Manu Brabo / AP

Ein Jahr Willkommenskultur

Idomeni – wo war das nochmal?

von Marvin Milatz / 05.09.2016

Lesbos, Idomeni, Traiskirchen – nur drei von vielen Orten, die im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise in den Fokus gerückt sind. Wissen Sie eigentlich noch, wo diese Orte genau liegen?

Aufmerksamkeit ist ein flüchtiges Gut. Auch und gerade bei einem Thema wie der Flüchtlingskrise, die schon lange andauert, aber immer an neuen Orten manifest wird. Wie Scheinwerfer, die nicht gleichzeitig jede Stelle beleuchten, verschiebt sich das Interesse der Öffentlichkeit von einem Schauplatz zum nächsten.

Ein Jahr ist es her, dass Angela Merkel mit ihrem „Wir schaffen das!“ gewissermassen den Slogan zur Willkommenskultur formulierte. Es war ihre Reaktion auf die eskalierende Krise, im Zuge derer verschiedenste Orte in Europa und nahe der Grenzen in den Fokus gerückt sind.

Die Schlagworte sind Ihnen bestimmt noch präsent, aber können Sie die Orte auf einer Karte einzeichnen? Sehen Sie, wie gut Sie im Vergleich mit anderen abschneiden – und lesen Sie nochmals die wichtigsten Artikel zu den jeweiligen Brennpunkten der Flüchtlingskrise.

Lesbos

Die Mittelmeerküste als Grenze zur EU ist seit Jahren ein Brennpunkt der Krise. 2015 verschob sich der Fokus von Italien in Richtung Griechenland: Von der Türkei aus versuchten viele Flüchtlinge per Boot nach Lesbos und damit in die EU zu gelangen. Bilder davon, wie gestrandete Flüchtlinge auf westliche Touristen treffen, gingen um die Welt.

Um die Orte für dieses Schätzquiz zu ermitteln, haben wir die Pressemitteilungen des Hohen Kommissariats der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCR) analysiert. Sie zeigen, wo sich die Lage für Flüchtlinge verschärfte.

Traiskirchen

(Bild: APA / Helmut Fohringer)

Zunächst gelang vielen Flüchtlingen die Reise nach Mittel- und Nordeuropa. Doch bald stauten sich die Flüchtlingstrecks an Grenzbahnhöfen in Deutschland und Österreich. In München kamen zeitweise mehrere tausend Menschen pro Tag an. Auch der 20’000-Einwohner-Ort Traiskirchen stand lange im Fokus der Berichterstattung. Zeitweise mussten dort über 2’000 Flüchtlinge auf einer Wiese campieren.

Röszke

(Bild: Matthias Schrader / AP Photo)

Die vielen Menschen gelangten zunächst über Serbien und Ungarn nach Österreich. Im Sommer 2015 aber baute Ungarn an Südgrenze zu Serbien einen hohen Zaun. Dieser sollte illegale Grenzübergänge verhindern – und die Migrationsströme so zum Versiegen bringen. Den letzten noch offenen Abschnitt der 175 km langen Grenze fanden Flüchtlinge in Röszke, einer kleinen ungarischen Gemeinde. Hier entstand ad hoc ein Flüchtlingscamp. Die letzte Chance, über Ungarn nach Norden zu reisen.

Calais

(Bild: Yves Herman / Reuters)

Die Regierungen Westeuropas waren mit dem Zustrom der Vertriebenen erst einmal überfordert. Noch nie sah die Europäische Union illegale Zeltstädte dieser Grösse. Zum Sinnbild dieses Wildwuchses wurde auch ein Lager in Frankreich: Calais, wegen der menschenunwürdigen Situation vor Ort auch der „Dschungel“ genannt.

Idomeni

(Bild: Vadim Ghirda / AP)

Schon bald spitzte sich die Situation nicht nur innerhalb europäischer Staaten, sondern auch an Grenzübergängen zu. Etwa zwischen Mazedonien und Griechenland. Zum Ausgangspunkt vieler Reisender auf der „Balkanroute“ wurde das griechische Lager in Idomeni.

Fayda

(Bild: Diego Ibarra Sánchez)

Die Flüchtlingskrise ist kein ausschliesslich europäisches Phänomen. Syriens Nachbarstaat Libanon nahm, gemessen an seiner Bevölkerung, so viele Schutzsuchende auf wie kein anderes Land der Welt. Über 1,2 Millionen Flüchtlinge leben im Land – und 4 Millionen Libanesen. Rund 10% dieser Flüchtlinge leben seit Jahren in einem der zahlreichen informellen Lagern in der Bekaa-Ebene. Mal unter Zeltplanen, mal unter gebrauchten Werbeplakaten. Fayda ist eines dieser Zeltquartiere. Distanz zur syrischen Grenze: Luftlinie ca. 14 km.

Como

(Bild: Arnd Wiegmann / Reuters)

Für viele Schweizer wurde die Flüchtlingskrise vermutlich in Como am greifbarsten: Dort leben in einem informellen Flüchtlingslager vor allem afrikanische Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa kamen.

Aleppo

(Bild: Manu Brabo / AP)

Wie kaum eine andere Stadt steht Aleppo für den Ursprung der aktuellen Flüchtlingskrise. Die Stadt war und bleibt zentraler Schauplatz im syrischen Bürgerkrieg, Abertausende von Menschen sitzen ohne zuverlässigen Zugang zu Trinkwasser und Lebensmitteln fest.