Alessandro di Marco / EPA

Gescheiterte Pläne

Grillo verrechnet sich: Geplatzte Heirat am Brüsseler Altar

von Niklaus Nuspliger / 10.01.2017

Statt an der Seite von Nigel Farage wollte der italienische Populist Beppe Grillo im EU-Parlament neu in der liberalen Fraktion politisieren. Doch die Pläne scheiterten in letzter Minute.

Es waren durchaus spektakuläre Pläne: Am Sonntag wurde bekannt, dass die italienische Fünf-Sterne-Bewegung des Komikers Beppe Grillo im EU-Parlament eine neue Heimat sucht. Statt wie bis anhin in der Fraktion der britischen Nationalistenpartei Ukip von Nigel Farage sollten die 17 Europaabgeordneten Grillos neu in der Allianz der Liberalen und Demokraten (Alde) politisieren.

Doch die von Grillo und dem Alde-Fraktions-Chef, dem früheren belgischen Ministerpräsidenten Guy Verhofstadt, eingefädelte Heirat mutete von Beginn weg kurios an. Liberal mag ein dehnbarer Begriff sein, doch konnte man sich die Populisten Grillos schlecht an der Seite der deutschen FDP oder der britischen Liberaldemokraten vorstellen. Vor allem fährt die Alde unter Verhofstadt einen betont proeuropäischen Kurs, während die EU-skeptische Fünf-Sterne-Bewegung ein Referendum über Italiens Austritt aus dem Euro anstrebt. Doch Verhofstadt und Grillo sprachen von Gemeinsamkeiten bei der Umweltpolitik oder dem Ruf nach mehr direkter Demokratie. In einer über Nacht angesetzten Online-Abstimmung sprachen sich am Montag 78,5 Prozent von Grillos Parteigängern für die Ehe mit den Liberalen aus. Doch hatten Verhofstadt und Grillo die Rechnung ohne die Alde-Fraktion gemacht. Bereits im Kreis der Vorsitzenden der Landesgruppen war der Widerstand am Montagabend so gross, dass Verhofstadt seinen Antrag zurückziehen musste.

Die geplatzte Heirat ist ein Fiasko für Verhofstadt, der nächste Woche EU-Parlaments-Präsident werden will und an den Stimmen der Grillini interessiert gewesen wäre. Sein Umfeld stellt das Manöver als Versuch dar, die in Italien nach der Macht greifenden Populisten in Europa einzubinden. Grillo reagierte trotzig auf das liberale Nein: „Wir haben das System erschüttert wie nie zuvor.“ Doch nun droht die Isolation im EU-Parlament. Denn noch bevor Grillo von den Liberalen am Altar stehengelassen wurde, hatte er Farage in einem Abschiedsbrief die Liebe bereits aufgekündigt. „Lieber Nigel“, beginnt das Schreiben, „unsere Wege haben sich getrennt.“