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Live-Ticker

Blutiger Terror in Nizza

von NZZ.at / 15.07.2016

In Südfrankreich ist ein Lastwagen nach dem Feuerwerk zum 14. Juli in eine Menschenmenge gerast. Dabei wurden mindestens 80 Personen getötet. Der Fahrer des Lastwagens ist tot. Laut Präsident Hollande hatte der Anschlag einen „terroristischen Charakter“. Ein Live-Ticker der NZZ.

14:55

Zwiespältiges Volksfest. Beim „Bal des sapeurs-pompiers de Paris“ feiert Paris jährlich seine Feuerwehrleute. Auch gestern Abend, bis spät in die Nacht hinein. Unsere Feuilletonredaktorin Barbara Villiger Heilig weilt gerade in Paris und schreibt über das merkwürdige Gefühl, auf dem Smartphone mittels Push-Nachrichten Zeuge eines Attentats zu werden und gleichzeitig feiernden Feuerwehrmännern zuzuschauen.

Pariser Leben: Tanz den Terror →

14:44

Am Donnerstagabend haben etwa 30’000 Menschen auf und um die Promenade des Anglais in Nizza das Feuerwerk anlässlich des Nationalfeiertags bestaunt.

14:25

Flughafen evakuiert. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtet, dass ein Teil des Flughafens von Nizza wegen einem unbeaufsichtigten Gepäckstück evakuiert worden sei. Inzwischen könnten die Passagiere aber zurückkehren, um ihr zurückgelassenes Gepäck zu holen.

14:22

Die Polizei ermittelt, ob der Täter alleine gehandelt hat oder von Komplizen unterstützt wurde, die geflüchtet sind. Das erklärte Pierre-Henry Brandet, ein Sprecher des Innenministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

13:55

Populismus zum Zweiten. Der polnische Innenminister Mariusz Blaszczak hat den Terroranschlag von Nizza in Zusammenhang mit der Einwanderungspolitik in Westeuropa gerückt. „Das ist ein Problem in Verbindung mit Jahrzehnten von Multikulti-Politik, mit politischer Korrektheit. Das sind leider die Folgen davon“, sagte er am Freitag im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TVP. Bei dem Anschlag wurden am Donnerstagabend mindestens 84 Menschen getötet, darunter auch mehrere Ausländer.

13:40

Frankreichs Präsident François Hollande und Premierminister Manuel Valls sind in Nizza eingetroffen. Dort wollen sie sich ein Bild von der Lage nach dem Anschlag vom Donnerstagabend machen, bei dem mindestens 84 Menschen getötet wurden. Am Flughafen trafen sie Innenminister Bernard Cazeneuve und weitere Sicherheitsbeamte. „Wir sind im Krieg mit Terroristen“, sagte Cazeneuve.

Premierminister Valls, Präsident Hollande und Innenminister Cazeneuve in Nizza (v.l.n.r.).
Credits: Eric Gaillard / AP

13:20

Auch die Mitte-Rechtsopposition kritisiert die französischen Sicherheitsvorkehrungen. Man habe aus den letztjährigen Terroranschlägen in Paris und im letzten Frühjahr in Brüssel offenbar zu wenig gelernt und nach diesen Attacken die Gefahr weiterhin sträflich unterschätzt, zitiert der NZZ-Frankreichkorrespondent Nikos Tzermias Christian Estrosi, den bürgerlich-konservativen Präsident der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur und frühere Bürgermeister von Nizza.

Anschlag in Nizza: Der Attentäter hatte freie Bahn →

12:54

Die Nachrichtenagentur AFP hat mit Nachbarn des mutmasslichen Fahrers gesprochen. Sie beschreiben den Mann als zurückgezogen und still. Er habe nicht den Eindruck gemacht, religiös zu sein.

