APA/HERBERT PFARRHOFER

Bundespräsidentenwahl

Die Welt schaut auf Österreich – wieder einmal

Meinung / von Bernhard Schinwald / 24.05.2016

Norbert Hofer bleibt der Einzug in die Hofburg letztlich verwehrt. Dennoch wird die diesjährige Wahl des Bundespräsidenten einen bleibenden Eindruck in der internationalen Wahrnehmung Österreichs hinterlassen.

Auch wenn es nur mehr wenige in dieser Deutlichkeit zum Ausdruck bringen, viele Beobachter wurden in ihrem Bild von Österreich als geschichtsvergessenem Hort der Fremdenfeindlichkeit mit der diesjährigen Bundespräsidentenwahl neuerlich bestätigt. Seit den Erfolgen von Waldheim und der FPÖ unter Haider und Strache hatten sie in den vergangenen 30 Jahren keinen Anlass, sich davon zu verabschieden. Die Beinahe-Wahl eines FPÖ-Kandidaten zum Staatsoberhaupt wird daran nur wenig ändern.

Differenzierteres Bild

Was den Erfolg von Hofer allerdings von jenem Haiders oder Waldheims in der Außenwahrnehmung unterscheidet, ist ein anderes zentrales Motiv, das in der internationalen Berichterstattung zur Wahl zu beobachten war: Die Entscheidung in Österreich wird als weiterer Ausdruck einer weltweiten Entwicklung der wachsenden Globalisierungsskepsis und in Richtung des autoritären Nationalismus – eine Entwicklung, die sich nicht nur in Österreich auf die Tagespolitik niederschlägt. Während bei Waldheim und Haider noch ausschließlich die Nazikeule in den Kommentarspalten namhafter Zeitungen geschwungen wurde, sieht man das Ergebnis von Hofer – um die eigene Erfahrung bereichert – zumindest ein bisschen differenzierter.

US-Medien, wie der New Yorker etwa sehen in dem FPÖ-Kandidaten ein Ebenbild des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, der ebenso auf die Abgrenzung gegenüber Zuwanderern setzt und sein Land von den Entwicklungen in der Welt bedroht sieht. Als Motiv für diese Haltung wird aber nicht ausschließlich stumpfe Fremdenfeindlichkeit gesehen, sondern die Verunsicherung, die die zunehmende Globalisierung mit den damit verbundenen Abstiegsängsten auslöst. Auch die französische Le Monde betonte die Verbundenheit und Parallelen zwischen FPÖ und Front National und erklärte das Versagen der europäischen Eliten im Zuge der Flüchtlingskrise für mitverantwortlich am Zuwachs der FPÖ-Wähler. Und selbst Der Spiegel sieht die deutsche Politik mit Blick auf den Aufstieg der AfD alarmiert.

Obwohl es stimmt, dass Österreich nicht ein vergleichbar offenes und ehrliches Verhältnis zu seiner NS-Vergangenheit pflegt, wie etwa Deutschland, und die Mehrheit in der Wählerschaft tatsächlich tendenziell rechts der Mitte steht, greifen all diese Ansätze für eine hinreichende Erklärung des Wahlergebnisses zu kurz. Und das liegt gewissermaßen in der Natur des Außenblicks, der im Gegensatz zu einer innenpolitischen Berichterstattung immer zu kurz kommt. Das zeigt sich alleine darin, dass die meisten Medien ihre Hauptaufmerksamkeit dem FPÖ-Kandidaten widmen und dabei außer Acht lassen, dass es vielen Österreichern weiterhin unmöglich scheint, einen Grünen zu wählen. Oder es zeigt sich darin, dass höchstens nur jene Medien, die dauerhafte Korrespondenten in Wien stationiert haben, den Unmut der Bürger über die sozialpartnerschaftliche Zweiteilung von Staat und Gesellschaft im Nachkriegsösterreich mitberücksichtigen.

Kurzgreifende Berichterstattung

Vieles, was in den letzten Wochen und Jahren in den Zeitungen der Welt über die heimische Politik geschrieben wurde, greift zu kurz. Dennoch prägt es aber das Bild des Landes nach außen und beeinflusst damit möglicherweise Urlauber, die Österreich als Reiseziel in Erwägung ziehen, Investoren, denen der Standort Österreich reizvoll scheint oder gut ausgebildete Fachkräfte, die gerade entscheiden, in welches europäische Land sie mit ihrer Expertise auf Jobsuche gehen.

Aber um nicht in den Verdacht der Selbstgefälligkeit zu geraten: Die Art und Weise, wie hierzulande etwa die politischen Ereignisse in Polen, Russland oder Griechenland wahrgenommen werden, richtet sich auch entlang von Klischees, die durch die Berichterstattung heimischer Medien vielleicht manchmal entkräftet, meist aber bestätigt werden.

Selbst mit der Wahl von Alexander Van der Bellen wird das traditionelle Österreich-Bild im Ausland inhaltlich nicht entkräftet. Die Tatsache alleine, dass über zwei Millionen Österreicher ihr Kreuzchen am Sonntag neben den FPÖ-Kandidaten gemacht haben, reicht dafür schon als Bestätigung. Was Van der Bellens Sieg aber bewirkt, ist, dass sich spätestens ab morgen die Aufmerksamkeit der internationalen Medien wieder abwendet und die österreichische Politik unter die weltöffentliche Wahrnehmungsschwelle verschwindet. Mit der Wahl von Norbert Hofer und einer mindestens sechsjährigen Amtszeit wäre das anders.