Keystone/Patrick Tsui

Treffen der Außenminister

Boris Johnson stolpert auf die Weltbühne

von Marie-Astrid Langer / 20.07.2016

Von Hillary Clinton bis Barack Obama – über viele US-Politiker hat sich Boris Johnson schon öffentlich lustig gemacht. Die Beleidigungen sind dem neuen britischen Aussenminister nun bei einem Zusammentreffen mit seinem amerikanischen Kollegen John Kerry um die Ohren geflogen.

Es war ihm sichtbar peinlich. Boris Johnson zappelte vor dem Mikrofon hin und her, suchte immer wieder Blickkontakt zu seinem neuen Amtskollegen John Kerry, um dann doch schnell wieder wegzuschauen. Grossbritanniens neuer Aussenminister Boris Johnson wirkte wie ein Schuljunge, der beim Schummeln erwischt wurde, als er sich am Dienstag an einer Pressekonferenz in London den Fragen von Journalisten stellen musste.

Diese kannten kein Erbarmen und erinnerten ihn an seine früheren Aussagen: „Sie sagten einmal, Hillary Clinton sehe mit ihren gebleichten Haaren und ihrem gepuderten Gesicht aus wie eine sadistische Krankenschwester in einer Psychiatrie“, sagte einer der Pressevertreter. Johnson blickte verlegen zu Boden. Doch der Journalist fuhr fort: „Nehmen Sie diese Aussagen zurück oder nehmen Sie sie mit sich in ihr neues Amt als Indikator dafür, welche Art von Diplomatie sie praktizieren werden?“

Ein anderer Journalist fragte, ob sich Johnson nun bei Präsident Obama entschuldigen werden, nachdem er ihn einen „Teil-Kenianer“ mit einer „angestammten Abneigung gegen das Britische Königreich“ genannt hatte.

Oder sie erinnerten ihn an seine besondere Art, mit Fakten umzugehen. „Sie haben eine besonders lange Geschichte wilder Übertreibungen und, offen gesagt, haarsträubender Lügen“, sagte ein Journalist. Bei dieser Aussage verzog selbst Amtskollege Kerry kurz mitleidig das Gesicht. „Wie sollten Kollegen wie Herr Kerry Ihren Aussagen nun angesichts dieser Geschichte Glauben schenken?“

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Johnson wich allen Fragen mit der gleichen Antwort aus, die er stoisch wiederholte: Es würde zu lange dauern, um sich bei allen zu entschuldigen, die er durch seine – vielfach falsch interpretierten – Aussagen beleidigt hätte.

Es warteten nun wichtigere Aufgaben, etwa die humanitäre Krise in Syrien, in Jemen oder die sich abzeichnende Krise in Ägypten – wobei er mit letzterem Land vermutlich die Türkei meinte, und damit erneut in einen Fettnapf trat.

John Kerry hingegen – ganz Profi-Diplomat – versuchte mit Schmeicheleien, den Auftritt Johnsons zu glätten: Der amerikanische Botschafter in Brüssel kenne Johnson besser und habe Kerry versichert, dass Johnson „ein sehr kluger und fähiger Mann“ sei. Und das sei der Boris Johnson, mit denen die USA künftig zusammenarbeiten werden.

Doch auch diesen diplomatischen Schachzug ruinierte Johnson: Etwas verlegen ob des Lobes unterbrach er Kerry, „Das reicht jetzt, Danke Danke“ – woraufhin Kerry einen Schritt zu ihm hinüberging, ihn anstupste und väterlich erklärend sagte: „Das nennt man Diplomatie, Boris.“

Mit Blick auf die weiteren Verhandlungen anlässlich des Brexit sagte Kerry, er und Johnson hätten bereits die Punkte diskutiert, die durch den Referendumsausgang nun besonders wichtig für die beiden Länder geworden seien. Kerry betonte auch, dass sowohl er selbst als auch Präsident Obama anderer Meinung seien als Johnson, was die angeblichen Vorteile eines Brexit betreffe.