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Arbeitslosigkeit

Finnland und Österreich geben Anlass zur Sorge

von René Höltschi / 08.01.2016

Im Euroraum ist die Arbeitslosenquote im November auf 10,5 Prozent gesunken, den tiefsten Wert seit Oktober 2011. Anlass zur Sorge hat – zusammen mit Finnland – der ehemalige Musterschüler Österreich.

Die in der Krise massiv gestiegene Arbeitslosigkeit im Euroraum geht mehr oder weniger stetig zurück. Doch der Abbau erfolgt angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums und struktureller Probleme vieler Mitgliedstaaten nur langsam. Wie das EU-Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte, ist die saisonbereinigte Arbeitslosenquote der Eurozone von – nach unten revidierten – 10,6 im Oktober auf 10,5 Prozent im November 2015 gesunken. Im November 2014 hatte sie noch 11,5 Prozent und damit einen ganzen Prozentpunkt mehr betragen. In der ganzen EU (EU-28) fiel die Kennzahl im Berichtsmonat auf 9,1 Prozent, nachdem sie im Vormonat bei 9,2 Prozent und im November 2014 bei 10 Prozent gelegen hatte.

Der Novemberwert ist laut Eurostat im Euroraum die niedrigste Quote seit Oktober 2011 und in der EU-28 die geringste seit Juli 2009. In beiden Wirtschaftsräumen liegt die Kennzahl mittlerweile deutlich unter dem im Frühling 2013 erreichten Höchststand von 12,1 Prozent in der Euro-Zone und 11 Prozent in der EU-28, aber noch immer weit über den 2008 kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise verzeichneten Werten von gut 7 Prozent bzw. knapp 7 Prozent.

Immerhin ist die Arbeitslosenquote über ein Jahr betrachtet in 25 der 28 EU-Staaten gefallen, während sie in Rumänien stagnierte. Negativ fallen derzeit Finnland und Österreich auf, die einst eher zu den Musterschülern zählten. In Finnland, das eine wirtschaftliche Schwächephase durchläuft, stieg die Kennzahl von 9 Prozent im November 2014 auf 9,4 Prozent ein Jahr später, in Österreich legte sie im selben Zeitraum von 5,6 Prozent auf 5,8 Prozent zu. Damit liegt Österreich, in dem sich zur schwachen Konjunktur und einem wachsenden Arbeitskräftepotenzial strukturelle Schwächen gesellen, EU-weit noch immer noch an fünftbester Stelle. Gleichwohl müsste der ungünstige Trend für Wien Anlass zur Sorge sein.

Die EU-weit tiefste Quote verzeichnete erneut Deutschland mit 4,5 Prozent, die höchsten Werte meldeten Spanien mit 21,4 Prozent und Griechenland mit 24,5 Prozent (September, keine neueren griechischen Daten verfügbar). Immerhin zählt Spanien zusammen mit Bulgarien und Italien zu den Staaten mit den über ein Jahr betrachtet stärksten Rückgängen. Mit 11,3 Prozent liegt Italien indessen noch immer über dem Wert des ganzen Euroraums, während Frankreich mit 10,1 Prozent leicht darunter liegt.

Eurostat schätzt, dass im November EU-weit 22,2 Millionen Menschen arbeitslos waren, davon 16,9 Millionen im Euroraum. Gegenüber Oktober fiel die Zahl in der EU-28 um 179.000 und in der Euro-Zone um 130.000.

Die im Vormonat vorübergehend angestiegene Jugendarbeitslosenquote (unter 25-Jährige) ging wieder leicht zurück: Im Euroraum sank sie von 22,6 im Oktober auf 22,5 Prozent im November, in der EU-28 von 20,2 Prozent auf 20 Prozent. Sie misst die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen in Prozent der Erwerbspersonen dieser Altersklasse, nicht der Gesamtbevölkerung. Letzteres ergäbe deutlich tiefere Quoten, da zum Beispiel viele Studenten nicht zu den Erwerbspersonen zählen, aber auch nicht arbeitslos sind.