12:48

Anschauungsunterricht in Populismus. Jedes Attentat kennt Nutzniesser. Zum Beispiel Marine Le Pen, Führerin des rechtsextremen Front National, die im Interview mit der Zeitung Le Figaro das Attentat zu einer Fundamentalkritik der Regierung nutzt: „Nichts, das wir vorgeschlagen haben, ist umgesetzt worden. Wenn man die neue Natur des heutigen Terrorismus bedenkt, der ein Terrorismus der Gelegenheiten ist – also nicht auf hierarchischen Strukturen aufbaut –, dann muss man die Ideologie, auf der dieser Terrorismus basiert, direkt angreifen. Aber genau in diesem Bereich hat man nichts getan, absolut nichts – man hat die Doppelbestrafung nicht wieder eingeführt, man hat darauf verzichtet, die Nationalität abzuerkennen, man hat keine salafistischen Moscheen geschlossen. Wir führen gar keinen Krieg. Im Moment führen wir nur einen Krieg mit Worten.“

12:38

Die Lokalzeitung Nice Matin nennt den mutmasslichen Namen des Täters. Die Ermittler haben diesen allerdings nicht bestätigt. Auch sonst sind derzeit verschiedene widersprüchliche Informationen über den Täter und einen möglichen Komplizen im Umlauf. Was bekannt ist – und was noch unklar ist, haben wir hier zusammengefasst.

12:30

Die Polizei hat die Strandpromenade und den Strand von Nizza abgesperrt.

Soldaten fahren Patrouille am Strand von Nizza.

Credits: Pascal Rossignol / Reuters

12:14

Nizza hatte sich intensiv gegen Anschläge gewappnet. Auch weil in Stadt in Südfrankreich vier Spiele der Fussball-Europameisterschaft ausgetragen wurden, rechneten die Sicherheitskräfte mit Attentaten. Weitere potenzielle Ziele waren der „Carneval de Nice“, der jeweils im Februar eine Million Besucher anlockt, sowie die etwa 30 Kilometer von Nizza entfernt stattfindenden Filmfestspiele von Cannes. Nizza gehört auch zu den Städten mit überdurchschnittlich vielen Sicherheitskameras. Pro Quadratkilometer hängen 15 Überwachungskameras.

12:06

Die Tour fährt weiter. Unter verschärften Sicherheitsmassnahmen und mit einer Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlags in Nizza ist die 13. Etappe der Tour de France am Freitag gestartet worden. Rund 600 Sicherheits-Spezialkräfte waren für die Etappe zwischen Bourg-Saint-Andéol und La Caverne du Pont-d’Arc in der Region Ardèche mobilisiert worden. Zuvor hatte die Tour-Organisation ASO bei einem Krisentreffen mit der Polizei, den Behörden und den regionalen Veranstaltern über eine Absage der Etappe diskutiert, dies aber wieder verworfen.

„Wir wollen diesen Tag nutzen, um die Opfer zu würdigen. Wir haben uns die Frage gestellt, ob die Etappe stattfinden soll. Wir sind der Meinung, dass das Rennen weitergehen soll. Wir wollen nicht dem Druck der Menschen nachgeben, die unsere Lebensweise ändern wollen“, sagte Tourchef Christian Prudhomme.

Dem Thema Sicherheit wurde bei der Tour in diesem Jahr ohnehin besonderer Bedeutung zugemessen. Mit Blick auf die Terrorgefahr hatten die französischen Behörden die Sicherheitsvorkehrungen schon im Vorfeld erhöht. 23000 Polizisten und Gendarmen sind während der Rundfahrt im Einsatz, darunter auch erstmals Mitglieder der Spezialeinheit GIGN. Hinzu kommen private Sicherheitsleute etwa in den Start- und Zielbereichen.

11:49

Seit Monaten haben sich Frankreichs Behörden auf das Szenario eines Anschlags an der Côte d’Azur vorbereitet. Trotzdem wurden sie vom Anschlag überrascht. Auslandredaktor Andreas Rüesch hat Nizzas Geschichte als Ziel von Islamisten nachgezeichnet.

Ungenügende Sicherheitsvorkehrungen: Nizza schon früher im Visier von Islamisten →

11:41

Belgien setzt am Nationalfeiertag mehr Polizisten ein. Am 21. Juli feiert Belgien seinen Nationalfeiertag. Schon vor dem Anschlag mit 84 Toten eine Verstärkung angefordert und erhalten Nach dem Attentat im südfranzösischen Nizza ist der Nationale Sicherheitsrat erneut zusammengekommen. Das Zentrum für die Beurteilung der Terrorgefahr halte an der zweithöchsten Alarmstufe fest, teilte Innenminister Jan Jambon mit. Die aktuelle Stufe drei bedeutet, dass die Behörden die terroristische Bedrohung in Belgien als „ernst, möglich und wahrscheinlich“ einschätzen.

