Europäische Union/Wolfgang Schmidt

TTIP

Eine sachliche Annäherung an TTIP: Ein gewagtes Experiment

von Bernhard Schinwald / 23.10.2015

Sich dem Thema TTIP sachlich zu nähern, ist gewagt, lohnend und in Österreich eine Notwendigkeit.

Der NZZ-Clubabend, der am Mittwoch zum zweiten Mal im Haus der Europäischen Union stattfand, war dem Versuch gewidmet, sich dem Thema TTIP sachlich zu nähern. In einem Land, in dem über 600.000 Menschen aus Angst vor Chlorhühnern dem Aufruf einer Tageszeitung folgen und eine Petition unterschreiben, ist das ein durchaus gewagtes Experiment.

Wer den Versuch unternimmt, das Freihandelsabkommen TTIP sachlich anzugehen, merkt relativ schnell, wieso vergleichbare Unternehmungen so selten unternommen werden. Denn geht die Debatte über die bekannten und fernsehtauglichen Pro- und Contra-Argumente hinaus, findet man sich unmittelbar in Fachgesprächen etwa zur Lebensmittelverarbeitung, zur Sicherheit von Automobilen und zum Völkerrecht wieder.

Der Clubabend im EU-Haus hat aber gezeigt, dass es ein Publikum gibt, das für diese Art der Debatte nicht nur empfänglich ist, sondern vieles dazu beisteuern kann. Er hat gezeigt,  dass sowohl Befürworter als auch Kritiker sachlich nachvollziehbare Bedenken haben und dass auch Experten trotz ihres Wissens vieles nur annehmen können.

Auch wenn derartige Debatten ihre fachlichen Längen haben und die meisten Fragen nur halb beantwortet bleiben: Sie sind die Mühe wert. In einem Land, in dem über 600.000 Menschen aus Angst vor Chlorhühnern dem Aufruf einer Tageszeitung folgen und eine Petition unterschreiben, sind sie vielleicht sogar eine Notwendigkeit.