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Tierische Staatsgeschenke

Ein Elefant im Vatikan

von Stefan Reis Schweizer / 08.08.2016

Staatsgeschenke fielen in der frühen Neuzeit manchmal etwas üppiger aus. König Manuel I. von Portugal schenkte dem Papst einen Elefanten. Leo X. war begeistert, doch das Tier hielt nicht lange durch.

Das Verschenken von Tieren ist eine alte diplomatische Gepflogenheit, praktiziert bis in unsere Tage. Man denke nur an die Bären, die China seit den neunziger Jahren immer wieder gen Westen schickte, wofür sich der Begriff «Panda-Diplomatie» einbürgerte. Im Zeitalter der Eroberer waren diplomatische Gesten zuweilen noch viel pompöser. So schickte König Manuel I. von Portugal Papst Leo X. zu dessen Wahl 1513 einen Indischen Elefanten, Annone genannt, zu Deutsch Hanno. Freilich war dem prächtigen Staatsgeschenk kein langes Leben am päpstlichen Hof beschieden. Vor nun gut 500 Jahren starb der berühmte Elefant, nachdem ihm ein mit Gold angereichertes Abführmittel gegen seine Verstopfungen verabreicht worden war. Mit Hanno wollte der König den neuen Pontifex günstig stimmen. Denn Leo wachte über den Vertrag von Tordesillas, mit dem die Seemächte Spanien und Portugal die Neue Welt unter sich aufteilten.

Die Ankunft des Elefanten in der Ewigen Stadt war eine Sensation, seit Jahrhunderten hatte man in Rom keine Dickhäuter mehr gesehen. Der sinnenfrohe Papst aus der Familie der Medici soll dann auch seine helle Freude an dem Tier gehabt haben. Umso grösser war die Trauer, als Hanno nach nur gut drei Jahren in der Menagerie des Vatikans starb. Leo beauftragte seinen Hofmaler Raffael mit einem Fresko, das Hanno lebensgross zeigte, eine Gedenktafel liess er ebenfalls in Auftrag geben. Nicht nur Martin Luther, der wenige Jahre später von Leo exkommuniziert wurde, spottete über die Elefantenliebe des Renaissance-Papstes.

Eine Menagerie gibt es im Vatikan nicht mehr, und Staatsgeschenke von Monarchen fallen nicht erst seit dem Amtsantritt des jetzigen Papstes bescheidener aus. Als die Queen Franziskus zum ersten Mal besuchte, brachte sie Bio-Produkte von den königlichen Bauernhöfen mit. Prinz Philipp bereitete es sichtlich Freude, darauf hinzuweisen, dass sich in dem ansehnlichen Korb auch eine Flasche schottischen Whiskys befand. Den hätte, so darf man vermuten, wohl auch Franziskus‘ ferner Vorgänger Leo nicht abgelehnt.