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Antikapitalisten provozieren: Kolumbus muss stürzen

von Andres Wysling / 29.09.2016

Die Kolumbus-Statue am Hafen von Barcelona wackelt bedrohlich. Gegner von Imperialismus und Kapitalismus wollen dem spanischen Helden den Garaus machen.

Cristóbal Colón – Christoph Kolumbus – der Entdecker Amerikas: Seit 1888 steht er auf seiner Säule am alten Hafen von Barcelona und schaut aufs Meer hinaus, in Entdecker- und Herrscherpose. Das Denkmal wurde errichtet zur Erinnerung an die vergangene Grösse Spaniens. Das Weltreich, in dem einst die Sonne nie unterging, ist längst zerbröckelt. Jetzt soll auch Schluss sein mit jeder Verklärung jener vergangenen, goldenen Zeit. Colón, der den Kolonialismus schon im Namen trägt, muss vom Sockel gestürzt werden. An seiner Stelle wäre ein Denkmal für den Widerstand gegen Imperialismus und Unterdrückung zu erbauen.

So fordert es die antikapitalistische Kleinpartei CUP. Was das Kürzel bedeutet, weiss niemand; vielleicht Clowns Unidos Populares. Jedenfalls gehören clowneske Unterhaltungsnummern zum Parteiprogramm der revolutionären Provokateure. So wollen sie den spanischen König in Barcelona zur „persona non grata“ erklären – dies, weil er als Bourbone in der Erbfolge der bourbonischen Unterdrückung der Katalanen stehe. Die Stadtregierung von Barcelona und die Regionalregierung von Katalonien sind auf die Unterstützung der Clown-Partei angewiesen; darum nehmen sie Vorstösse zur Enthispanisierung Kataloniens jeweils entgegen, um sie dann unauffällig zu schubladisieren. Man müsse über das Kolumbus-Problem immerhin diskutieren, heisst es offiziell.

Die Antikapitalisten wollen auch den spanischen Nationalfeiertag abschaffen, den „Día de la Hispanidad“ (Tag des Spaniertums) am 12. Oktober. An diesem Datum hat Kolumbus erstmals amerikanischen Boden betreten, anno 1492. Der Tag war und ist auch in den meisten Ländern Amerikas ein Feiertag. Ursprünglich wurde er allgemein als „Tag der Rasse“ begangen, allmählich haben sich neue Bezeichnungen durchgesetzt, wie etwa „Tag der Kulturen“, „Tag der Begegnung der zwei Welten“ oder aber „Tag der Dekolonisierung“. Aber nur die katalanischen Antikapitalisten wollen den Feiertag ganz und gar abschaffen und in einen normalen Arbeitstag umwandeln. Steigern wir das Bruttosozialprodukt!