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Live-Ticker

#Brexit – Finanzmärkte im Schock – Jubeltag für Nationalisten

von NZZ.at / 24.06.2016

51,9 Prozent der britischen Stimmbürger haben sich für „Leave“ entschieden. Die europäische Politik und die internationale Finanzindustrie stehen unter Schock. Ein Live-Ticker der NZZ.

16:15

Nikos Tzermias stellt Bedauern in Paris fest: Frankreichs Staatspräsident François Hollande hat den Brexit-Entscheid der britischen Wähler am Freitagmittag, nach einer längeren Krisensitzung im Elysée, zutiefst bedauert. Das Votum sei für Europa eine schwere Prüfung. Dabei räumte Hollande ein, dass das Verdikt auch eine Folge des ungenügenden Funktionierens der EU und eines Vertrauensverlusts der Bevölkerung sei. Die Gefahr sei gross angesichts der Extremismen und Populismen. Das richtete sich gegen den ultranationalistischen Front national, dessen Anführerin Marine Le Pen sogleich eine Nachahmung des Referendums forderte. Laut Hollande ist nun ein Kraftakt notwendig. Frankreich werde sich dafür engagieren, dass sich Europa auf das Wesentliche konzentriere: die Sicherung und Verteidigung des Kontinents, Investitionen für Wachstum und Beschäftigung, eine steuerliche und soziale Harmonisierung sowie eine Stärkung des Euro und dessen demokratischer Governance. Europa dürfe sich nicht in Prozeduren verlieren und müsse von den Bürgern verstanden und kontrolliert werden. Europa sei eine grosse Idee und nicht nur ein grosser Markt, bemerkte der Sozialist schliesslich spitz.

15:45

Rom hofft auf mehr Integration, schreibt die NZZ-Italien-Korrespondentin Andrea Spalinger: In Italien geht die Angst vor den negativen wirtschaftlichen Folgen des Brexit um. Das südeuropäische Land ist zwar deutlich weniger eng mit Grossbritannien verbunden als andere EU-Mitglieder. Die durch dessen Austritt ausgelösten Turbulenzen auf den Finanzmärkten könnten das kriselnde und hochverschuldete Italien laut Experten jedoch am schwersten treffen. Der Ministerpräsident versuchte die Gefahr am Freitag zwar kleinzureden, die Beunruhigung waren ihm und seinem Finanzminister aber deutlich ins Gesicht geschrieben.

Auch politisch kommt der Brexit der pro-europäischen Regierung von Matteo Renzi höchst ungelegenen, dürfte er der rechtspopulistischen Lega Nord und der Fünfsterne-Protestpartei doch weiteren Auftrieb verleihen. Beide fordern den Austritt aus dem Euro und die Neuverhandlung der EU-Verträge. Der Lega-Chef, Matteo Salvini, äusserte sich denn auch euphorisch über den Brexit. „Danke UK“, twitterte er. „Nun sind wir an der Reihe“.

Das Regierungslager hingegen setzt sich seit Jahren für mehr politische und wirtschaftliche Integration in Europa ein und hofft nun, dass der Austritt der „bremsenden Briten“ dem Projekt EU wieder mehr Einheit und neuen Schub verleihen werden. Renzi twitterte nach Bekanntwerden des Brexit: „Wir müssen die EU verändern, um sie humaner und gerechter zu machen. Doch Europa ist unser Zuhause, ist unsere Zukunft“.

15:30

Das britische Referendum ist vor allem in Polen mit grossem Interesse verfolgt worden, meint die NZZ-Korrespondentin Meret Baumann. Seit dem EU-Beitritt des Landes sind rund eine Million Polen nach Grossbritannien ausgewandert. Die auf der Insel lebende Exil-Bevölkerung ist damit grösser als diejenige der zweitgrössten polnischen Stadt Krakau. Der „polnische Klempner“ war auch ein von den britischen Brexit-Befürwortern oft verwendetes Symbol für die Zuwanderung. Wenige Tage vor der Abstimmung hatte Warschau den Union Jack auf den Kulturpalast, das wichtigste Wahrzeichen der Hauptstadt, projizieren lassen, um den Briten den Wunsch nach einem Verbleib in der Union zu signalisieren. Staatspräsident Andrzej Duda nannte das Votum denn auch eine traurige Nachricht. Es müsse nun alles unternommen werden, um die Rechte der polnischen Einwanderer zu wahren.

Politisch entscheidend in Polen ist allerdings der Chef der nationalkonservativen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski. Die PiS hat mit ihren umstrittenen Reformen im Bereich der Justiz und der Medien einen gravierenden Konflikt mit Brüssel provoziert, und ihre Exponenten kritisieren die EU immer wieder heftig. Polen wolle aber in der Union bleiben, stellte Kaczynski am Freitag klar. Der Brexit sei schrecklich. Allenfalls brauche es einen neuen EU-Vertrag, um dem Land die Rückkehr zu ermöglichen. Die PiS sieht in den britischen Tories, mit denen sie auch eine Fraktion im EU-Parlament bildet, einen wichtigen strategischen Partner.

