Patrick Pleul / EPA

Flughafen Berlin-Brandenburg: Das peinliche Jubiläum

von Andreas Reich / 05.09.2016

Der neue Berliner Flughafen ist auch zehn Jahre nach Baubeginn noch immer eine Baustelle. Das ist bereits doppelt so lang wie geplant.

Die Stimmung ist aufgeräumt an diesem sonnigen Spätsommertag im Jahr 2006 an der südlichen Stadtgrenze von Berlin. Sechs Männer in Anzug und Krawatte stachen am 5. September mit ihren Spaten in den Boden und wirbelten die sandfarbene Erde durch die Luft. Neben den Funktionären des Flughafens sind aufgereiht: Klaus Wowereit, Bürgermeister von Berlin, Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes Brandenburg, und der deutsche Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Wowereit diktiert in die Notizblöcke der Reporter: „Es ist ein glücklicher Tag für die Region.“

Zu kurze Rolltreppen

Bis 2011 sollte hier der drittgrösste Flughafen Deutschlands errichtet werden. Vom modernsten Flughafen Europas war die Rede. Zehn Jahre nach dem Spatenstich wird der Flugverkehr von und nach Berlin weiterhin über die Flughäfen Tegel und Schönefeld abgewickelt. Diese sind in die Jahre gekommen und eigentlich zu klein für das Passagieraufkommen, das sie zu bewältigen haben. Der Flughafen Berlin-Brandenburg „Willy Brandt“, wie er offiziell heisst, ist noch immer eine Baustelle.

Nicht nur der Zeitplan wurde überzogen, auch die Kosten sind längst aus dem Ruder gelaufen. Zu Baubeginn budgetierte man 2,4 Milliarden Euro, mittlerweile rechnet man mit 5,4 Milliarden.

Die Liste der Baumängel ist lang und skurril: Bäume, die falsch gepflanzt wurden, Rolltreppen, die zu kurz sind, oder eine Lichtanlage, die sich nicht ausschalten lässt.

Die Liste der Baumängel ist lang und teilweise äusserst skurril: Bäume, die falsch gepflanzt wurden, Rolltreppen, die zu kurz sind, oder eine Lichtanlage, die sich nicht ausschalten lässt – von der nicht funktionierenden Brandschutzanlage ganz zu schweigen. 2013 führte ein Bericht annähernd 100’000 Baumängel auf.

Statt ein Generalunternehmen für das Projekt einzusetzen, wurden mehr als 50 Teilaufträge vergeben. Zwar konnten auf diese Art viele Aufträge an das lokale Gewerbe vergeben werden, das Management des Flughafens verlor dabei aber völlig den Überblick.

Zusätzliches Terminal

Nun ist die Eröffnung auf November 2017 vorgesehen. Verschiedene Beobachter halten allerdings auch diesen Termin für unrealistisch. Aufgrund der langen Bauzeit wurde bereits mit der Planung eines zusätzlichen Terminals begonnen, noch bevor der Flughafen überhaupt seinen Betrieb aufgenommen hat. Eigentlich war der Flughafen auf 27 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. Aber allein im vergangenen Jahr reisten rund 29 Millionen Menschen über die Flughäfen Tegel und Schönefeld.

Wann auch immer der neue Berliner Flughafen eröffnet werden wird, die sechs Männer von 2006 werden bei der Eröffnungsfeier nicht mehr aus der ersten Reihe in die Kameras lächeln: Sie sitzen heute alle nicht mehr in ihren Ämtern. Die Baustelle, die sie hinterlassen haben, gibt es allerdings noch immer.