Athen verlangt 278 Milliarden Euro

von Marco Kauffmann Bossart / 07.04.2015

Ein griechischer Juniorminister hat die deutsche Kriegsschuld für die Besatzungszeit durch die Nazis beziffert. Die Summe von 278,7 Milliarden Euro schließt die Zwangsanleihe von 1942 mit ein, für die griechische Experten einen Gegenwartswert von 10,3 Milliarden Euro errechneten. Ein Bericht von NZZ-Korrespondent Marco Kauffmann Bossart.

Griechenlands stellvertretender Finanzminister Dimitris Mardas hat erklärt, die Schulden Deutschlands für die Besatzungszeit zwischen 1941 und 1944 beliefen sich auf 278,7 Milliarden Euro. Die Summe schließt die Zwangsanleihe von 1942 mit ein, für die griechische Experten einen Gegenwartswert von 10,3 Milliarden Euro errechneten. Der Juniorminister stützte sich am Montagabend auf Daten der Verwaltung und eines Parlamentsausschusses.

Eine von griechischen Medien zitierte, aber unter Verschluss gehaltene Studie soll die Kompensationsforderungen auf zwischen 269 und 332 Milliarden Euro beziffern. Auf deren Grundlage prüft Athen, wie die Ansprüche gegenüber Berlin geltend gemacht werden könnten. Ließe sich diese Summe eintreiben, was wenig wahrscheinlich ist, wäre das südeuropäische EU-Mitglied sein Schuldenproblem los.

Drohung mit Pfändung

Griechenland drängt seit Jahrzehnten auf zusätzliche Entschädigungen für die Nazi-Okkupation, der rund 60.000 griechische Juden zum Opfer fielen. Im Jahr 2000 stimmte das Oberste Gericht einer Beschlagnahmung deutschen Eigentums zu. Aus außenpolitischen Überlegungen wurde von einer Umsetzung abgesehen, doch drohte der griechische Justizminister im vergangenen Monat mit der Pfändung deutscher Einrichtungen. Deutschland erachtet das Kapitel Reparationen als abgeschlossen. 1960 leistete die Bundesrepublik Entschädigungszahlungen von 115 Millionen Mark.