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Ankara fühlt sich provoziert

von Marco Kauffmann Bossart / 24.11.2015

Russland ist nach Darstellung Ankaras seit Oktober mehrfach in den türkischen Luftraum eingedrungen. Moskau dementiert.

Die türkischen Streitkräfte haben am Dienstagvormittag nach Angaben Ankaras ein Kampfflugzeug abgeschossen, das in der Provinz Hatay den türkischen Luftraum verletzt und innerhalb von fünf Minuten zehn Warnungen ignoriert habe. In Moskau wurde zwar der Verlust einer Maschine des Typs Suchoi Su-24 bestätigt. Doch betont Russland, der Jet sei über syrischem Gebiet vom Boden aus angegriffen worden. Man könne dies beweisen.

Pilot in Gefangenschaft?

Laut einem Bericht des Fernsehsenders CNN Türk stürzte der Jet rund fünf Kilometer von der Grenze entfernt auf syrischen Boden ab. Ein Pilot sei von syrischen Turkmenen, die zusammen mit andern Verbänden gegen die Armee Assads kämpfen, gefangen genommen worden. Nach dem zweiten Piloten wird offenbar noch gesucht. Meldungen, wonach der zweite Pilot ums Leben gekommen sei, wurden nicht bestätigt.

Schutzmacht der Turkmenen

Russland hat in den vergangenen Wochen die türkische Souveränität nach Militärangaben mehrfach verletzt. Anfang Oktober bestätigte Moskau eine Grenzübertretung in der Luft, führte diese aber auf einen Navigationsfehler zurück. Der Kriegseintritt der Russen stellt das Verhältnis zur Türkei auf eine harte Belastungsprobe. Erst vergangene Woche wurde der russische Botschafter Andrei Karlow ins Außenministerium bestellt. Ihm wurde laut der türkischen Zeitung Hürriyet dargelegt, dass die Operationen der russischen Armee die Sicherheit an der Grenze gefährdeten. Auch soll Karlow davor gewarnt worden sein, dass die Türkei ihre Souveränität resolut verteidigen werden.

Das Eingreifen Moskaus führt nach Ansicht Ankaras primär dazu, dass sich der einstige Freund und jetzige Erzfeind von Staatspräsident Erdogan, Assad, länger an der Macht halten kann. Die Türkei versteht sich aber auch als Schutzmacht der syrischen Turkmenen, einer türkischsprachigen Minderheit, die unter den Luftangriffen der Russen allem Anschein nach stark zu leiden hat und eine neue Flüchtlingswelle auslöste.

Sondersitzung der NATO

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat nach dem Zwischenfall Beratungen mit den NATO-Partnern und den Vereinten Nationen angekündigt. Laut der Nachrichtenagentur AFP kommen die Botschafter der 28 NATO-Mitglieder am Dienstag zu einer Sondersitzung zusammen. Am für Mittwoch geplanten Arbeitsbesuch des russischen Außenministers Lawrow in der Türkei wurde zunächst festgehalten.