Deutsche zieht es nach Griechenland

von Christoph Eisenring / 24.03.2015

Der Tourismus ist ein Lichtblick in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Griechenland. Kontrovers sind immer wieder deutsche Exporte von Rüstungsgütern, berichtet Christoph Eisenring, NZZ-Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

Das bilaterale Verhältnis von Deutschland und Griechenland ist zwar angespannt, doch auf den Tourismus hat dies bisher nicht abgefärbt. Die Begeisterung der Deutschen für das Reiseziel Griechenland ist intakt. Gemäß dem deutschen Reiseverband sind die Buchungen für die Sommersaison für Griechenland um einen zweistelligen Prozentsatz gestiegen. So jedenfalls sah die Situation Ende Januar aus – sie ist also mit etwas Vorsicht zu genießen. Auch 2014 war laut provisorischen Zahlen ein gutes Jahr: Griechenland verzeichnete rund 2,5 Millionen Ankünfte von Deutschen. Dies entspricht einem Anstieg um 10 Prozent gegenüber 2013.

Ausbaufähiger Warenhandel

Beim Güterverkehr ist Griechenland für Deutschland ein kleiner Partner. 2014 wurden Waren im Wert von fünf Milliarden Euro in das südliche Land exportiert, während die Einfuhren bei 1,7 Milliarden Euro lagen. Griechenland steht damit als Abnehmer deutscher Waren auf Platz 38 und als Lieferant auf Rang 47. Zum Vergleich: In die Schweiz führten deutsche Firmen Güter für 46 Milliarden Euro aus und importierten Waren für 39 Milliarden Euro. Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den beiden Ländern sind also ausbaufähig, wobei die Initiative natürlich von privaten Firmen und nicht vom Staat ausgehen sollte.

Kontrovers sind immer wieder deutsche Exporte von Rüstungsgütern. Laut dem Rüstungsexportbericht der deutschen Regierung wurde 2013 Kriegsgerät für 933 Millionen Euro ausgeführt, was 0,1 Prozent aller deutschen Exporte ausmachte. Nach Griechenland gingen davon Waffen für 41 Millionen Euro. Diese machen aber nur einen Teil aller Rüstungsexporte aus; genauere Zahlen gibt es nicht.

Waffenexporte im Zwielicht

Athens Militärausgaben lagen laut der Weltbank von 2010 bis 2014 im Schnitt bei 2,5 Prozent der (schrumpfenden) Wirtschaftsleistung, in Deutschland bei 1,3 Prozent. Trotz somit relativ hohem Militäretat lässt sich Griechenlands gewaltige Verschuldung von rund 175 Prozent des Bruttoinlandprodukts damit nicht erklären.

Unangenehm ist für Deutschland, dass es bei Rüstungsaufträgen zu Schmiergeldzahlungen gekommen sein soll – wobei es dazu allerdings immer zwei Seiten braucht. Im Dezember hat der Rüstungskonzern Rheinmetall zugegeben, in Griechenland Bestechungsgelder bezahlt zu haben, um im letzten Jahrzehnt einen Auftrag für ein Luftabwehrsystem zu ergattern. Der Auftrag hatte sich auf 150 Millionen Euro belaufen. Rheinmetall akzeptierte eine Strafe der Staatsanwaltschaft Bremen und bezahlte insgesamt 43 Millionen Euro.

Ermittlungen gibt es auch wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und weitere Delikte bei einem Panzergeschäft an Griechenland, das vor über einem Jahrzehnt eingefädelt worden war. Das davon betroffene Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann hat entsprechende Anschuldigungen jedoch stets zurückgewiesen. Laut Bild-Zeitung vom Montag soll nun die Regierung in Athen für mehrere angebliche Korruptionsfälle mindestens 100 Millionen Euro von den beteiligten europäischen Firmen verlangt haben.

Solche Fälle gilt es auf gerichtlichem Weg aufzuarbeiten. Doch selbst wenn Griechenland Schadenersatz erhalten sollte, wäre dies angesichts von Schulden von über 320 Milliarden Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Man wird vielmehr den Verdacht nicht ganz los, dass vor den Gesprächen des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras mit Kanzlerin Angela Merkel einmal mehr vom Wesentlichen – von der Bereitschaft Griechenlands zu weitreichenden Reformen – abgelenkt werden sollte.

Banken nur wenig exponiert

Deutschland ist Griechenlands größter Gläubiger: Athen schuldet Berlin (ohne Anteile bei der EZB und beim Währungsfonds) 56,5 Milliarden Euro. Nur noch wenig exponiert sind dagegen deutsche Banken: Vor einem halben Jahr hatten sie Forderungen von 4,6 Milliarden Euro gegenüber griechischen Banken und 3,6 Milliarden Euro gegenüber Firmen und Privaten. Der Großteil der Risiken ist unterdessen aber von den Bankbilanzen zum Steuerzahler gewandert.