In stetem Streit mit Brüssel befindet sich auch Ungarn, aus dem ebenfalls Zehntausende vorwiegend Junge und gut Ausgebildete nach Grossbritannien ausgewandert sind. Ausgerechnet die Regierung Orban liess kurz vor der Abstimmung in britischen Medien Inserate publizieren, die für einen Verbleib in der EU warben, was Ungarns Opposition als zynisch bewertete. Wenig überraschend sah Viktor Orban am Freitag die Flüchtlingskrise als Hauptgrund für den Entscheid der Briten. Diese hätten mit dem Austritt eine Antwort auf die Frage gesucht, wie man die „moderne Völkerwanderung“ aufhalten könne. Europa sei nur stark, wenn es auf solche Fragen eine Antwort geben könne, was nicht der Fall gewesen sei.

15:25

Die Reaktionen aus der Türkei und Griechenland fasst unser Korrespondent Marco Kauffmann zusammen: Türkische Regierungspolitiker reagierten mit Schadenfreude und Ermahnungen an die EU. Der stellvertretende Ministerpräsident Nurettin Canikli deutet das Votum der Briten als Beginn einer europäischen Desintegration. Grossbritannien sei als erstes Land vom Schiff gesprungen. Regierungschef Binali Yildirim riet der EU, ihre Vision zu überdenken. Nicht fehlen durfte ein Seitenhieb gegen den britischen Premierminister David Cameron, der in der Kampagne einen Beitritt der Türkei in eine ferne Zukunft verschoben hatte. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Brüssel am Vorabend der Brexit-Abstimmung beschuldigt, die Türkei in den Beitrittsgesprächen hinzuhalten, weil sie ein mehrheitlich muslimisches Land sei. Der Türkei sei es vorbehalten, die Bevölkerung in einem Referendum zu fragen, ob die Verhandlungen mit der EU weitergeführt werden sollen.
In Athen, wo die Regierung vor einem Jahr nur knapp an einem „Grexit“ vorbeischlitterte, wird das Ausscheiden der Briten als Symptom einer tiefen Malaise interpretiert. Der Volksentscheid sei kein Blitz aus dem heiteren Himmel, sondern Ausdruck des demokratischen Defizits, der harten Sparprogramme und der Vorurteile gegen die Südländer, erklärte Ministerpräsident Alexis Tsipras.

14:40

Auch in der Labourpartei sollen Köpfe rollen. Die Abgeordnete Margaret Hodge hat einen Antrag auf eine Vertrauensabstimmung für den Parteivorsitzenden Jeremy Corbyn gestellt. Gegenüber dem Fernsehsender ITV News erklärte sie, Corbyn habe nur halbherzig gegen die Brexit-Kampagne gekämpft. Die Sprecherin von Labour, Sophy Ridge, verurteilte Hodges Vorgehen als einen egoistischen Akt.

14:24

Österreichs Regierung hat die Entscheidung der britischen Bevölkerung mit Bedauern zur Kenntnis genommen, schreibt die NZZ-Korrespondentin in Wien, Meret Baumann. Bundeskanzler Christian Kern nannte es in einer Erklärung keinen guten Tag für Grossbritannien, Europa und auch nicht für Österreich. Aus dem Votum gelte es, klare Konsequenzen zu ziehen. Die Sorgen der Menschen müssten zerstreut werden, ohne einfachen Reflexen nachzugeben. Die Pro-Europäer hätten sich bisher viel zu defensiv verhalten. Der Regierungschef schloss ein Referendum über einen EU-Austritt in Österreich dezidiert aus.

Demgegenüber zollte der Chef der FPÖ, Heinz-Christian Strache, den Briten Respekt für ihre Entscheidung. Er äusserte in einem Communiqué Verständnis für die britische Bevölkerung, die sich gegen Zentralismus und den „anhaltenden Migrationswahn“ ausgesprochen habe. Die Partei fordert EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Parlamentspräsident Martin Schulz zum Rückzug auf. Sie seien die „Fleisch gewordene Fehlentwicklung Europas“. Strache verlangt weiter eine Redimensionierung der europäischen Institutionen und wieder mehr Kompetenzen für die nationalen Parlamente.

Allerdings spricht sich die FPÖ im Unterschied etwa zu den europäischen Fraktionspartnern Front National oder der niederländischen Freiheitspartei derzeit nicht für ein Referendum über einen „Öxit“ aus. Ein solches sei aber angezeigt, wenn Länder wie die Türkei der EU beitreten würden, so Strache. Diese Differenz zu Marine Le Pen, die erst vor einer Woche zusammen mit Strache in Wien auftrat, ist bemerkenswert, zumal es sich bei der FPÖ um eine der europaweit stärksten rechtspopulistischen Parteien handelt, deren Kandidat vor einem Monat die Wahl zum Staatspräsidenten nur sehr knapp verlor.

13:36

Die Vertreter der führenden Industriestaaten G7 planen in Kürze eine Telefonkonferenz einzuberufen. Dies hat ein Insider im japanischen Finanzministerium bekanntgegeben.

13:18

Die Entscheidung der britischen Stimmbürger „stellt die Europäische Union vor eine schwere Probe“, sagt der französische Präsident François Hollande, wie „Le Monde“ berichtet.

13:07

NZZ-Korrespondent Markus Ackeret berichtet aus Berlin: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in einer kurzen Stellungnahmen vor den Medien am Mittag von einem Einschnitt für Europa gesprochen. Sie rief zu Ruhe und Besonnenheit auf und warnte davor, aus der Entscheidung der Briten voreilige Schlüsse für die gesamte EU zu ziehen. Die EU sei stark genug, die richtige Antwort auf die neue Herausforderung zu geben.

