Philippe Wojazer / Reuters

Aufwendiger Anti-Terror-Einsatz

Ein Merci für französische Soldaten

von Matthias Sander / 08.09.2016

Seit dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ patrouillieren in Frankreich gut 10.000 Soldaten – auch an Orten, an denen man es eher nicht erwartet. In der Bevölkerung erntet der Einsatz viel Anerkennung.

Ein träger Sommermorgen am Bahnhof von Mülhausen. In der monumentalen Ankunftshalle verlieren sich nur einzelne Seelen. Der Anschlusszug geht in einer Stunde. Der Zeitungsladen macht Inventur und schliesst wieder. Der Tag scheint nicht beginnen zu wollen. Um zehn Uhr tut sich doch etwas. Ein maulwurfgrauer Renault Kangoo parkiert vor dem Bahnhof. „Mission Vigipirate“ steht auf dem Heck, der Name des ständigen Anti-Terror-Einsatzes in Frankreich. Vier Soldaten steigen aus, das Gewehr umgehängt, den Helm unter dem Arm. Sie schauen sich suchend um, dann laufen sie längs des Gebäudes weg. Am anderen Ende des Bahnhofs kommt ein weiterer Vierertrupp angelaufen. Es dürften jetzt so viele Soldaten wie Reisende hier sein. Doch die Vorsichtsmassnahmen der Behörden sind begründet: Die jüngsten Anschläge passierten auch an unerwarteten Orten wie Saint-Etienne-du-Rouvray in der Normandie.

Der Älteste der vier Uniformierten scheint der Anführer zu sein. Er wird begleitet von einem pummeligen Soldaten um die zwanzig, einem grossgewachsenen Schwarzen und einer Soldatin mit Pferdeschwanz. „Merci, dass Sie uns beschützen“, möchte man ihnen zurufen. Aber da sind die Finger am Abzug der Gewehre, die misstrauischen Blicke, die Anspannung in den Augen. Lieber keinen Argwohn erregen.

Viele Franzosen haben auch das Bedürfnis, Danke zu sagen. Im Rahmen der „Opération Sentinelle“ beschützen seit dem Attentat gegen „Charlie Hebdo“ 10 000 Soldaten im ganzen Land Einrichtungen wie Bahnhöfe, Flughäfen und Synagogen. Die Armee erntet auf Facebook mit Fotos ihrer Einsätze Tausende von Likes, „Mercis“ und „Bravos“. Der Dachverband der jüdischen Organisationen übergab Vertretern von Polizei und Militär im März ein 320-seitiges „Livre d’or“ mit ähnlichen Bekundungen. Auch wenn es Kritik am Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen gibt, wurde die Operation nach dem Attentat von Nizza verlängert. Hoffentlich werden die allgegenwärtigen Soldaten nie so selbstverständlich, dass man nicht mehr daran denkt, ihnen Merci sagen zu wollen.