuelle, Linke – und viele in Straflagern eingesperrt. Das Regime zensuriert die Medien, verbietet politische Parteien und untersagt Kundgebungen. König Konstantin II. sieht sich gezwungen, die „revolutionäre Regierung“ zu vereidigen.

Ausnahmezustand in Griechenland, NZZ vom 21. April 1967.pdf

Auch das Strassenbild der griechischen Hauptstadt wurde am Tag des Militärputschs von Panzern dominiert. (Bild: Keystone)

Ein vom König orchestrierter Gegenputsch misslingt. Er flieht mit seiner Familie nach Rom.

Die Neue Zürcher Zeitung zur Flucht des Königs nach Rom 14. Dezember 1967.pdf

Auf dem Zerstörer „Velos“ ereignet sich eine Meuterei königstreuer Marineoffiziere. 31 Verschwörer setzen sich mit dem Schiff nach Italien ab.

Widerstand in der Marine Griechenlands (NZZ vom 30. Mai 1973)

Die Militärführung erklärt Griechenland zur Präsidialrepublik. Juntachef Papadopoulos wird Staatspräsident und lässt die Monarchie in einem Referendum im Juli 1973 abschaffen. Die Obristen versprechen eine Öffnungspolitik und entlassen politische Gefangene. Dennoch verschärfen sich die Studentenproteste.

Die Polizei löst eine Studentendemonstration auf. (Bild: AP)

Die Räumung des Polytechnikums von Athen mit Panzern fordert zahlreiche Tote. Der Chef der Militärpolizei, Dimitrios Ioannidis, stürzt Juntaführer Papadopoulos und verhängt den Ausnahmezustand über das Land.

Machtwechsel in Griechenland 26. November 1973.pdf

Die Armee löst die Besetzung des Athener Polytechnikums blutig auf. (Bild: AP)

Ioannidis initiiert auf Zypern einen Putsch gegen Präsident Makarios und provoziert damit eine Invasion türkischer Truppen auf der seither geteilten Mittelmeerinsel. Die Junta ordnet eine Mobilmachung an, die allerdings chaotisch verläuft.

Türkische Streitkräfte fallen in Zypern ein. (Bild: Keystone)

Marinechef Petros Arapakis erklärt die Militärregierung für abgesetzt. Einen Tag später kehrt Konstantinos Karamanlis aus dem französischen Exil zurück und übernimmt die Regierungsverantwortung.

Karamanlis bildet Kabinett der Nationalen Einheit 25. Juli 1974.pdf

Nach dem Sturz des Obristenregimes wird Junta-Chef George Papadopoulos verurteilt. (Bild: AP)

Anklage wegen Hochverrats gegen Papadopoulos und 19 Mitverschwörer. Die Todesurteile gegen vier führende Juntamitglieder werden später in lebenslange Haft umgewandelt.

Drei Todesurteile im Athener Putschistenprozess 25. August 1975.pdf

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