Drei Punkte hob sie besonders hervor: Europa sei vielfältig, entsprechend seien auch die Erwartungen an die EU unterschiedlich. In allen EU-Mitgliedstaaten gebe es immer mehr Zweifel der Bürger an der Richtung, die der Staatenbund eingeschlagen habe. Deshalb sei es wichtig, die Bevölkerung konkret spüren zu lassen, wie sehr die EU zur Verbesserung ihres Lebens beitrage. Merkel verwies aber auch darauf, dass es in der globalisierten Welt nicht möglich sei, die Probleme allein zu bewältigen.

Um die europäischen Werte zu verteidigen – Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit – und die europäischen Interessen in der Sozial- und Wirtschafts-, Aussen- und Sicherheitspolitik zu vertreten, müssten die europäischen Staaten zusammenstehen. Und schliesslich müssten die Schlüsse aus dem Austritt Grossbritanniens aus der Union mit historischem Bewusstsein für das Friedensprojekt gezogen werden. Daran habe Deutschland besonderes Interesse, und es trage eine besondere Verantwortung dafür.

Merkel sprach sich dafür aus, die künftigen Beziehungen mit dem Vereinigten Königreich partnerschaftlich zu gestalten.
Für Montag hat sie den EU-Ratsvorsitzenden Donald Tusk, den französischen Präsidenten François Hollande und den italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi nach Berlin eingeladen. Am Dienstag wird sie an einer Sondersitzung des Deutschen Bundestagsin einer Regierungserklärung Stellung die deutsche Position ausführlich darstellen.

13:02

Einschätzung unseres Korrespondenten Niklaus Nuspliger aus Brüssel: Nach dem Brexit-Referendums zeichnet sich ein erster Konflikt zwischen London und Brüssel ab. Der abtretende britische Ministerpräsident David Cameron und sein möglicher Nachfolger und Anführer des Leave-Lagers, Boris Johnson, betonten, es bestehe keine Eile zur Anrufung des Artikels 50 des Vertrags von Lissabon, der den Austritt eines Landes aus der EU regelt. Brüssel hingegen fordert London explizit dazu auf, Artikel 50 anzurufen und nicht mit Verzögerungen die Unsicherheit unnötig zu verlängern. „Wir erwarten, dass die Regierung die Entscheidung des britischen Volkes so schnell wie möglich umsetzt, auch wenn der Prozess schmerzhaft sein mag“, steht in einer gemeinsamen Erklärung, welche die Präsidenten der EU-Institutionen an einer Krisensitzung verabschiedeten.

Getragen wird die Erklärung von Kommission-Präsident Juncker, EU-Rats-Präsident Tusk und Parlamentspräsident Schulz und dem niederländischen Ministerpräsident Rutte, dessen Land die rotierende EU-Präsidentschaft innehat. An einer kurzen Pressekonferenz zeigte sich Juncker am Mittag persönlich traurig über den Entscheid der Briten, den es aber zu respektieren gelte. Die gemeinsame Erklärung hält auch fest, dass es keine neuen Verhandlungen über einen Deal Grossbritanniens innerhalb der EU geben werde. Auf eine Journalistenfrage, ob der Entscheid der Britten der Anfang vom Ende der EU sei, antwortete Juncker mit einem einzigen Wort: „Nein.“

12:47

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon von der Nationalisten-Partei SNP bringt das Szenario einer Abspaltung Schottlands ins Spiel. Die Option einer zweiten Volksabstimmung über die Unabhängigkeit sei auf dem Tisch und ein solches Referendum sehr wahrscheinlich. Im September 2014 hatten 45 Prozent der Schotten für die Unabhängigkeit gestimmt. Im Brexit-Referendum vom Donnerstag sprachen sich 62 Prozent der Schotten für ein Verbleiben in der EU aus.

12:44

Der designierte Kandidat der amerikanischen Republikaner bei den Präsidentenwahlen, Donald Trump, zeigt sich erfreut über das Brexit-Votum. Die Briten hätten „wieder die Kontrolle über ihr Land“ zurückgewonnen, sagt Trump in Schottland, wo er ein Golf-Hotel eröffnet.

12:36

Welche Regionen haben wie viele Stimmen zum Brexit beigetragen?

12:32

Der französische Präsident Hollande bedauert das Brexit-Votum. Das Nein der Briten zur EU sei eine große Herausforderung für Europa, das nun nicht zur Tagesordnung übergehen könne. Er fordert fordert Grossbritannien nun auf, das Verfahren zum Austritt aus der Europäischen Union baldmöglichst zu starten.

12:19

Boris Johnson spricht zum Leave-Lager. Er verteidigt das Brexit-Referendum gegen Stimmen, die nun argumentieren, die Abstimmung hätte nie stattfinden sollen. Es gehe nicht um Isolationismus. Grossbritannien werde weder auseinanderfallen, noch weniger europäisch sein als heute. Aber das Königreich könne nun unabhängig handeln, seine Grenzen allein kontrollieren.

11:59

Der deutsche Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel verzichtet nach dem britischen Brexit-Votum für einen EU-Austritt auf seinen für diesen Montag geplanten Besuch bei Russlands Präsident Wladimir Putin. „Ja, so ist es. Das weiss die russische Botschaft schon“, bestätigte Gabriel in Berlin. Er wolle stattdessen am Montag bei Gesprächen der europäischen Sozialdemokraten in Paris dabei sein, zu denen Frankreichs Präsident François Hollande eingeladen habe.

