DUDU GRUNSHPAN / Reuters

Angeblich Hilfsgelder an Hamas umgeleitet

Massive Vorwürfe gegen World Vision

von David Signer / 05.08.2016

Israel wirft dem lokalen Direktor von World Vision in Gaza vor, er habe der Hamas Millionenbeiträge zukommen lassen. Die australische Regierung stoppt alle Hilfsgelder an die Hilfsorganisation.

Ein ranghoher palästinensischer Mitarbeiter der Organisation World Vision soll westliche Hilfsgelder in Millionenhöhe an die im Gazastreifen herrschende Hamas weitergeleitet haben. Das behauptet der israelische Inlandgeheimdienst Shin Bet.

50 Millionen Dollar

Mohammed al-Halabi, Leiter der Zweigstelle der internationalen Hilfsorganisation in Gaza, sei am 15. Juni am Eres-Kontrollpunkt zwischen Israel und dem Gazastreifen festgenommen worden, teilte der Geheimdienst am Donnerstag mit. Man gehe von einer Summe von bis zu 50 Millionen Dollar aus, die für militärische Zwecke missbraucht wurden, sagte ein Sprecher des israelischen Aussenministeriums.

„Zuverlässiger Kollege“

Halabi wurde am Donnerstag vor einem Bezirksgericht in Beerscheba angeklagt. World Vision, eine christliche Organisation mit Sitz in den USA, erklärte, Halabi sei als zuverlässiger und gewissenhafter Kollege bekannt. „Nach derzeitigem Informationsstand gibt es keinen Anlass, anzunehmen, dass die Anschuldigungen begründet sind.“ Man sei „schockiert“. World Vision werde alle nötigen Schritte in die Wege leiten, um den Sachverhalt schnellstens aufzuklären.

Ein Sprecher der radikalislamischen Hamas in Gaza wies die Vorwürfe als „Lügen“ zurück.

Halabi heimliches Hamas-Mitglied

In der Mitteilung von Shin Bet hiess es, Halabi sei heimlich Mitglied des militärischen Hamas-Arms und habe westliche Hilfsgelder gezielt an die Terrororganisation übermittelt. Etwa 60 Prozent des Jahresbudgets für World Vision Gaza seien an die Hamas gegangen. Diese habe die Finanzmittel, die unter anderem aus Europa und den USA stammten, in militärische Projekte wie den Bau unterirdischer Tunnel sowie Waffenkäufe investiert.

Komplexes System

Halabi habe ein komplexes System zur Weiterleitung der Gelder an Hamas entwickelt – etwa unter dem Deckmantel humanitärer und landwirtschaftlicher Projekte. Der Fall beweise „den zynischen Missbrauch, den Hamas mit internationalen Hilfsmitteln treibt“, hiess es in der Mitteilung.

Australien stoppt Hilfsgelder

Bereits auf die Vorwürfe reagiert hat die australische Regierung: Das Aussenministerium stoppt alle Gelder für die Hilfsorganisation im Gazastreifen. „Wir unterbrechen die Finanzierung für Programme in den Palästinensergebieten, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind“, hiess es in einer Mitteilung.