Paul Hackett / Reuters

Cameron und das Wohl der Nation

Als Modeberaterin in den Adelsstand

von Markus M. Haefliger / 02.08.2016

Die Modeberaterin Samantha Camerons, der Gattin des zurückgetretenen Premierministers, wird sich bald Lady nennen dürfen. Viele Briten sind empört über den Missbrauch eines traditionellen Privilegs.

Der Rücktritt David Camerons nach dem Brexit-Votum hat ein unschönes Nachspiel. Wie die „Sunday Times“ offenlegte, hat der ehemalige britische Premierminister seiner Nachfolgerin Theresa May eine Liste mit 48 Personen hinterlassen, die in den Adelsstand erhoben oder mit Verdienstorden des British Empire ausgezeichnet werden sollen. Es liegt an der Königin, die Ehrungen zu vollziehen, aber in solchen Fällen folgt sie meist den Vorschlägen des Regierungschefs.

Dass ein abtretender Regierungschef die Gelegenheit erhält, die Ehrenliste des Amtsnachfolgers mitzugestalten, hat Tradition. Er – in diesem Fall Cameron – soll damit noch einmal Verdienste verdanken können, die seine Regierungszeit prägten. Das kann durchaus heissen, dass er Bekannte auszeichnet, die seinen Beschlüssen eine glückliche Fügung gaben, also mit Rat und Tat zum Wohl der Nation beitrugen.

Die durchgesickerte Liste enthält allerdings die Namen reicher Gönner, die Camerons persönliche Wahlkampagnen, die Partei oder jüngst die Abstimmungskampagne für den Verbleib in der EU mit Hunderttausenden von Pfund unterstützt hatten. Dabei stand offensichtlich Parteinahme und nicht das Allgemeinwohl im Vordergrund. Kritiker fragen, warum man die Ehrungen dann nicht gleich versteigert. Anstoss erregt vor allem, dass 24 der für Ehrungen vorgesehenen Personen aus dem Beraterstab des Ehepaars Cameron kommen, bis hin zu Isabel Spearman, einer Werbefachfrau. Die Leistung der zukünftigen Lady Spearman war, dass sie Samantha Cameron, der eleganten Gattin des Premierministers, bei der Kleiderwahl und dem Tagebuchschreiben beistand. Statt der Ehrenliste hätte Cameron gleich die Lohnliste von Downing Street Nr. 10 einreichen können, heisst es nun.

Nach dem EU-Referendum analysierten viele Beobachter, der Brexit-Entscheid sei auch ein Ausdruck von Abneigung und Enttäuschung von einfachen Briten gegenüber der politischen Elite. Falls dies stimmt, erscheint David Camerons Liste wie die höhnische Antwort darauf.