11:34

Wann und unter welchen Umständen Grossbritannien die EU verlässt, ist noch völlig offen. Rein rechtlich ist das Referendum nicht bindend. „Auch wenn das Parlament formell frei in seiner Entscheidung ist, wird davon ausgegangen, dass es aus politischen Gründen das Votum des Stimmvolkes umsetzen muss. In dieser Frage sind jedoch prozedurale Winkelzüge und Verzögerungsmanöver nicht auszuschliessen“, schreibt NZZ-Redaktor Andreas Rüesch. Den vollständigen Artikel lesen Sie hier.

11:07

Der „Independent“ berichtet, die Websites von britischen Finanzportalen seien überlastet, weil die Leute herausfinden wollten, „wie arm sie durch den Brexit geworden“ seien.

10:59

Vor dem Haus des früheren Londoner Bürgermeisters Boris Johnson,der sich vehement für den Brexit eingesetzt hat, hat sich eine Menge unzufriedener Leute versammelt. Als er sein Haus verlässt, wird er laut BBC ausgebuht und mit Schmähungen eingedeckt.

10:48

Durch den Kursverfall des Pfund ist nach Angaben der Denkfabrik London Economics Grossbritannien nicht mehr die fünftgrösste Volkswirtschaft der Welt. „Das Pfund ist so stark gefallen, dass uns Frankreich überholt hat“, erklärte das Institut laut Reuters. Für den internationalen Vergleich wird das Bruttoinlandprodukt in der Regel in Dollar gewichtet, gegen den das Pfund nach dem Brexit-Votum so stark abgewertet hat wie seit mindestens 40 Jahren nicht mehr.

10:25

Markus M. Haefliger, NZZ-Korrespondent in London, schreibt über die Rücktrittsankündigung des britischen Premierministers: „David Cameron hat kurz nach acht Uhr vor seinem Amtssitz an der Downing Street seinen Rücktritt innert drei Monaten angekündigt. Der Regierungschef zieht damit die Konsequenzen aus dem EU-Referendum, bei dem die Briten mit knapp 52 Prozent für den Austritt aus der Europäischen Union entschieden haben. Er hatte vor drei Jahren, als er die Abstimmung versprach, die Konservative Partei und das Land einen wollen. In diesem gewagten Unternehmen ist er gescheitert; der Rücktritt – trotz zuvor abgegebener Versicherungen – ist folgerichtig.“ Den vollständigen Bericht lesen Sie hier.

10:12

Der Schweizerische Nationalbank bestätigt Interventionen am Devisenmarkt, um eine weitere Aufwertung des Frankens zu verhindern. Ein Euro kostete gegen 9 Uhr 1.07 Fr. Um 7 Uhr am Morgen war der Euro mit 1.06 Fr. noch günstiger gewesen. Anleger waren bereits in der Nacht auf Freitag in den Franken geflüchtet.

09:43

Der deutsche Aussenminister Steinmeier lädt die Aussenminister der EU-Gründerstaaten für Samstag zu Beratungen nach Berlin ein. Zuvor hatte er getwittert: „Die Nachrichten aus Großbritannien sind wahrlich ernüchternd. Es sieht nach einem traurigen Tag für #Europa+#Großbritannien aus.“

https://twitter.com/AuswaertigesAmt/status/746240249127329792?ref_src=twsrc%5Etfw

09:24

In den nächsten Wochen will Cameron zunächst noch im Amt bleiben, um das Land auf stabilem Kurs zu halten. Der Wechsel zu einem neuen Premierminister soll bis zum Parteitag der Konservativen im Oktober erfolgen. Sein Nachfolger soll die bevorstehenden Verhandlungen mit der EU über die Modalitäten des Austritts Grossbritanniens führen.

09:23

Cameron sagt, dass das Land eine neue Führung brauche. „Ich glaube nicht, dass ich der richtige Kapitän bin, der unser Land an sein neues Ziel steuert.“ Mit dieser Rücktrittsankündigung zieht Cameron die Konsequenzen aus der Niederlage des Remain-Lagers in der Referendumsabstimmung. Der Wille des Volkes müsse respektiert werden, erklärte Cameron zum Ausgang des Referendums.

09:20

Premierminister David Cameron tritt vor seinem Amtssitz vor die versammelten Medien.

09:11

Die Schotten haben mit klarer Mehrheit für den Verbleib in der EU gestimmt. Nach dem Ja zum Brexit werden dort bereits erste Stimmen laut, die die Unabhängigkeit von Grossbritannien fordern. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon sagt nach Auszählung der Stimmzettel, das Ergebnis „zeige, dass das schottische Volk seine Zukunft als Teil der Europäischen Union sieht“. 2014 ist das Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands gescheitert. Vor dem Referendum über den EU-Austritt Grossbritanniens hatte Sturgeon angekündigt, dass es zu einem weiteren Referendum kommen könnte, sollte Schottland gegen seinen Willen zu einem Austritt aus der EU gezwungen werden.

„Leave“ und „Remain“ – die Karte

09:03

Der EU-Ratspräsident Donald Tusk erklärt in einer Stellungnahme, es gebe keinen Anlass zu hysterischen Reaktionen.

