Euroraum wächst etwas schneller

von René Höltschi / 15.11.2014

Das BIP-Wachstum im Euro-Raum hat im dritten Quartal auf 0,2% angezogen, womit es etwas über den Erwartungen lag. Positiv wirkt sich die Entwicklung in einigen «Krisenländern» aus. Aus Brüssel berichtet NZZ-Korrespondent René Höltschi.

Das Wachstum im Euro-Raum bleibt relativ schwach, doch ist es im dritten Quartal etwas höher ausgefallen als von Bankökonomen erwartet: Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg laut einer am Freitag veröffentlichten ersten Schätzung des EU-Statistikamts Eurostat gegenüber derselben Vorperiode saisonbereinigt um 0,2% und gegenüber derselben Vorjahresperiode um 0,8%. Im ersten Quartal des laufenden Jahres hatte der Zuwachs gegenüber dem Vorquartal 0,3% betragen, doch war er im zweiten Vierteljahr laut revidierten Daten auf 0,1% zurückgefallen. Das erneute Anziehen auf 0,2% übertraf die Erwartungen vieler Auguren. So ist zum Beispiel die EU-Kommission noch in ihrer Anfang November veröffentlichten Herbstprognose von einer Stagnation im dritten Quartal ausgegangen.

Italien trägt rote Laterne

In der ganzen EU legte das BIP um 0,3% gegenüber dem Vorquartal und um 1,3% gegenüber demselben Vorjahresquartal zu. Die Daten – auch jene für die Vorquartale – wurden erstmals nach der seit September gültigen neuen Methodik (ESVG 2010) erhoben.

Dass es im Euro-Raum nicht ganz so schlimm gekommen ist wie befürchtet, ist zum einen auf die Entwicklung grosser Volkswirtschaften zurückzuführen. Frankreich und Deutschland, die beide im zweiten Vierteljahr einen BIP-Rückgang um je 0,1% gegenüber dem Vorquartal verzeichnet hatten, schwenkten wieder auf einen Wachstumspfad ein. Das französische BIP legte um 0,3%, während das deutsche Wachstum mit 0,1% schwach blieb. Italien hingegen trägt mit einer Schrumpfung des BIP um weitere 0,1% erneut die rote Laterne unter den grossen Euro-Staaten. Von den 21 EU-Ländern, für die bereits nationale Daten vorliegen, hat neben Italien nur noch Zypern ein negatives Wachstum (-0,4%) gemeldet.

Erholung in Griechenland

Positiv hervorzuheben ist die Entwicklung in einigen Staaten, die eben noch Hilfe gebraucht haben oder noch immer erhalten. So legte das BIP-Wachstum gegenüber dem Vorquartal in Griechenland von 0,3% im zweiten auf 0,7% im dritten Quartal zu, während es in Spanien mit 0,5% im dritten Vierteljahr leicht unter jenem des Vorquartals lag. Griechenland hat aber eine besonders lange und tiefe Rezession hinter sich, so dass es erhebliches weiteres Wachstum – und weitere Reformen – benötigen wird, um wieder auf das Vor-Krisen-Niveau zu kommen.

Die höchsten Wachstumsraten im Berichtsquartal meldeten EU-Staaten ausserhalb des Euro-Raums, nämlich Polen mit einem Plus von 0,9% und Rumänien mit einem solchen von 1,9% gegenüber dem Vorquartal. In Rumänien folgt dies allerdings auf einen Rückgang um 0,3% im zweiten Vierteljahr. In Grossbritannien legte das BIP um 0,7% zu. Wie immer gilt, dass man die Aussagekraft der einzelnen Quartalsdaten nicht überschätzen sollte, zumal diese ersten Schätzungen später nicht selten revidiert werden.