Der Geldabfluss bei griechischen Banken hält an

von Panagis Galiatsatos / 04.04.2015

Die anhaltende Einlagenflucht hat die griechischen Banken in eine schwierige Lage versetzt. Ihre Expansionspläne wurden annulliert, ihre Liquiditätsreserven sind niedrig. Eine Bestandsaufnahme von Panagis Galiatsatos aus Athen.

Der Aderlass bei den Einlagen der griechischen Banken setzt sich täglich fort. Er ist allerdings nicht mehr ganz so heftig wie in den Monaten zuvor. Mittlerweile scheinen sich die Sparer daran gewöhnt zu haben, in Unsicherheit zu leben. Wer noch etwas auf dem Konto hat, bleibt in Bereitschaft und informiert sich im Stundentakt. Politsendungen im Radio und die auf Nachrichten und Wirtschaft spezialisierten Websites haben derzeit Hochkonjunktur.

Der Topf ist ausgekratzt

Gemäß Informationen aus Bankkreisen werden im Durchschnitt täglich 100 Millionen bis 200 Millionen Euro abgehoben. Das ist viel weniger als im Februar, als noch etwa 8 Milliarden Euro aus dem Bankensystem abflossen, und auch weniger als noch im März, als in der heißen Phase der Verhandlungen Griechenlands mit der EU die tägliche Einlagenflucht doppelt so hoch war. Zwar hatten sich die Sparer nach der Einigung am Gipfel in Brüssel am 20. März etwas beruhigt, und die Banker glaubten, aufatmen zu können. Doch dann trat der Staat aufs Parkett: Die Einlagen der Sozialversicherungskassen sowie die Liquidität anderer staatlicher Unternehmen und Institutionen mussten auf ein Sonderkonto bei der Zentralbank überwiesen werden, damit von dort und über Repo-Geschäfte die dringlichen Verbindlichkeiten (das Zahlen von Renten und Gehältern und die Überweisungen an den IMF) gedeckt werden konnten. Dabei bediente sich die Regierung aller verfügbaren Reserven. Man habe den Topf bis zum Boden ausgekratzt, gab danach ein Regierungsmitglied zu. Nach Informationen aus involvierten Kreisen kann sich Griechenland so bis Anfang Mai refinanzieren, dann sei es aber aus.

Knappe Notkredite

Zum zweiten Mal seit 2012 finden sich die griechischen Banken somit in eine Lage zurückversetzt, die sie eigentlich überstanden zu haben glaubten. Sie hängen wieder am Tropf der Emergency Liquidity Assistance (ELA), um zu neuer Liquidität zu kommen und ihre Einlagenabflüsse auszugleichen. Auf dem Höhepunkt der Krise hatten die Banken ELA-Notkredite in Höhe von 120 Milliarden Euro aufgenommen. Anfang Februar und nachdem die EZB beschlossen hatte, keine griechischen Papiere mehr als Pfand zu akzeptieren, wurde eine ELA-Kreditlinie im Volumen von 60 Milliarden Euro eröffnet. Wegen des stetigen Einlagenabflusses muss der EZB-Rat diesen Kreditrahmen Woche für Woche erweitern – zuletzt geschehen am Mittwoch, als eine Erhöhung der zulässigen ELA-Finanzierung um 700 Millionen auf 71,8 Miliarden Euro genehmigt wurde. Dies ist allerdings viel weniger, als sich die Athener Regierung gewünscht hatte. Die EZB dreht den Notkredithahn gerade so viel auf, um die Banken am Leben zu halten.

Die Banker sind denn auch verzweifelt. Nach Abschluss der Rekapitalisierung im Vorjahr hatten die vier systemrelevanten Geldhäuser Pläne geschmiedet, um wieder ins Geschäft zu kommen. Neue Kredite in Höhe von 10 Milliarden Euro sollten dabei vergeben werden. Die anhaltenden Kundenabzüge, die das Volumen der Einlagen seit Dezember um 27 Milliarden euro verringert haben, machen diese Pläne aber zur Makulatur. Das Kreditvolumen ist seit Jahresbeginn um 2,5 Prozent geschrumpft.

Vor allem die anhaltende Krise und mögliche Spannungen in den Verhandlungen mit den Partnern machen den Bankmanagern Sorgen. Sie drängen deshalb die Regierung, die Verhandlungen endlich zum Abschluss zu führen. Vor zwei Tagen appellierte der Präsident der Eurobank Nikos Karamouzis öffentlich an die Regierung, rasch zu einer Einigung mit den Partnern zu kommen und die Unsicherheit zu beenden. Die griechische Regierung müsse Realismus zeigen und schnell zu einem Kompromiss mit den Partnern kommen, sagte er und betonte, dass die Banken nicht weitermachen könnten, wenn sie ständig mit der Möglichkeit eines „Grexit“ rechnen müssten.

Schreckhafte Sparer

Die Sorge des Eurobank-Präsidenten ist wohl begründet. Denn auch die Banker haben bemerkt, dass die Sparer sehr sensibel auf die derzeitigen Entwicklungen reagieren. Die Art und Weise, wie die Sitzung des Eurogroup Working Group vom 8./9. April zum Entscheidungstag für Griechenland hochstilisiert wird, ist ihnen sehr unangenehm. Sie haben Angst vor einem weiteren ergebnislosen Treffen, das die Sparer enttäuschen und zu massiven Abzügen auch noch der Resteinlagen führen könnte. Das Bankensystem verfügt über Liquiditätsreserven in Höhe von 10 Milliarden Euro und kann somit einen möglichen Ansturm einige Tage lang durchhalten. Laut Bankkreisen ist diese Summe im Falle einer Panik aber nicht ausreichend.

Dies ist den Finanzkreisen, aber auch der politischen Führung bekannt. Deshalb wird seit einigen Woche in Athen immer intensiver über Kapitalkontrollen diskutiert. Wie ein einflussreicher Finanzfachmann dieser Zeitung sagte, würde im Falle eines Runs auf die Banken wie im Januar oder Februar, als täglich Abflüsse von 1,5 Milliarden Euro zu verzeichnen waren, kein Weg mehr an Kapitalkontrollen vorbeiführen.