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Vergewaltigungsgerüchte

Mit Fake News gegen Bundeswehr-Einsatz

von Christian Weisflog / vor 6 Tagen

Kaum sind deutsche Soldaten im Baltikum stationiert, werden Gerüchte über eine angebliche Vergewaltigung einer minderjährigen Litauerin gestreut. Die Nato vermutet eine russische Propaganda-Kampagne dahinter.

Erst seit Beginn dieses Monats ist ein erstes deutsches Truppenkontingent in Litauen stationiert und bereits läuft offenbar eine gezielte Desinformationskampagne gegen die Bundeswehr. Wie der „Spiegel“ berichtete, ging am 14. Februar eine E-Mail an den litauischen Parlamentspräsidenten und mehrere Medien. Darin wurde ausführlich beschrieben, wie deutsche Soldaten am 9. Februar in der Ortschaft Jonava eine minderjährige Litauerin vergewaltigt hätten.

Schneller Faktencheck hilft

Einige kleinere Medien griffen die Meldung auf. Weil die litauische Regierung und die Polizei aber schnell reagierten, konnte eine grössere Desinformation verhindert werden. Die Behörden machten klar, dass es eine solche Vergewaltigung nie gegeben habe.

Die Nato vermutet hinter dem Vorfall offenbar eine gezielte russische Kampagne, um den Einsatz der Bündnispartner im Baltikum zu diskreditieren. Es handle sich um eine Provokation der Russen, sagte ein anonymer Nato-Diplomat gegenüber dem „Spiegel“. Es habe bereits mehrere Versuche der Desinformation gegen die transatlantische Militärallianz gegeben, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Rande eines Treffens der Verteidigungsminister in Brüssel, ohne einen Urheber zu nennen. Es sei gerade in diesen Zeiten wichtig, Fakten zu checken, betonte Stoltenberg.

Russland plant grosses Manöver

Angesichts der Erfahrungen im Ukraine-Konflikt scheint indes eine russische Urheberschaft die einzig logische Vermutung zu sein. Die Nato-Truppen im Baltikum sind denn auch eine direkte Folge des aggressiven russischen Vorgehens in der Ukraine. Aus Angst eines ähnlichen Szenarios in Estland, Lettland oder Litauen, beschloss die Nato im vergangenen Sommer die Entsendung von je 1000 Soldaten in jedes baltische Nato-Mitgliedsland. Das Vorgehen soll ein symbolisches Signal der Abschreckung an Russland und ein Zeichen der Solidarität mit den Balten sein. Von einem ausgeglichenen Kräfteverhältnis kann dennoch nicht die Rede sein. Auf russischer Seite der baltischen Grenzen stehen schätzungsweise 60’000 Soldaten. Für kommenden September plant Russland an seiner Westgrenze gemeinsam mit Weissrussland umfangreiche Manöver. „Das Ausmass der Übung wird grandios“, sagte der russische Militärexperte Pawel Felgengauer gegenüber der Deutschen Welle.

Erinnerungen an Lisa

Die Vergewaltigungsvorwürfe in Litauen erinnern an den „Fall Lisa“ in Berlin vor einem Jahr. Damals berichtete das russische Staatsfernsehen, dass Migranten in Berlin eine russlanddeutsches Mädchen namens Lisa vergewaltigt hätten. Russlanddeutsche Organisationen mit Kontakten zum Kreml warfen der deutschen Polizei und Politik vor, den Fall zu vertuschen. Sogar der russische Aussenminister Sergei Lawrow setzte sich für „unsere Lisa“ ein. Wie sich allerdings bald herausstellte, wurde Lisa nie vergewaltigt. Ziel der russischen Propaganda war es offensichtlich die Ressentiments gegen Ausländer in Deutschland zu schüren und Stimmung zugunsten rechtspopulistischer Parteien zu machen.