11:34

Zwar ist noch nicht viel über den Täter bekannt. Aber „die bisherigen Indizien lassen die terroristische Tat eines Einzeltäters, eines ‹Lone Wolf›, vermuten“, schreibt Auslandredakor Christian Weisflog.

11:30

Am Tag danach versuchen die Menschen in Nizza zu verstehen, was geschehen ist.


Credits: Eric Gaillard / Reuters

11:23

Französische Polizei stösst an Belastungsgrenzen. Um nach dem Anschlag von Nizza die Polizei zu entlasten, setzt Frankreich auf Reservisten der Gendarmerie. Das Land will die operationelle Reserve der Truppe einsetzen, wie Premierminister Manuel Valls nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts sagte. Dabei handelt es sich um ehemalige Gendarmen.

Die Gendarmerie gehört zwar zum Militär, übernimmt aber Polizeiaufgaben und untersteht deshalb auch dem Innenministerium. Wie viele Reservisten Frankreich einsetzen will und welche Aufgaben sie übernehmen sollen, wurde zunächst nicht bekannt.

Französische Polizeigewerkschafter klagen seit Monaten immer wieder über die hohe Belastung durch den anhaltenden Ausnahmezustand und den Kampf gegen den Terror, Grosseinsätze wie die Fussball-EM sowie Zusammenstösse am Rande von Demonstrationen.

11:10

Drei Deutsche und eine Tessinerin unter den Opfern. Unter den 84 Toten von Nizza befinden sich drei Deutsche. Dabei handelt es sich um eine Lehrerin und zwei Schüler.

Das EDA hat inzwischen bestätigt, dass sich eine 54-jährige Tessinerin aus Agno unter den Opfern befindet. Ob weitere Schweizer in Nizza ums Leben gekommen sind, kläre das EDA momentan ab.

11:08

Die Grand Central Station in New York erstrahlt im Gedenken an die Opfer von Nizza in der Tricolore.

11:05

Die deutsche Bundespolizei verstärkt die Kontrollen an der Grenze zu Frankreich. Dies gilt neben den Strassen- und Schienenverbindungen auch für die Flughäfen.

11:00

Dreitägige Staatstrauer. Nach dem Anschlag von Nizza mit mindestens 84 Toten hat Frankreichs Staatschef François Hollande eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Sie beginne am Samstag und dauere bis Montag, sagte Premierminister Manuel Valls am Freitag nach einem Treffen des Sicherheitskabinetts in Paris. An öffentlichen Gebäuden sollten die Fahnen schon ab Freitag auf Halbmast gehängt werden. Die angekündigte erneute Verlängerung des Ausnahmezustands solle bereits am kommenden Dienstag im Kabinett und dann am Mittwoch und Donnerstag vom Parlament beraten werden.

10:50

Tessinerin unter den Opfern. Laut der Tessiner Zeitung Corriere del Ticino befindet sich eine Tessinerin aus Agno unter den Opfern von Nizza. Die 54-jährige sei vom Lastwagen überfahren worden. Das EDA hat die Nachricht noch nicht bestätigt.

10:37

Der Attentäter von Nizza ist Medienberichten zufolge identifiziert. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise am Freitag berichtete, soll es sich um einen 31 Jahre alten Franzosen tunesischer Herkunft handeln, der in Nizza gewohnt hat. Unser Frankreich-Korrespondent Nikos Tzermias erklärt, wieso Nizza eine eigentliche Jihadisten-Hochburg ist.

Anschlag in Nizza: Hier kommt der Attentäter her →

10:20

Gegenüber der Zeitung Le Figaro erklärten Polizeiquellen, dass mehrere Polizeiaktionen im Gang seien. Dass momentan die Wohnung des Attentäters durchsucht werde, können wir bis jetzt nicht verifizieren.

10:14

Laut der Lokalzeitung Nice Matin seien nach dem Anschlag 54 Kinder ins Lenval Krankenhaus eingeliefert worden.

