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Faymanns Zukunft

Faymanns neuer Jobwunsch: Irgendwas mit Flüchtlingen

von Bernhard Schinwald / 14.07.2016

Die ehrenamtliche Tätigkeit beim Zukunftsfonds sowie sein jüngster Einstand in der Lobbyisten-Zunft scheinen nicht genug. Zwei Monate nach einem Rücktritt ist der frühere Bundeskanzler Werner Faymann weiter auf Suche nach neuen Aufgaben auf internationaler Ebene.

Noch am selben Tag seines Abschieds verriet Faymann der Tageszeitung Österreich, er werde sich überlegen, „ob ich etwas im Rahmen der EU in Brüssel mache. Angebote dafür hat es in der Vergangenheit genug gegeben – mal schauen, ob mich da was reizt.“ Seine Ansage trat Spekulationen über Jobmöglichkeiten in Brüssel los. Als möglicher Nachfolger von Donald Tusk im Amt des Ratspräsidenten wurde er etwa gehandelt, später als Sonderberater der EU-Kommission für Fragen der Jugendbeschäftigung. Nichts davon hat sich letztlich substanziiert.

Wie die Wirtschaftswoche berichtet, will Faymann nun die UNO in Flüchtlingsangelegenheiten unterstützen. Zu diesem Zweck habe er am Montag mit Tusk Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in Brüssel getroffen. Inhalte über das Treffen sind nicht bekannt.

Hochrangige Funktionen in diesem Bereich stehen momentan nicht zur Verfügung. Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen Filippo Grandi trat erst in diesem Jahr seine Funktion an. Und auch das Amt des UNHCR-Sondergesandten des Flüchtlingskommissars käme für Faymann nur dann in Frage, wenn Angelina Jolie darauf verzichten würde.

Wohin die Reise für den Altkanzler also gehen wird, bleibt mit Spannung zu beobachten. Dass er nun ausgerechnet in der Flüchtlingsarbeit aktiv werden will, dürfte allerdings für Verwunderung und Unmut sorgen. Faymann wird im In- und Ausland weiterhin angelastet, als Regierungschef innerhalb weniger Monate von einer humanitären zu einer repressiven Haltung gegenüber Flüchtlingen geschwenkt zu sein. Diese Beschreibung ist insofern fair, als sie die Realität beschreibt. Sie ist allerdings insofern unfair, als die deutsche Kanzlerin Angela Merkel de facto dasselbe gemacht hat – nur ohne dass es jemand gemerkt hat.


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