Anatoly Maltsev / EPA

Erdogan bei Putin

Die neue „Achse der Freundschaft“

von Benjamin Triebe / 10.08.2016

Erdogan und Putin versprechen einen Neustart und wollen die Krise zwischen Russland und der Türkei beilegen. Der Kreml kündigt das Ende der Sanktionen an, was besonders für eine Branche wichtig ist.

Russlands Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan möchten die politische und wirtschaftliche Eiszeit zwischen ihren Ländern beenden. „Wir haben den politischen Willen, unsere Beziehungen zurück auf das Niveau vor der Krise oder sogar darüber hinaus zu führen“, sagte Erdogan am Dienstag nach einem Treffen in St. Petersburg. „Die Achse der Freundschaft zwischen Moskau und Ankara wird wiederhergestellt“, so Erdogan. Der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe im November 2015 hatte das Verhältnis schwer belastet. Der Kreml verhängte danach Wirtschaftssanktionen gegen Ankara, an deren Ende laut Putins Worten jetzt schrittweise gearbeitet werden soll. Auch die Gespräche über die Erdgaspipeline „Turkish Stream“ durch das Schwarze Meer sollen wiederaufgenommen werden.

Russland hatte allerdings bereits Ende Juni den Abbau der Sanktionen in Aussicht gestellt, nachdem Erdogan sein Bedauern über den Abschuss ausgedrückt hatte. Bis auf Moskaus Erlaubnis des Verkaufs von Pauschalreisen für russische Reisebüros hat sich bis heute jedoch wenig getan. Die Wiederaufnahme von Charterflügen sei nur eine Frage der Zeit, versprach Putin jetzt in Petersburg.

Die Türkei hatte die Sanktionen deutlich gespürt: Die Russen stellten im Jahr 2015 mit 3,6 Millionen Gästen nach den Deutschen die zweitgrösste Gruppe ausländischer Touristen. Von Januar bis April 2016 kamen nur 97 000 russische Gäste. Der Kreml sagt, der Schaden für den türkischen Tourismus im ersten Halbjahr belaufe sich auf 840 Millionen Dollar.

Putin kündigte an, gemeinsame Arbeitsgruppen mit der Türkei würden nun die weitere Annäherung in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen koordinieren. Beide Präsidenten vermieden vor der Presse klare Aussagen zu Syrien, wo sich die Interessen der Länder stark unterscheiden. Wichtiger war Erdogan der Dank an Putin für dessen Unterstützung nach dem gescheiterten Militärputsch Mitte Juli. Der russische Präsident hatte den Putsch in einem Telefonat mit Erdogan umgehend verurteilt, was dieser in St. Petersburg als Freude für sich und das ganze türkische Volk bezeichnete. Putins Anruf sei eine wichtige psychologische Hilfe gewesen, so Erdogan.