10:10

Möglicherweise Deutsche unter den Opfern. Das Auswärtige Amt kann nicht ausschliessen, dass sich unter den 84 Toten auch Deutsche befinden. Eine Sprecherin erklärte am Freitagmorgen in Berlin: „Ein Konsularteam des Generalkonsulats Marseille ist auf dem Weg nach Nizza, um vor Ort die Lage weiter aufzuklären und gegebenenfalls betroffenen Deutschen Hilfe und Beistand zu leisten.“

10:05

Die Polizei hat den Attentäter offenbar identifizieren können. Dies berichtet die Zeitung Le Figaro. Sie beruft sich auf die Nachrichtenagentur AFP.

10:00

Türkei bezeichnet Attentäter als „Barbaren“. Auch die Türkei, die in diesem Jahr schon von mehreren Terroranschlägen mit islamistischem Hintergrund getroffen worden ist, hat Frankreich Solidarität zugesichert. „Die modernen Barbaren, die diesen Angriff verübt haben, haben nichts mit Religion oder Menschlichkeit zu tun“, teilte ein Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan mit. „Für sie gibt es auf dieser Welt keinen Platz.“

09:53

IS-Anhänger bejubeln Anschlag. Auch wenn Frankreichs Präsident François Hollande sagte, der Anschlag habe einen „terroristischen Charakter“, herrscht bis jetzt Unklarheit über die Motive des Täters. Auch hat sich noch keine Terrororganisation zum Anschlag bekannt. SITE, eine Organisation, die Aktivitäten islamistischer Terroristen überwacht, berichtet, Anhänger des IS bejubelten den Anschlag auf Twitter.

09:40

Sicherheitskameras zeigen Fahrt des Lastwagens. Christian Estrosi, der Bürgermeister von Nizza, sagte zur Nachrichtenagentur AP, dass auf Sicherheitskameras zu sehen sei, wie der Attentäter den Lastwagen „weit entfernt von der Küste in den Hügeln von Nizza bestiegen habe“. Anschliessend könne der Weg zur Promenade des Anglais verfolgt werden. Estrosi fordert, dass die Ermittlungen auf mögliche Komplizen fokussieren sollte. „Attentate werden nicht im Alleingang geplant.“ Er behauptet zudem, unter den Toten befänden sich auch mehr als 10 kinder.

09:34

Momentan tagt der Sicherheitsrat im Élysée-Palast.

09:27

Auf den Anschlag von Nizza hat Hollande mit der Verlängerung des Ausnahmezustands reagiert. „Der Ausnahmezustand beschränkt die Freiheit der Bürger und erweitert die Befugnisse der Polizei. Aber er schafft, für sich genommen, keine Sicherheit“, kommentiert unser Auslandredaktor Andres Wysling.

Anschlag in Nizza: Ausnahmezustand reicht nicht aus →

09:16

Konzerte abgesagt. Heute Abend hätte eigentlich der amerikanische Popstar Rihanna in Nizza auftreten sollen. Wegen dem Anschlag sagte sie den Auftritt ab: „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien“, schrieb die Sängerin auf Instagram. Auch ein Jazz-Festival in Nizza ist abgesagt, wie der Verwaltungsbezirk Alpes-Maritimes am Freitag mitteilte. Die berühmte Promenade des Anglais, auf der am Vorabend ein Mann mit einem Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge gerast war, bleibt zunächst geschlossen, ebenso wie der Strand entlang der Flaniermeile. Die südfranzösische Stadt Marseille sagte ein für Freitagabend geplantes Feuerwerk ab.

09:08

Internationale Reaktionen. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck bezeichnete den Anschlag als Angriff auf die Werte der französischen Revolution. Weitere Reaktionen aus der internationalen Politik haben wir im folgenden Artikel zusammengefasst:

Anschlag in Nizza: „Tiefes Mitgefühl und unendliche Traurigkeit“ →

09:02

John Kerry, der amerikanische Aussenminister, der am Donnerstagnachmittag bei den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag in Paris weilte, teilte mit: „Ich war stolz, heute neben führenden Persönlichkeiten aus Frankreich bei den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag in Paris zu stehen, und die Vereinigten Staaten werden weiterhin fest an der Seite der Franzosen während dieser tragischen Zeit stehen. Wir werden jede Unterstützung liefern, die benötigt wird.“

08:44

Italien verschärft Grenzkontrollen. Italiens Innenminister Angelino Alfano kündigt verschärfte Kontrollen an drei Grenzübergängen zu Frankreich sowie in Zügen auf der Verbindung über Ventimiglia zwischen den beiden Ländern an.

