Ricardo Mazalan / AP

Präsident Juan Manuel Santos

Friedensnobelpreis geht nach Kolumbien

von Rudolf Hermann / 07.10.2016

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos. Er erhält den Preis für seine Bemühungen, den seit über 50 Jahren währenden Guerillakrieg in seinem Land zu beenden.

Trotz des knappen Neins des kolumbianischen Stimmvolks im Referendum zum Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen zur Beendigung des jahrzehntelangen Bürgerkriegs hat das norwegische Nobel-Komitee, das jedes Jahr den Friedensnobelpreis verleiht, die Auszeichnung nach Kolumbien vergeben. Der Preis wurde allerdings allein dem Präsidenten Juan Manuel Santos zuerkannt und damit nur einer Seite der Verhandlungsparteien.

„Historische Initiative“

Santos habe eine historische Initiative ergriffen, einen starken Willen zum Erreichen eines Resultats gezeigt und alle seine Kraft in den Prozess gelegt, sagte die Vorsitzende des Nobelkomitees, Kaci Kullmann Five, an der vom norwegischen Fernsehen live übertragenen Medienkonferenz zur Preisverleihung. Zur Rolle der Farc-Guerilla nahm die Komitee-Vorsitzende unter Verweis darauf, dass das Komitee traditionell nur den Preisträger kommentiere und nicht andere Kandidaten, keine Stellung.

Jedoch unterstrich sie, dass man die Zuerkennung des Preises an Juan Manuel Santos als „starke Ermutigung für alle am Friedensprozess beteiligten Parteien“ verstanden wissen wolle. Darin eingeschlossen sei namentlich auch das kolumbianische Volk. Man respektiere das Resultat der Abstimmung, sei aber der Meinung, dass die Wählerschaft nicht zum Frieden als solchem Nein gesagt habe, sondern nur zum vorgelegten Friedensabkommen.

Wilde Spekulationen in den letzten Tagen

Die Protagonisten des kolumbianischen Friedensprozesses waren von Auguren, Kaffeesatzlesern und Buchmachern im Vorfeld der Preisverleihung am häufigsten als Favoriten genannt worden. Nach dem hauchdünnen Volks-Nein am letzten Wochenende begannen jedoch wilde Spekulationen, wen das norwegische Nobel-Komitee angesichts der entstandenen Situation nun ehren könnte.

Mit 376 eingereichten Anträgen, die 148 Organisationen und 228 Einzelpersonen betrafen, gab es dieses Jahr mehr potenzielle Preisträger als je zuvor. Als aussichtsreichste Kandidaten wurden zuletzt die humanitären freiwilligen Einsatzkräfte der Weissen Helme in Syrien und die Flüchtlingshelfer auf den griechischen Ägäis-Inseln eingeschätzt. Ausserdem wurde spekuliert, dass die russische Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina für ihre langjährige Arbeit mit Flüchtlingen und Migranten geehrt werden könnte, oder dass der Preis an die Architekten des Nuklearabkommens mit Iran gehe.