Drei Minister im Rampenlicht

von Elisa Hübel / 09.02.2015

Im griechischen Kabinett arbeiten Ex-Kommunisten mit Rechtspopulisten zusammen. Drei Ministerporträts zusammengestellt von Elisa Hübel, NZZ-Autorin in Athen.

Zu Terminen im Amtssitz des Ministerpräsidenten fährt Yanis Varoufakis meist auf einem schweren Motorrad vor. Bekleidet ist er dann mit einer Lederjacke. Krawatten lehnt der neue griechische Finanzminister prinzipiell ab, selbst wenn es um einen Besuch in der Londoner Downing Street geht. Yanis Varoufakis ist ein durchaus ungewöhnlicher Mann. Entgegen den Regeln der griechischen Orthographie schreibt er seinen Vornamen lediglich mit einem „n“ und nicht mit zwei, wie das üblich ist. Das sehe ästhetisch besser aus, so hatte er einst bei seiner Grundschullehrerin argumentiert, weil sie ihm eine schlechte Note gegeben hatte.

Yanis Varoufakis – der Unbändige

Derzeit sorgt der 53-Jährige vor allem für Aufregung bei den internationalen Geldgebern. Noch heute ist das „Enfant terrible“ der griechischen Politik stolz darauf, dass die australische Regierung vor neun Jahren eine Gesetzesnovelle verabschieden musste, um eine Sendung von ihm beim staatlichen Rundfunk zu stoppen. In den griechischen Medien ist er bereits ein Held. Sogar ein Cocktail wurde nach ihm benannt. Er heißt „Varou-Funk-is“.

Studiert hat der neue Finanzminister Mathematik und Wirtschaft; er lehrte als Professor für Wirtschaftstheorie an Universitäten Großbritanniens, Australiens und Belgiens. Doch der exzentrische Star im Kabinett ist kein völliger politischer Neuling: Zwischen 2004 und 2006 fungierte er als Berater des sozialistischen Ministerpräsidenten Jiorgos Papandreou. Varoufakis stammt aus einer linken Familie. Sein Vater war Kommunist, der gegen die Militärdiktatur (1967 bis 1974) Widerstand geleistet hatte und ins Exil gehen musste.

Nikos Kotzias – der Ex-Kommunist

Etwas befremdet zeigten sich einige EU-Politiker auch über Athens neuen Außenminister Nikos Kotzias. Gleich nach seinem Amtsantritt hatte er sich für ein Ende der Sanktionen gegen Russland ausgesprochen. Kurz darauf lenkte er aber ein und sagte, dass Athen für Friede und Stabilität in der Ukraine sei. Ein Bruch mit Russland müsse allerdings unbedingt vermieden werden.

Beobachter beschreiben Kotzias als eine Persönlichkeit, die gern im Rampenlicht steht. Der 65-Jährige ist einer der renommiertesten internationalen Analysten Griechenlands. Den Verdacht, dass er freundschaftliche Beziehungen zu Alexander Dugin pflege, dem rechtsradikalen Politiker und Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin, wies er kürzlich zurück.

Kotzias war in jungen Jahren überzeugter Kommunist und gilt als profunder Kenner der Theorien von Marx und Lenin. Er war Gründungsmitglied des kommunistischen Jugendverbandes Griechenlands. Als Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei (KKE) beteiligte er sich aktiv am Widerstand gegen die Militärdiktatur. Studiert hat Kotzias Wirtschafts- und politische Philosophie in der deutschen Stadt Gießen sowie in Athen. Er ist Gründungsmitglied des Instituts für Marxistische Studien Marburg und gilt als theoretischer Architekt der griechisch-türkischen Annäherung. Gelehrt hat er unter anderem in Harvard; seit 1993 war er außenpolitischer Berater verschiedener Minister.

Panos Kammenos – der Heißsporn

Im neuen griechischen Kabinett gibt es mindestens noch einen dritten Politiker, der im Ausland mit etwas Skepsis betrachtet wird: der neue Verteidigungsminister Panos Kammenos. Kurz nach der Amtsübernahme hatte er im Rahmen einer Gedenkfeier für drei Piloten der griechischen Marine einen Kranz ins Meer geworfen. Die Soldaten waren im Januar 1996 im Umfeld eines Konfliktes mit der Türkei durch den Absturz eines Helikopters ums Leben gekommen. Ankara zeigte sich über die Gedenkfeierlichkeiten wenig erfreut und entsandte zwei Kampfflugzeuge in die Region, die von der griechischen Luftwaffe abgedrängt wurden.

Der als Heißsporn geltende Kammenos ist politisch betrachtet das absolute Gegenstück seiner linken Politiker-Kollegen Varoufakis und Kotzias. Der Verteidigungsminister ist Vorsitzender der rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen (ANEL), der Junior-Partner im griechischen Kabinett. Der 50-Jährige, der Wirtschaft und Psychologie an der Universität Lyon sowie Unternehmensmanagement in der Schweiz studierte, begann seine politische Karriere bei der konservativen Nea Dimokratia (ND). Im November 2011 wurde er aus der ND-Fraktion ausgeschlossen, weil er bei der Vertrauensabstimmung für das Kabinett des damaligen Interim-Ministers Loukas Papadimos mit „Nein“ votierte. Nur drei Monate später wurde er aus der Partei ausgeschlossen, weil er gegen neue Kreditverträge gestimmt hatte. Kammenos gründete daraufhin seine eigene Partei.