08:40

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, der auf Staatsbesuch in Uruguay weilt, spricht von „einem Angriff auf die gesamte freie Welt“. Der Anschlag gelte den Werten der französischen Revolution, „die auch unsere Werte sind“, sagte Gauck.

08:36

Auf Twitter suchen die Menschen mit dem Hashtag #recherchenice nach Angehörigen. Das Bürgerservice des österreichischen Außenministerium ist zu diesem Zwecke auf seiner Hotline erreichbar.

08:25

Menschen auf Social Media reagieren entsetzt auf den Anschlag in Nizza. Mit den Hashtags #Nice06, #PrayforNice und#PorteOuvertesNice (offene Türen in Nizza) drücken sie ihre Trauer aus.

08:13

Obama zeigt sich solidarisch. Solidarische Worte kommen bereits in der Nacht auch aus Washington Präsident Barack Obama verurteilte den Anschlag auf das Schärfste und sagte: „Wir stehen in Solidarität und Partnerschaft an der Seite Frankreichs, unseres ältesten Alliierten.“ Die USA böten Frankreich alle erdenkliche Hilfe an, um auf die Attacke zu reagieren. „Am Tag der Bastille erinnern wir uns der ausserordentlichen Ausdauer und der demokratischen Werte, die Frankreich zu einer Inspiration für die ganze Welt gemacht haben“, sagte Obama. „Wir wissen, dass das Wesen der französischen Republik lange über diesen verheerenden und tragischen Verlust von Leben hinaus andauern wird.“

08:11

Reaktion von EU-Ratspräsident Tusk. Viele Vertreter der EU und befinden sich derzeit auf dem ASEM-Gipfel in der Mongolei. Zu dessen Auftakt wandte sich der Blick der 31 Staats- und Regierungschefs aus Asien und Europa allerdings nach Nizza. Der EU-Ratspräsident Donald Tusk zeigte sich angesichts der Ereignisse im Süden Frankreichs erschüttert: „Es ist ein trauriger Tag für Frankreich, Europa und uns alle hier in der Mongolei.“ Es sei ein Angriff auf die Menschen in Frankreich gewesen, die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gefeiert hätten. „Wir stehen vereint mit den Menschen und der Regierung Frankreichs in ihrem Kampf gegen Gewalt und Terrorismus“, sagte Tusk.

08:08

Eine Frau sucht am Morgen nach dem Anaschlag verzweifelt nach Familienangehörigen.
Credits: Luca Bruno / AP

In der Morgendämmerung wird das Ausmass der Katastrophe immer klarer: Überall ist getrocknetes Blut auf der Strasse zu sehen, mit Decken zugedeckte Leichen, zertrümmerte Kinderwagen und andere Trümmer liegen noch immer verstreut auf der Promenade. Zahlreiche Menschen suchten nach vermissten Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten.

Die Spurensicherung am Ort des Verbrechens.
Credits: Eric Gaillard / Reuters

08:00

Augenzeugen berichten von Chaos und Panik. „Der Lkw kam im Zickzack die Strasse entlang. Wir rannten in ein Hotel und versteckten uns mit vielen anderen Leuten auf der Toilette“, sagte eine Augenzeugin dem Sender „France Info“. „Die Leute sind umgefallen wie Kegel“, erzählt ein weiterer Augenzeuge. Eine andere Frau sagte, sie habe sich mit etwa 200 anderen Leuten in einem Restaurant an der Promenade versteckt, wo sich die Lage etwa zwei Stunden nach dem Angriff beruhigt habe.

Kurz nach dem Anschlag versuchten zahlreiche Menschen über die Promenade des Anglais zu flüchten. Augenzeugen berichteten davon, wie panische Eltern ihre Kinder über Zäune geworfen haben sollen, um sie vor den Flüchtenden in Sicherheit zu bringen.

