Schwerpunkt: Obdachlosigkeit

Reise durch das arme Wien

von Yvonne Widler / 28.12.2015

Es gibt keine Zahlen. Man weiß einfach nicht, wie viele Menschen hierzulande kein Zuhause haben. Die letzten offiziellen Informationen gibt es aus dem Jahr 2006. Damals seien rund 37.000 Menschen im Rahmen der Wohnungslosenhilfe betreut worden. Wir haben uns auf die Straßen begeben und mit obdachlosen Menschen gesprochen. Das Ergebnis ist eine Dokumentation, die Einblick in die Gedanken und das Leid, aber auch in die Freuden dieser Menschen gibt.

Am Abend der Filmpremiere, am 14.12, haben wir die Sozialarbeiterin Susanne Peter (Gruft), Cecily Corti (VinziRast) und Elisabeth Hammer (neunerhaus) zu einer anschließenden Diskussion geladen. Hier können Sie das Gespräch nachhören.

Was ist nach dem Dreh passiert?

Heinrich lebt nach wie vor auf der Straße. Es ist leider nicht gelungen, für ihn eine Unterkunft zu finden. Die Sozialarbeiterin, die ihn betreut, bezeichnet ihn als „schwer greifbar“, da er öfter seinen Aufenthaltsort wechselt oder wechseln muss.

Heinrich

Otti ist im April in ein sozial-betreutes Wohnhaus eingezogen. Auch wenn er in der Dokumentation beteuert, dass er einen Schlafplatz bei einem lieben Freund gefunden hat, und die Situation gut ist, so war seine Freude über die eigenen vier Wände riesengroß.

Otti

Für Fred kam schließlich der Punkt, wo die Obdachlosigkeit gesundheitsgefährdend wurde. Er schaffte es nicht mehr. Nach jahrelangem Leben auf der Straße wandte er sich schließlich hilfesuchend an die Sozialarbeiterin. Heute hat er den „Arbeitsplatz“, von dem er im Film gesprochen hat. Er kann dort nun seine Notizen führen und gewöhnt sich gerade an das Leben in einer kleinen Wohnung in einem betreuten Wohnhaus. Besonders gefreut hat er sich über einen alten Laptop, den er von der Caritas erhalten hat.

Fred

Herbert bekam zwischenzeitlich eine Wohnung, hat diese aber wieder verloren. Die Integration hat dieses Mal nicht geklappt. Beim nächsten Anlauf versucht die Sozialarbeiterin für ihn ein Wohnhaus mit durchgehender Betreuung zu organisieren, damit er bei der Eingliederung Unterstützung erfährt. „Wir müssen noch mal von vorne anfangen“, so Susanne Peter von der Caritas.

Herbert

Die Situation von Diana ist unverändert. Nach wie vor ist die Gruft ihre Heimat. Nach wie vor hat sie dort ihre Familie, wie sie selbst sagt. Für sie bedeutet diese Einrichtung Sicherheit. Ob Diana jemals im Stande sein wird, einen Beruf auszuüben, ist schwer zu sagen. Ihre psychische Verfassung lässt das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu.

Diana

Weitere Eindrücke, die ich im Rahmen dieser Dokumentation zu den obdachlosen Menschen sammeln konnte, lesen Sie hier.