Tusks Stellungnahme im Wortlaut

„There’s no hiding the fact that we wanted a different outcome of yesterday’s referendum. I am fully aware of how serious, or even dramatic, this moment is politically. And there’s no way of predicting all the political consequences of this event, especially for the UK. But for sure this is not a moment for hysterical reactions. I want to reassure everyone that we are prepared also for this negative scenario. As you know the EU is not only a fair-weather project. „Over the past two days I have spoken to all the EU leaders, I mean prime ministers and presidents as well as heads of the EU institutions, about the possibility of a Brexit. Today, on behalf of the twenty seven leaders I can say that we are determined to keep our unity as 27. For all of us, the union is the framework for our common future. I would also like to reassure you that there will be no legal vacuum. Until the United Kingdom formally leaves the European Union, EU law will continue to apply to and within the UK. By this , I mean rights and obligations. „All the procedures for the withdrawal of the UK from the EU are clear and set out in the Treaties. In order to discuss the details of further proceedings, I have offered the leaders an informal meeting of the twenty seven in the margins of the European Council summit. And I will also propose to the leaders that we start a wider reflection on the future of our Union. „Finally, it’s true that the past years have been the most difficult ones in the history of our Union. But I always remember what my father used to tell me: What doesn’t kill you, makes you stronger.“

08:55

In den nächsten Minuten wird sich der britische Premierminister David Cameron in London vor der Haustür seines Amtssitzes an der Downing Street Nr. 10 zum Entscheid der britischen Wähler äussern. Den Live-Stream der BBC sehen Sie hier.

08:36

Der EU-Entscheid werde die britische Wirtschaft belasten, schreibt Gerald Hosp, NZZ-Wirtschaftskorrespondent in London: „Politische und ökonomische Unsicherheit wird für die nächste Zeit ein ständiger Begleiter sein. Dadurch dürften Investitionsentscheidungen der Unternehmen und das Konsumverhalten betroffen sein.“ Den vollständigen Artikel lesen Sie hier: Unsicherheit für die britische Wirtschaft.

08:28

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sagt laut DPA: „Wir respektieren den Ausgang des britischen Referendums. Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht“ Und er lanciert einen Durchhalteappell: „Europa wird jetzt zusammenstehen. Gemeinsam müssen wir das Beste aus der Entscheidung unserer britischen Freunde machen.“ Der britische Nationalist Nigel Farage sagt derweil laut Reuters, die Europäische Union sei am Absterben. Es würden wohl noch in weiteren Ländern Abstimmungen über den Austritt aus der EU stattfinden. Die irische Nationalistenpartei Sinn Fein fordert eine Abstimmung in Nordirland über den Austritt aus Grossbritannien.

08:20

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten hat eine EDA-Helpline eingerichtet, die bei Fragen zu den Auswirkungen des Brexit-Entscheides auf betroffene Schweizerinnen und Schweizer zur Verfügung steht. Auskünfte zu Fragen aus der Schweiz werden rund um die Uhr und auch am Wochenende unter der Nummer +41 800 24-7-365 erteilt. Die derzeit geltenden Regeln für die Schweizer Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen würden trotz des Entscheids für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union vorerst ihre Gültigkeit behalten, heisst es in einer Mitteilung des schweizerischen Aussenministeriums. Eine Zusammenstellung von häufig gestellten Fragen ist auf der EDA-Homepage sowie auf der Homepage der schweizerischen Botschaft in London und der Mission der Schweiz bei der EU in Brüssel zu finden.

08:10

Das Endergebnis ist da. Demnach haben 17,4 Millionen Menschen für „Leave“ gestimmt, 16,1 Millionen hingegen für Remain.

07:55

Die Rating-Agentur Standard and Poor’s kündigt eine Abstufung Grossbritanniens an. Die Note „AAA“ sei nach dem Volksentscheid für den Austritt aus der EU nicht länger haltbar.

07:35

Japans Finanzminister Taro Aso kündigt laut Reuters Interventionen auf den Märkten an, um die äusserst nervösen Wechselkursschwankungen zu glätten und den Kursanstieg des Yen zu drosseln.

07:26

Nigel Farage, der Chef der United Kingdom Independence Party, hat seinen Jubeltag. Jetzt erhielten die Briten ihre Grenzen, ihre Demokratie und ihr Land zurück, sagt er.

07:12

In EU-Staaten melden sich per Twitter erste Politiker mit Kürzestkommentaren zu Wort. Der deutsche Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) schreibt: „Damn! Ein schlechter Tag für Europa“. Die Nationalisten aller Länder hingegen freuen sich. In Frankreich jubelt Florian Philippot, Vizechef des Front national: „Die Freiheit der Völker siegt zuletzt immer! Jetzt sind wir dran!“ Die Zeit für ein EU-Referendum in Frankreich sei jetzt gekommen. In den Niederlanden ruft der Nationalist Geert Wilders „Hurra“ und fordert ebenfalls eine Abstimmung.

07:05

NZZ-Redaktor Beat Bumbacher kommentiert: „Für die EU auf der anderen Seite könnte der Entscheid nach Euro- und der Flüchtlingskrise kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Mit dem Brexit tut sich für die Union die Aussicht auf eine eigentliche Kumulation der Belastungsproben auf. Und auch die Schweiz wird die Folgen zu spüren bekommen, weil den laufenden Verhandlungen mit der EU nun eine Blockade droht. Denn in Brüssel hat man jetzt ganz andere Sorgen.“ Den ganzen Kommentar lesen Sie hier: Sprung ins Ungewisse.