07:55

Die Tat im Überblick. Noch ist einiges unklar. Doch aus Augenzeugen- und Polizeiberichten lässt sich die Tat rekonstruieren.

Anschlag in Nizza: Eine Rekonstruktion der Ereignisse →

07:45

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Frankreich die volle Solidarität Deutschlands zugesichert. „Deutschland steht im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite Frankreichs“, sagte sie am Freitag am Rande des Asem-Gipfels im mongolischen Ulan Bator. „Und ich bin sehr überzeugt, dass wir trotz aller Schwierigkeiten diesen Kampf gewinnen werden.“ Frankreich sei am Nationalfeiertag vom Terror getroffen worden, einem Tag, „der ein Tag des Stolzes ist und nun ein Tag der grossen Trauer geworden ist“.

07:43

Die Polizei schickt 70 forensische Ermittler von Paris nach Nizza, um die Opfer möglichst schnell zu identifizieren.

07:31

Opferzahl steigt: Der französische Innenminister spricht nun von 84 Toten.

07:25

Aus Polizeikreisen heisst es, beim Täter handle es sich um einen 31-jährigen Franko-Tunesier. Er sei der Polizei bekannt gewesen, jedoch nicht ins Visier des Geheimdienstes geraten.

7:13

7:08

Im Lastwagen, der in die Menschenmenge in Nizza gerast ist, hat die Polizei offenbar eine funktionsunfähige Granate und Feuerwaffen-Attrappen gefunden. Die französischen Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf Ermittler, der Fahrer habe mehrmals mit einer Pistole geschossen, bevor er von der Polizei getötet wurde.

Forensiker neben dem Lastwagen, der in Nizza in die Menschenmenge gerast ist. An der Windschutzscheibe sind Einschusslöcher zu sehen.

Credits: Claude Paris / Keystone

6:58

Der Fernsehsender BFM.TV berichtet, dass der Fahrer der Polizei bekannt gewesen sein soll. Allerdings nicht im Zusammenhang mit terroristischen Aktivitäten. Er sei 30 Jahre alt gewesen und habe den Lastwagen gemietet. Diese Informationen sind bislang unbestätigt.

6:25

Die Spitäler des Departements Var rufen nach dem Anschlag zu Blutspenden auf.

5:40

(Reuters) Der Uno-Sicherheitsrat teilte mit, er verurteile „aufs Schärfste den barbarischen und feigen terroristischen Angriff“.

4:56

Die Zahl der Todesopfer steigt laut einer jüngsten Bilanz auf 80. Dies teilt Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve, der sich in Nizza aufhält, auf Twitter mit. Zahlreiche Personen seien verletzt, 18 davon schwer.

4:00

Frankreich verlängert Ausnahmezustand um drei Monate. Frankreichs Präsident François Hollande sagte in seiner Fernsehansprache, die vor wenigen Minuten endete, der Anschlag in Nizza habe einen „terroristischen Charakter“ gehabt. Hollande sprach von 77 Todesopfern, unter den Toten seien auch Kinder.

Er kündigte zudem an, dass er den Ausnahmezustand um drei Monate verlängern wolle. Das solle nächste Woche vom Parlament entschieden werden. Erst am Vortag hatte Hollande verkündet, dass der nach den Anschlägen Mitte November verhängte Ausnahmezustand am 26. Juli enden werde. Durch den Ausnahmezustand können die französischen Behörden beispielsweise leichter Verdächtige unter Hausarrest allenfalls mit elektronischen Fesseln stellen. Auch Hausdurchsuchungen sind einfacher möglich, bei Durchsuchungen im Haus oder Büro ist ausserdem der Zugriff auf alle Datenverarbeitungssysteme bewilligt.

(ap) Hollande kündigte weitere Sicherheitsmassnahmen an. Die Opération Sentinelle zum Patrouilleneinsatz von 10 000 Soldaten werde beibehalten, zudem würden Reservekräfte zur Unterstützung der Polizei abgestellt, insbesondere an den französischen Grenzen. Der Ausnahmezustand solle um drei weitere Monate verlängert werden. Das Parlament müsste dies jedoch billigen. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat Terror-Ermittlungen eingeleitet.

