Beflügeltes Wachstum, unverändert hohe Arbeitslosigkeit

von Cornelia Derichsweiler / 04.05.2015

Spaniens Wirtschaft ist im ersten Quartal so sehr gewachsen wie schon seit sieben Jahren nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit aber bleibt weiterhin hoch. Ein Bericht von Cornelia Derichsweiler, NZZ-Korrespondentin in Madrid.

Spaniens Wirtschaft hat zum Jahresauftakt erneut kräftig zugelegt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Januar bis März im Vergleich zum Vorquartal um 0,9 Prozent, wie das Statistikamt mitteilte. Die Regierung Rajoy rechnet in diesem wie auch im nächsten Jahr mit einem Plus von jeweils 2,9 Prozent. Bereits 2014 konnte Spanien erstmals nach fünf Jahren Rezession ein Wachstum von 1,4 Prozent verzeichnen.

Verantwortlich für den Aufschwung ist vor allem der steigende Konsum, der unter anderem durch fallende Verbraucherpreise ausgelöst wurde. Diese hatten im April um 0,6 Prozent nachgegeben. Insbesondere der niedrige Ölpreis wirkte sich positiv aus. Auch in der Automobilindustrie etwa schossen die Verkaufszahlen zuletzt wegen wachsender Nachfrage in die Höhe. So stiegen hier die Zulassungszahlen allein im März im Vergleich zum Vormonat um 40 Prozent.

Weiterhin positive Exportergebnisse und der Tourismus mit stetig steigenden Besucherzahlen wirkten ebenfalls als Wachstumstreiber.

Die fortbestehende hohe Arbeitslosigkeit von 23,7 Prozent aber dämpft den Optimismus im Land. Analysten sehen zudem Risiken in dem nach wie vor hohen Defizit Spaniens von 5,8 Prozent des BIP. Sorge bereitet ebenso eine Auslandverschuldung, die mit 170 Prozent des BIP zu den höchsten der Welt zählt.

Nicht zuletzt auch politische Unwägbarkeiten stehen als Unsicherheitsfaktor im Raum: Mit Spannung werden daher die im Herbst anstehenden Parlamentswahlen in Spanien erwartet. Hier werden der Protestpartei Podemos, die den Austeritätskurs der konservativen Regierung Rajoy strikt ablehnt und zahlreiche bereits eingeleitete Reformen zurücknehmen will, hohe Stimmenanteile zugetraut. Die Kommunal- und Regionalwahlen im Mai gelten da bereits als erster Stimmungstest.