06:48

Das britische Pfund befindet sich in freiem Fall, der japanische Yen setzt zum Höhenflug an. Britische und amerikanische Futures fallen, asiatische Aktien folgen. Erdöl und Rohstoffe stürzen ab, der Goldpreis springt um 8 Prozent in die Höhe. So fasst Reuters das Marktgeschehen am frühen Morgen zusammen.

06:45

Grossbritannien stehen unruhige Zeiten bevor – so schreibt Markus Haefliger, NZZ-Korrespondent in London: „Mit dem EU-Austritt ändert sich nächste Woche technisch vorerst nichts – Grossbritannien bleibt mindestens zwei Jahre Mitglied der Staatengruppe, während die Verhandlungen über den Austritt geführt werden. Aber die wirtschaftlichen und innenpolitischen Auswirkungen dürften bereits gross sein. Die Auslandinvestitionen waren bereits in den vergangenen Monaten angesichts der Unsicherheit im Hinblick auf die Abstimmung zurückgegangen, diese Tendenz dürfte sich noch verstärken. Das britische Pfund fiel in der Nacht um 10 Prozent gegenüber dem Dollar. Auch die innerbritischen Spannungen dürften zunehmen.Während England mit vorläufig 53 Prozent Stimmenanteil entschied, stimmte Schottland mit über 60 Prozent für die EU-Mitgliedschaft.“ Haefligers ganzen Bericht von Freitag früh lesen Sie hier: Briten stimmen für EU-Austritt.

06:39

Unser Japan-Korrespondent Martin Koelling berichtet über den Absturz der Börse in Tokio: „Der Grund des Absturzes war weniger der Austritt der Briten an sich, sagen Analysten. Vielmehr sorgen sich die Japaner, dass die neue Unsicherheit den Yen massiv in die Höhe und damit die Gewinne und Aktienkurse der Exportkonzerne rasant nach unten treiben wird. Denn in unsicheren Zeiten gilt Japan als sicherer Hafen und damit Fluchtburg für das globale Finanzkapital.“ Den vollständigen Bericht lesen Sie hier: Japan im Brexit-Schock.

Japanischer Aktienindex Nikkei 225 fällt stark
Japanischer Aktienindex Nikkei 225 fällt stark

Credits: Factset

06:30

Die Finanzmärkte in Asien reagieren mit deutlichen Kursverlusten auf die Prognose britischer Rundfunkanstalten, wonach die Briten beim Brexit-Referendum für den EU-Austritt gestimmt haben. Die Aktienkurse in Tokio stürzten um fast sieben Prozent ab. In Tokio wurde der Handel auf Futures eingestellt. Der südkoreanische Aktienindex Kospi fiel um vier Prozent. Auch der Erdölpreis und der US-Handel waren von der Vorhersage betroffen.

06:16

Beim EU-Referendum in Grossbritannien ist der Vorsprung der Brexit-Befürworter auf mehr als eine Million Stimmen angewachsen. Am Freitagmorgen waren noch weniger als 40 der 382 Wahlbezirke auszuzählen.

05:47

Der BBC rechnet nach Auszählung von 309 der 382 Wahlkreise mit einem Gewinn der EU-Gegner und einem Austritt Grossbritanniens aus der EU.

05:45

Beim EU-Referendum in Grossbritannien liegt das Brexit-Lager nach Auszählung von zwei Dritteln der Wahlbezirke weiterhin vorn. In über 260 der 382 Wahlbezirke erreichten die Austritts-Befürworter 10,8 Millionen Stimmen, das Pro-EU-Lager mehr als 600 000 Stimmen weniger. Das entspricht einem Prozentsatz von 51,3 zu 48,7. Nach Angaben von Experten genügen 16,8 Millionen Stimmen zum Sieg. Allerdings waren noch mehr als 115 Bezirke auszuzählen. Der Fernsehsender ITV spricht von einer 80-Prozent-Wahrscheinlichkeit für den Brexit. Das Referendum sei aber weiter auf des Messers Schneide.

05:30

Das britische Pfund fällt angesichts des drohenden Ausstiegs Grossbritanniens aus der EU auf den tiefsten Stand seit drei Jahrzehnten. Die britische Währung bricht um mehr als neun Prozent auf 1,3466 Dollar ein.

Die nächtliche Auszählung sorgte an den Finanzmärkten derweil für ein wildes Auf und Ab. Börsen in Ostasien und Australien sind am Freitag nach anfänglichen Gewinnen wegen des Zitterspiels ins Minus gedreht.

Der Schweizer Franken lag derweil gegenüber dem Euro und Pfund deutlich im Plus, nachdem er zunächst etwas schwächer geworden war. Gegen 4.30 Uhr war der Franken gegenüber dem Euro so stark wie seit sieben Monaten nicht mehr. Ein Euro kostete 1.078 Franken.