Hollande sagte weiter, dass er nach der Sitzung des Sicherheitskabinetts am Freitagmorgen nach Nizza reisen werde.

3:50

Ausweis eines Franko-Tunesiers im Lastwagen in Nizza gefunden.Die Ausweispapiere gehören einem 31-jährigen in Nizza gemeldeten Mann, wie die Nachrichtenagentur AFP in der Nacht zu Freitag aus Polizeikreisen erfuhr. Die Identifizierung dauert laut AFP noch an.

3:40

(dpa/Reuters) „Angriff auf die gesamte freie Welt.“ Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck spricht von „einem Angriff auf die gesamte freie Welt“. Er habe mit Entsetzen bei seinem Staatsbesuch in Uruguay von dem Anschlag erfahren und dem französischen Präsidenten seine Anteilnahme ausgesprochen. Der Anschlag gelte den Werte der französischen Revolution, „die auch unsere Werte sind“, teilt Gauck mit.

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat den Angriff ebenfalls verurteilt und Frankreich Hilfe angeboten. „Ich verurteile schärfstens, was eine schreckliche Terrorattacke zu sein scheint.“

Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk äussert sich erschüttert über den Anschlag. „Wir stehen zusammen mit den Familien der Opfer, dem französischen Volk und der französischen Regierung im Kampf gegen Gewalt und Hass“, sagt er zu Beginn des Asem-Gipfels in Ulan Bator.

3:30

Frankreichs Präsident François Hollande wird in wenigen Minuten eine Ansprache halten.

Hollande hat ausserdem für Freitag, 9 Uhr, eine Sitzung der für Sicherheit und Verteidigung zuständigen Minister anberaumt, wie der Elysée-Palast in Paris ankündigte.

2:23

Bei der Attacke sind nach einer jüngsten Bilanz 77 Menschen getötet worden, wie der Präsident der Region Provences-Alpes-Côte d’Azur Christian Estrosi auf Twitter mitteilt.

42 Menschen wurden lebensgefährlich verletzt, berichtete die Regionalzeitung Nice-Matin auf ihrem Twitter-Account.

1:59

Anwohner bieten Zuflucht. Internet-Nutzer können nach dem Anschlag in Nizza mit dem Schlagwort #PortesOuvertesNice (offene Türen Nizza) nach Zuflucht suchen. Unter anderem auf Twitter wurde der Hashtag in der Nacht zum Freitag tausendfach verbreitet. Einwohner von Nizza boten anderen eine Unterkunft an, damit diese nach dem Anschlag nicht auf der Strasse bleiben mussten. Der Hashtag wurde von Dutzenden auch dazu genutzt, um tatsächlich oder vorgeblich vermisste Bekannte ausfindig zu machen. Nach den Terroranschlägen von Paris im November hatte bereits der Hashtag #porteouverte die Runde gemacht, um Auswärtigen einen Unterschlupf anzubieten.

1:52

Facebook aktiviert Safety Check. Nach dem Anschlag in Nizza können die Menschen in der Region ihren Freunden auf Facebook mitteilen, ob sie in Sicherheit sind. Das Netzwerk aktivierte in der Nacht zum Freitag die entsprechende Funktion, die unter anderem bereits nach der Terrorserie von Paris im vergangenen November im Einsatz war. Unter anderem wies die Präfektur des Departements Var auf den Sicherheitscheck hin, nachdem ein Lastwagen in eine Menschenmenge gerast war.

1:23

Laut Regionalpräsident Christian Estrosi wurden bereits über 70 Todesopfer gezählt. Es handele sich um das schlimmste Drama in der Geschichte Nizzas. Dem Sender BFMTV sagte er, der Lastwagen sei mit Waffen beladen gewesen.

1:20

Der Fahrer des Lastwagens, der in Nizza mehrere Dutzend Menschen getötet hat, ist tot. „Die Polizei hat ihn neutralisiert“, sagte der Sprecher des französischen Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, der Nachrichtenagentur AFP. Er widersprach Gerüchten über eine Geiselnahme nach dem Angriff: Derzeit liefen Ermittlungen, um zu klären, ob der Lastwagenfahrer allein gehandelt oder Komplizen gehabt habe, die möglicherweise die Flucht ergriffen.

