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Anti-Terror-Einsatz in Deutschland: Mögliche IS-Attentäter auf Abruf

von Markus Ackeret / 13.09.2016

Drei Syrer mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat sind in Deutschland verhaftet worden. Sie waren als Flüchtlinge eingereist.

Monatelang haben die deutschen Sicherheitsbehörden eine Gruppe junger Männer observiert, am Dienstag griffen sie aufgrund eines Haftbefehls des Generalbundesanwalts in norddeutschen Flüchtlingsunterkünften zu.

Die drei Personen im Alter von 17, 18 und 26 Jahren stehen im dringenden Verdacht, für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für Anschläge auf Abruf bereitgestanden zu haben. Sie sollen mit syrischen Pässen im vergangenen November im Auftrag des IS über die Balkanroute nach Deutschland eingereist sein, wie Innenminister Thomas de Maizière in Berlin mitteilte.

Ausbildung in Syrien

Hinweise auf konkrete Anschlagspläne gibt es laut de Maizière derzeit nicht. Die bei den Razzien beschlagnahmten Unterlagen und Telefone würden nun ausgewertet. Eine besondere Sorge für die Sicherheitsbehörden ist, dass die drei Männer in Verbindung zu den Attentätern von Paris standen, dass sie offenbar mit derselben Schlepperorganisation nach Westeuropa gelangt sind wie die als Flüchtlinge getarnten Pariser Attentäter und sie ihre Reisedokumente aus derselben Werkstatt bezogen hatten wie diese. Laut Generalbundesanwaltschaft wurden sie mit Geld, Pässen und präparierten Mobiltelefonen ausgestattet. Mindestens einer soll in Syrien eine Ausbildung im Umgang mit Waffen und Sprengstoff erhalten haben.

Dass sich IS-Terroristen als Flüchtlinge tarnen, ist nicht neu. Die Attentäter von Würzburg und Ansbach waren so nach Deutschland gekommen – allerdings noch vor dem Herbst 2015, als die Willkommenskultur ihren Anfang nahm –, und bei Razzien im Juni waren ebenfalls als Flüchtlinge getarnte Terrorverdächtige verhaftet worden. De Maizière verwies darauf, dass der IS die Flüchtlingsroute nicht nutzen müsste. Indem er es tue, sende er ein Signal der Stärke aus.

Nahrung für politische Debatte

Derzeit gebe es rund sechzig Ermittlungsverfahren aufgrund von Hinweisen auf potenzielle Terroristen oder IS-Sympathisanten unter den Flüchtlingen. An der Sicherheitslage in Deutschland ändern die Verhaftungen laut de Maizière nichts. In der politischen Diskussion um die Flüchtlingspolitik sind sie Nahrung für die Kritiker von Kanzlerin Merkel.