Das britische Pfund fällt stark gegen den US-Dollar
Das britische Pfund fällt stark gegen den US-Dollar

Credits: Factset

05:20

Brexit-Befürworter führen nach der Halbzeit in der Zitterpartie um einen EU-Austritt Großbritanniens: Nach der Auswertung der Hälfte der 382 Wahlbezirke liegt das Lager der Brexit-Befürworter mit gut 52 zu 48 Prozent der Stimmen in Führung. Die „Leave“-Kampagne sammelte bisher mehr als 7,7 Millionen Stimmen ein, das „Remain“-Lager nur 7,2 Millionen.

04:55

Nach der Auswertung von mehr als einem Drittel aller Wahllokale liegt das Lager der EU-Gegner mit fast 200 000 Stimmen in Führung. Die Brexit-Befürworter verfügen zu diesem Zeitpunkt über 50,9 Prozent der ausgezählten Stimmen vor dem „Remain“-Lager mit 49,1 Prozent.

04:10

Nach der Auszählung von 80 der 382 Wahlbezirke liegen die Befürworter eines Verbleibs Grossbritanniens in der EU hauchdünn vorn. In den meisten Wahlbezirken haben die Befürworter eines Ausstiegs jedoch besser abgeschnitten, als von den Meinungsforschern erwartet. Wahlforscher äusserten sich pessimistisch für den EU-Verbleib.

Der anfänglich von zwei Nachwahlumfragen gestützte Optmismus des „Remain“-Lagers um Premierminister David Cameron wurde im Laufe der frühen Morgenstunden gedämpft. Erst mit der Auszählung der ersten grossen Londoner Wahlbezirke Wandsworth und Lambeth, die jeweils mit mehr als 70 Prozent für den EU-Verbleib stimmten, sowie guten Zahlen aus Schottlands grösster Stadt Glasgow, schöpfte das „Remain“-Lager wieder mehr Zuversicht.

Die Buchmacher gaben in der Nacht ihre optimistische Haltung auf und sahen eine über 60-prozentige Chance für einen Brexit. Der Wahlforscher Michael Thrasher prognostizierte auf Sky News ein Endergebnis von 56 Prozent für das „Leave“-Lager„.

03:20

Politiker und Wahlbeobachter stellen sich nach dem EU-Referendum in Großbritannien auf eine lange Auszählungs-Nacht ein. Ein Meinungsforscher sprach von einer Hängepartie „auf Messers Schneide“. Nach Auszählung von 15 der 382 Wahlkreise lagen die beiden Lager praktisch gleichauf. „Ich denke, das wird eine lange Nacht werden“, sagte der frühere Labour-Parteichef Ed Miliband am frühen Freitagmorgen dem Sender Sky News. Sein hochrangiger Parteikollege John McDonnell sagte ein Endergebnis voraus, bei den eine Seite ein oder zwei Prozentpunkte vor der anderen liege.

Die Stimmenauszählung zum Brexit-Referendum im Großraum Leeds und im Nachbarbezirk Kirklees im Norden Englands wurde für eine Schweigeminute zu Ehren der ermordeten Abgeordneten Jo Cox unterbrochen. Die Mitarbeiter in den Wahllokalen erhoben sich und senkten ihre Häupter, wie TV-Bilder zeigten. Dann setzten sie die Auszählung fort.
Cox gehörte der oppositionellen Labour-Partei ein und hatte sich vehement für einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union ausgesprochen. Am Donnerstag vor einer Woche war sie von einem Angreifer in ihrem Wahlbezirk in Birstall ermordet worden.

02:17

Die EU-Befürworter haben beim Brexit-Referendum in der nordenglischen Großstadt Newcastle einen knappen Erfolg verbucht. Offiziellen Zahlen zufolge sprachen sich am Donnerstag 50,7 der Wähler für einen Verbleib in der Europäischen Union aus, 49,3 Prozent waren für einen Brexit. Die Zahlen aus Newcastle waren Beobachtern zufolge aber ein erstes Zeichen, dass das Lager der Brexit-Gegner nicht so gut abschneidet, wie Umfragen zunächst angedeutet hatten.

Die Märkte reagierten nervös, Das britische Pfund, das zunächst deutlich auf mehr als 1,50 US-Dollar zugelegt hatte, fiel später innerhalb von fünf Minuten um vier Cent. Vorübergehend lag es nur noch bei 1,453 Dollar. Das Wettbüro Betfair sah die Chancen für einen Sieg des EU-Befürworter von 90 auf nur noch 72 Prozent sinken.

01:49

Die Befürworter eines EU-Ausstiegs haben beim EU-Referendum einen ersten deutlichen Teilerfolg verbucht – und sind prompt in Führung gegangen. In der nordostenglischen Stadt Sunderland stimmten 61 Prozent für einen Brexit und nur 39 Prozent für einen Verbleib, wie am frühen Freitagmorgen bekannt wurde. In der benachbarten Stadt Newcastle behielten dagegen die EU-Befürworter die Oberhand, allerdings nicht so klar wie angenommen. Rund 51 Prozent der Wähler votierten hier für den EU-Verbleib, während 49 Prozent für einen Austritt stimmten. Obwohl die EU-Befürworter in vier der fünf ausgezählten Bezirke die Nase vorn hatten, führten die Brexit-Anhänger mit insgesamt 161 744 Stimmen. Die Brexit-Gegner kamen nur auf 158 537.

