David Gray / Reuters

Europäische Phantasien

Australiens Flüchtlingspolitik ist kein Vorbild

Meinung / von Peter Rásonyi / 18.08.2016

Die harte Haltung Australiens gegenüber Bootsflüchtlingen gilt manchen in Europa als Inspiration. Doch die rechtlichen, moralischen und praktischen Probleme schließen eine Adaption aus.

Australien gilt nicht nur als Paradies für Surfer, Taucher und Sonnenanbeter aus aller Welt. Auch viele Kritiker der europäischen Flüchtlingspolitik liebäugeln damit, Australiens Umgang mit Flüchtlingen zu kopieren. Die konsequente Praxis, Flüchtlinge auf dem Meer zurückzuschicken oder auf den südpazifischen Inseln Manus und Nauru zu internieren, entfaltet in Europa eine verführerische Anziehungskraft.

Die AfD-Vorsitzende Petry hat erst am letzten Sonntag in der «Bild»-Zeitung gefordert, alle illegal eingewanderten Migranten und Asylbewerber, deren Gesuch abgelehnt wurde, auf zwei von der Uno geschützten Inseln ausserhalb Europas unterzubringen. Unausgesprochen laufen Vorschläge auch gemäßigterer Politiker auf ähnliche Lösungen hinaus. Wenn etwa der österreichische Aussenminister Kurz behauptet, Europa sei gar nicht auf das umstrittene Flüchtlingsabkommen mit der Türkei angewiesen. Damit scheint er zu implizieren, dass die ohne Abkommen wieder zahlreicher in See stechenden Migranten irgendwo stranden und in chaotischen Verhältnissen festsitzen – wohl auf griechischen Inseln. Denn die Alternative, eine gezielte Umverteilung der in Südeuropa ankommenden Migranten innerhalb der Union, lässt sich bis jetzt nicht durchsetzen.

Auch in Brüssel und Berlin werden Pläne vorangetrieben, Migranten nicht nur in die Türkei, sondern auch in angeblich sichere Länder Nordafrikas zurückzuführen. Doch die von Australiens Regierung angekündigte Schließung des Lagers auf Manus illustriert, dass sich langfristige Internierungslager für Flüchtlinge aus rechtlichen und moralischen Gründen schwer aufrechterhalten lassen. Die ferne Insel, auf die sich Europas Flüchtlingskrise auslagern liesse, ist eine Illusion.