Athen beschwert sich offiziell in Berlin

von Panagis Galiatsatos / 13.03.2015

Im Streit des hochverschuldeten Griechenland mit seinen Gläubigern verschlechtern sich die Beziehungen zu Deutschland weiter. Athen protestiert gegen eine Äußerung des deutschen Finanzministers Schäuble, berichtet Panagis Galiatsatos aus Athen.

Die Konfrontation zwischen Athen und Berlin tobt immer heftiger. Den vorläufigen Höhepunkt hat am Donnerstag das griechische Außenministerium mit einer Demarche an das Auswärtige Amt gesetzt, um sich über Äußerungen des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble zu beschweren. Dieser soll den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis beleidigt haben.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Mittwoch in den griechischen Medien die Meldung, dass Schäuble seinen griechischen Kollegen als „dümmlich naiv“ bezeichnet habe. Wie sich später herausstellte, hatte Schäuble das nicht gesagt – es handelte sich um einen Übersetzungsfehler. In der vergifteten Atmosphäre der deutsch-griechischen Beziehungen wurde die angebliche Beleidigung in Griechenland aber ohne weiteres Nachforschen geglaubt.

Dabei hält sich die griechische Regierung selbst kaum zurück. Staatsminister Nikos Pappas, der engste Vertraute des Regierungschefs Alexis Tsipras, hatte bereits am Mittwoch gesagt, Schäuble sei „mit seinem Plan, Griechenland zu ersticken, gescheitert“. Mit solcher Polemik punktet die radikale Regierung bei den Griechen. Sie sind mehrheitlich fest davon überzeugt, dass die griechische Sparpolitik – vereinbart mit den Gläubigern aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds – tatsächlich ein Diktat aus Berlin ist.

Das griechische Außenministerium hält derweil auch nach Bekanntwerden des Übersetzungsfehlers an seiner Demarche fest, wie ein Sprecher erklärte. Die Demarche betreffe die Gesamtheit von Schäubles Äußerungen. Der Deutsche hatte Athens Willen bezweifelt, sich an die Vereinbarungen mit seinen internationalen Gläubigern zu halten.

Varoufakis selbst wollte am Mittwochabend in einem Fernsehinterview die angeblichen Äußerungen Schäubles nicht kommentieren. Er bezeichnete das Verhältnis zu seinem Amtskollegen als „zivilisiert und konstruktiv“. Schäuble habe ihm gesagt, dass er, Varoufakis, das Vertrauen der deutschen Regierung verloren habe. Varoufakis konterte nach eigenen Angaben: „Ich halte es für offensichtlich, dass ich nicht das Vertrauen der Bundesregierung besitze. Aber ich habe das Vertrauen des griechischen Volkes.“ Der Minister ließ im Interview einmal mehr offen, ob er das Ergebnis der Verhandlungen mit den Gläubigern per Referendum vom Volk bestätigen lassen will.