01:20

84 Brexit-Befürworter der konservativen Partei haben Premierminister David Cameron zum Verbleib im Amt aufgefordert – egal, wie das Resultat ausfällt. Die Abgeordneten unterzeichneten einen Brief an den Regierungschef. Er solle in jedem Fall weiterhin Premier bleiben, wie auch immer das Referendum ausfalle, heisst es im Brief, den der konservative Abgeordnete Robert Syms am Donnerstagabend auf Twitter veröffentlichte. Unter den Abgeordneten, die den Brief unterzeichnet haben, ist auch Boris Johnson, Camerons ärgster Gegenspieler im Wahlkampf. Johnson äusserte sich ebenfalls auf Twitter: „Die Wahllokale haben jetzt geschlossen, der Demokratie ist genüge getan, wir erwarten das Urteil des Volkes. Dank an alle, die beteiligt waren, und alle, die gewählt haben.“

00:58

Mit einer überwältigenden Mehrheit von 95.9% haben sich die britischen Einwohner Gibraltars für einen Verbleib in der EU entschieden. Dies meldet der BBC. Nur 4,1 % der etwas über 20’000 Wähler des britischen Überseegebiets wollten die EU verlassen.

00:22

Das britische Pfund Sterling ist nach Schliessung der Wahllokale im historischen EU-Referendum deutlich gestiegen. Nachdem eine Wähler-Nachbefragung auf einen knappen Sieg der Brexit-Gegner hindeutete, erreichte der Kurs am Donnerstagabend vorübergehend die Marke von 1,50 Dollar. Damit war das Pfund so viel wert wie seit Dezember 2015 nicht mehr. Die britische Währung hatte bereits in den vergangenen Tagen zugelegt. Auch der Eurokurs stieg nach Schliessung der Wahllokale.

Der Schweizer Franken, der angesichts der Befürchtungen um einen Brexit in den letzten Wochen zugelegt hatte, verlor gleichzeitig an Wert: Nach der Umfrage-Veröffentlichung sprang der Kurs zum Euro von rund 1.086 auf zeitweise über 1.10 Franken, zum Dollar von rund 0.958 auf 0.965 Franken. Ein Pfund kostete 1.445 Franken, nach rund 1.425 Franken vor der Umfrage.

23:54 Uhr

Auch das Forschungsinstitut Ipsos-Mori zieht eine Umfrage nach, deren Ergebnisse sie bis zum Schluss der Wahllokale nicht publik machten durfte: Nach der Erhebung vom Mittwoch und Donnerstag waren 54 Prozent der Befragten für einen Verbleib in der EU und 46 Prozent für einen Austritt, schreibt Ipsos-Mori-Chef Ben Page auf Twitter. Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine repräsentative Nachwahlbefragung oder eine Prognose.

23:42 Uhr

Cameron sagt Danke. Nach dem historischen Referendum hat sich der britische Premierminister David Cameron bei allen Pro-EU-Wählern bedankt. „Dank an Alle, die dafür gestimmt haben, dass Grossbritannien stärker, sicherer und besser in Europa bleibt“, schrieb er nach Schliessung der Wahllokale auf Twitter.

23:20 Uhr

Der Chef der rechtspopulisischen Partei Ukip, Nigel Farage, geht nach dem Referendum um einen Ausstieg Grossbritanniens aus der Europäischen Union von einem EU-Verbleib des Landes aus. Farage sagte dem Sender Sky News, es sehe so aus, als habe das „Remain“-Lager bei dem Votum eine knappe Mehrheit erhalten. Der Ukip-Chef selbst hatte sich für einen Brexit ausgesprochen.

23:10 Uhr

EU-Befürworter im Vorteil. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov hat am Tag der Abstimmung noch einmal eine Umfrage durchgeführt. Demnach wollten 52 Prozent der Stimmenden für „remain“ stimmen, 48 Prozent für Leave. Prognosen oder Nachwahlbefragungen wird es keine geben.

23:00 Uhr

Die Wahllokale haben geschlossen, nun beginnt die Auszählung der Stimmen. Rund 46,5 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, bis jetzt ihr Votum abzugeben. Erste Ergebnisse werden in der Nacht erwartet, das Endergebnis ab Freitagmorgen 8 Uhr (MESZ).

22:50 Uhr

Hohe Beteiligung in Gibraltar. Im britischen Übersee-Territorium Gibraltar an der Südspitze Spaniens haben die Urnen wegen der Zeitverschiebung bereits geschlossen. Laut ersten Daten haben sich dort 83.65 Prozent der Stimmberechtigten am Votum beteiligt. Wie sie abgestummen haben, wurde noch nicht bekannt.

21:55 Uhr

Wetter behindert den Verkehr in Teilen Englands. Nach heftigen Regenfällen ist es am Tag des EU-Referendums in London und dem Südosten Grossbritanniens zu Strassensperrungen und Zugausfällen gekommen. Auf fast allen U-Bahn-Linien und mehreren Regionalzugverbindungen in der britischen Hauptstadt kam es am Donnerstag zu Verspätungen und Ausfällen. U-Bahn-Haltestellen, Strassen und Keller wurden teilweise überflutet.

Medienberichten zufolge mussten Tausende Pendler lange Wartezeiten an zentralen Bahnhöfen in London in Kauf nehmen. Viele seien besorgt gewesen, sie könnten ihre Wohnorte nicht mehr rechtzeitig vor der Schliessung der Wahllokale um 23 Uhr (MESZ) erreichen, berichtete der „Evening Standard“.