1:05

Blutiger Terror in Nizza. Am späten Donnerstagabend hat ein mutmasslicher Terroranschlag in der südfranzösischen Stadt Nizza mehrere Dutzend Tote gefordert. Nach dem Feuerwerk anlässlich des Nationalfeiertags raste ein Lastwagen in die Zuschauermenge auf der Promenade des Anglais, direkt am Meer gelegen und eine der bekanntesten Flaniermeilen Europas. Um ein Uhr nachts meldete die Polizei über siebzig Todesopfer und mehr als hundert Verletze. Ein Sprecher des Innenministeriums dementierte Berichte über eine Geiselnahme.

Die Polizeipräfektur ging von einem Attentat aus, ohne jedoch bereits Hinweise auf die Täterschaft geben zu können. Laut einer kurzen Mitteilung des Innenministeriums auf Twitter wurde der Chauffeur des Camions „neutralisiert“, nun wird abgeklärt, ob er allein handelte. Es blieb mithin auch unklar, ob sich andere Täter noch auf der Flucht befanden. Es kursierten Berichte über eine Schiesserei. Und im Lastwagen sollen mehrere Schusswaffen und Granaten gefunden worden sein.

Der Anschlag ereignete sich nur wenige Tage nach dem Ende der Fussball-EM, die unter enormen Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden hatte und von Terroranschlägen verschont blieb. Beim neusten Attentat handelt es sich um das blutigste in Europa seit den Anschlägen am 13. November 2015 in Paris und am 22. März 2016 in Brüssel, die 130 beziehungsweise 32 Menschenleben gefordert hatten.

Staatspräsident François Hollande, der sich zum Zeitpunkt der Schreckenstat in Avignon befand, kehrte eiligst nach Paris zu einem Krisentreffen der Regierung zurück. Der Präsident der Region Provence-Alpes-Côtes d’Azur und frühere Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, rief die Bürger der Stadt dazu auf, zu Hause zu bleiben. Innenminister Bernard Cazeuneuve flog sofort nach Nizza, um sich vor Ort über die Vorkommnisse zu informieren.

0:48

Steigende Opferzahlen. Inzwischen sprechen Behörden von bis zu 60 Toten und über hundert Verletzten. Das berichtete der Sender BFMTV unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft am frühen Freitagmorgen.

0:41

Der deutsche Journalist Richard Gutjahr wurde Zeuge des Zwischenfalls. Im „Nachtmagazin“ der ARD schilderte er seine Beobachtungen. In dem über Twitter verbreiteten Video ist zu sehen, wie der Lastwagen erst kurz vor der Menschenmenge Fahrt aufnahm.

0:30

Lastwagen rast in Menschenmenge. Nach dem Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag ist in der südfranzösischen Stadt Nizza ein Lastwagen in eine Menschenmenge gerast. Der Präsident der Region Provences-Alpes-Côte d’Azur, Christian Estrosi, spricht in einem Tweet von „Dutzenden“ von Toten.

Der Fahrer des Lastwagens ist offenbar erschossen worden. Polizei und Rettungskräfte sind mit einem Grossaufgebot im Einsatz. Die Hintergründe des Zwischenfalls ist noch nicht klar. Die zuständige Präfektur halte ein Attentat für möglich und habe die Bevölkerung aufgerufen, zu Hause zu bleiben, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

0:15

Hollande unterwegs zur Krisensitzung. Der französische Präsident François Hollande kehrt nach dem Angriff aus Avignon nach Paris zurück, um an einer Sitzung des Krisenstabs im Innenministerium teilzunehmen. Wie die Nachrichtenagentur AFP in der Nacht zum Freitag weiter unter Berufung auf den Elysée-Palast meldete, sprach Hollande zuvor mit Ministerpräsident Manuel Valls und Innenminister Bernard Cazeneuve. Ein Lastwagen war zuvor in Nizza bei den Feiern zum französischen Nationalfeiertag in eine Menschenmenge gerast und hat vermutlich mehrere Dutzend Menschen getötet.