Alexis Tsipras bei der Angelobung zum Premierminister mit dem griechischen Präsidenten Karolos Papoulias

Die Vermessung von Europas größter Baustelle

von Lukas Sustala / 26.01.2015

Montagfrüh hat uns der Wunsch einer Userin erreicht.

Diesem Wunsch sind wir natürlich gerne nachgekommen. Hier die wichtigsten Kennzahlen in fünf Grafiken. Zusammengetragen von Lukas Sustala und Bernhard Schinwald.

Die neue Regierung von Alexis Tsipras hat eine Menge Herausforderungen vor sich. Sie will vor allem den gesunkenen Lebensstandard der Bevölkerung angehen. Tatsächlich sind die Einkommen in keinem Land der Eurozone seit 2008 so stark gefallen wie in Griechenland. Das BIP pro Kopf als grobes Maß für Wohlstand ist um über 20 Prozentpunkte gefallen.

Arbeitsplätze wären das Mittel der Wahl für die linke Regierung, um den Wohlstand zu erhöhen. Tatsächlich ist die Arbeitslosenquote deutlich höher als in den meisten anderen Euroländern.

Um neue Arbeitsplätze möchte Tsipras vor allem Geld für öffentliche Investitionen in die Hand nehmen. Daran hindern ihn jedoch die Bedingungen der internationalen Geldgeber. Ein anderer Dorn im Auge ist ihm die Zinslast, die den griechischen Haushalt angesichts der weiterhin massiven Staatsschulden belastet.

Tsipras möchte nicht nur diese Bedingungen, sondern auch einen wesentlichen Schuldenerlass der Gläubigerländer verhandeln. Doch ein Schuldenschnitt dürfte in der Eurozone auf viel Widerstand stoßen. Das liegt weniger an den sparefrohen Deutschen als an anderen Krisenländern wie Italien, Portugal oder Spanien. Denn diese zahlen bereits heute deutlich höhere Zinsen (im Vergleich zur jährlichen Wirtschaftsleistung) auf ihre Staatsschulden als Griechenland.

Diese Rechnung hat der Ökonom Zsolt Darvas vom Brüsseler Thinktank Bruegel angestellt (und ganz ähnlich sehen die Zahlen laut der DG ECFIN der EU-Kommission aus). Weil Griechenland etwa die Zinszahlungen an die EZB rückvergütet bekommt, ist die effektive Zinsbelastung des Landes heute bereits niedriger als anderswo, etwa Portugal oder Italien. „Griechenland hat eines der komfortabelsten Schuldentilgungsprofile überhaupt“, sagt auch Thomas Wieser, ranghoher Beamter auf EU-Ebene, der seit einigen Jahren die Euro-Arbeitsgruppe des Europäischen Rates leitet.

Griechenlands Staatssektor wird immer wieder als übertrieben aufgebläht dargestellt. Tatsächlich ist der Staatssektor relativ groß. Der Staat spielt trotz fünf Jahren Wirtschaftskrise eine gewichtige Rolle in der Wirtschaft. Diese Rolle lässt sich auch an den Beschäftigtenzahlen messen. Laut Eurostat-Daten ist der Beschäftigungsanteil der öffentlichen Verwaltung (und des Militärs) mit über 14 Prozent im Jahr 2013 deutlich höher als etwa in Österreich oder Deutschland (je rund acht Prozent).